Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
Das iranische Scheidungsdrama Nader und Simin, eine Trennung ist mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden und zwei silberne Preise gab es gleich noch dazu. Auch die beiden deutschen Bewerber im Berlinale-Wettbewerb können sich freuen.
Triumph für einen iranischen Film: Nader und Simin, eine Trennung von Asghar Farhadi ist mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Der Film wurde außerdem mit zwei Silbernen Bären für das beste weibliche und männliche Hauptdarstellerensemble geehrt. Das Scheidungsdrama war schon im Vorfeld von Kritikern als Favorit gehandelt worden.
Auch die deutschen Wettbewerbsteilnehmer können sich freuen: Andres Veiel wurde mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet und Ulrich Köhler bekam für seinen Film Schlafkrankheit den Silbernen Bären für die beste Regie.
Der Gewinnerfilm erzählt vordergründig die Geschichte einer Scheidung im Iran, dabei aber auch von Moral und Verantwortung. Nader pflegt seinen alzheimerkranken Vater und ist völlig überfordert, als seine Frau ihn verlässt. Der Familienvater versucht den Alltag mit den Pflegefall und seiner schulpflichtigen Tochter zu meistern. Ein gläubige Pflegerin soll ihm bei der Betreuung des verwirrten Vaters helfen. Das alles ist schwieriger als gedacht und während die Protagonisten darum ringen, die Kontrolle zu wahren, ereignet sich eine Tragödie. Der Film zeichnet ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse in Iran.
«Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Preis gewinnen würde», sagte der Regisseur, als er den Goldenen Bären entgegen nahm. Dabei erinnerte er auch an den verurteilten iranischen Regiekollegen Jafar Panahi. Er wünsche sich, dass dieser nächstes Jahr auch auf der Bühne des Berlinale Palastes stehen werde.
Als ihn auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Preisverleihung eine Journalistin aufforderte, deutlicher Stellung zum Iran zu beziehen, sagte Farhadi: «Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich sage, was sie verlangen, dann bekomme ich Probleme und kann keine Filme mehr machen. Oder ich sage so viel wie ich kann und spreche durch meine Filme. Ich bin kein Held, ich bin ein Filmemacher.»
Zwei deutsche Regisseure: leichtfüßig und euphorisch
Andres Veiel sprang geradezu leichtfüßig auf die Bühne, als er den Alfred-Bauer-Preis in Empfang nehmen durfte. Der nach einem früheren Festivaldirektor benannte Preis wird an Werke verliehen, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen. Sein Film Wer wenn nicht wir erzählt von der Liebesbeziehung zwischen der späteren RAF-Terroristin Gudrun Ensslin und dem Verleger Bernward Vesper. Es sei sein Anliegen gewesen, mit seinem Werk eine andere Seite von Ensslin zu zeigen, die bislang als kaltblütige Rabenmutter dargestellt worden sei, sagte der Regisseur auf der Berlinale.
Sein Kollege Ulrich Köhler konnte sein Glück kaum fassen, als sein Name für den Regiepreis fiel. In Schlafkrankheit erzählt er die Geschichte eines Entwicklungshelfers, der in Kamerun die Schlafkrankheit erforscht. Noch vor einem Jahr habe er am Flughafen gestanden, um zu den Dreharbeiten aufzubrechen, lange sei es für ihn unvorstellbar gewesen, dass er den Film jemals fertigstellen würde, erinnert sich der glückstrunkene Regisseur, als er den Preis entgegen nahm.
Der sehr langsame und sperrige Film The Turin Horse von Béla Tarr darf sich mit dem Preis der Jury schmücken. Mit geduldigen Einstellungen und düsteren Bildern erzählt der ungarische Regisseur darin von dem Pferd, vor dem Friedrich Nietzsche in die Knie sank, weil es von seinem Kutscher geschlagen wurde. Der Philosoph soll daraufhin verrückt geworden sein.
Das Drehbuch des albanischen Films The Forgiveness Of Blood hat der internationalen Berlinale-Jury so gut gefallen, dass die Macher einen Silbernen Bären mitnehmen dürfen. Regisseur Joshua Marston erzählt darin von einem albanischen Jugendlichen, der in die Blutfehde seiner Familie gerät. Der argentinische Film El Premio wurde gleich zweifach als herausragende künstlerische Leistung geehrt: Die Jury zeichnete damit das Produktionsdesign und die Kameraarbeit aus.
Die Auszeichnungen sind im Rahmen der Abschlussgala im Berlinale-Palast am Samstagabend vergeben worden. 16 Filme waren ins Rennen um die Preise der 61. Internationalen Filmfestspiele in Berlin gegangen. Der letzte Tag des Festivals gehört traditionell dem Publikum.
cvd/news.de