Those Dancing Days Die süßen Ecken und Kanten

Die fünf Schwedinnen von Those Dancing Days wurden bisher vor allem dafür bewundert, dass sie jung und niedlich sind. Auf ihrem zweiten Album Daydreams And Nightmares machen sie klar, dass sie genug davon haben. Aber immer noch bezaubern können.

Those Dancing Days (Foto)
Those Dancing Days sehen nicht so aus. Aber sie sind gereift. Bild: Wichita

Nach ihrem spektakulären Debüt In Our Space Hero Suits (2008) hätten Those Dancing Days genau drei Platten machen können. 1. Noch einmal genau dasselbe Album, voller Killer-Refrains und jugendlichem Leichtsinn. Das hätte ihnen vielleicht ein paar neue (womöglich oberflächliche) Fans eingebracht, aber auch den Vorwurf, berechenbar und eindimensional zu sein. 2. Ein komplett anderes Album, düster, komplex und 72 Minuten lang. Das hätte vielleicht dafür gesorgt, dass noch ein paar mehr Musikkritiker feuchte Träume von den fünf jungen Schwedinnen haben. Es hätte aber auch alles pulverisiert, wofür Those Dancing Days bisher standen. 3. Ein Album irgendwo dazwischen, mit eingängigen Liedern, aber auch Ecken und Kanten und einer deutlich hörbaren Weiterentwicklung.

Musiktipp: «I'll Be Yours» von Those Dancing Days
Video: Wichita

Those Dancing Days haben Variante 3 gewählt. Und zwar aus Versehen. «Eigentlich hatten wir keinen bestimmten Plan, wie die neuen Lieder klingen sollten. Es ist einfach passiert», erzählt Schlagzeugerin Cissi Efraimsson im Interview mit news.de über das heute erscheinende Daydreams And Nightmares. «Wahrscheinlich hat sich unser Sound einfach verändert, weil wir nun ein bisschen älter sind. Wir haben neue Erfahrungen gemacht, und wir haben eine ganze Menge Konzerte gespielt. Wir sind selbstbewusster geworden, würde ich sagen. Das wirkt sich natürlich auf die Musik aus.»

Die Ergebnisse zeigen in Gestalt von Daydreams & Nightmares, entstanden unter der Regie von Produzent Patrik Berger ( Robyn, Roman Fischer) eine neue Bandbreite und Vielfalt, ohne die alten Stärken von Those Dancing Days über Bord zu werfen. «Wir kommen, wir kommen, wir kommen», scheint die Botschaft von Reaching Forward zum Auftakt zu sein. Das Lied verströmt viel Energie und den unvergleichlichen Optimismus in der Stimme von Sängerin Linnea Jönsson, doch Reaching Forward bleibt ein einziger langer Anlauf, weil das Schlagzeug im Refrain nur die Toms benutzt statt auf einen naheliegenden Bumm-Tschak-Rhythmus zu setzen. Das ist durchaus selbstbewusst – und baut viel Spannung auf für das, was folgt.

Dream About Me erinnert mit dem feinen Harmoniegesang und seiner Eighties-Gitarre an die Bangles, Help Me Close My Eyes gönnt sich ein bisschen Entspanntheit und bleibt doch packend. Fuckarias hat eine geheimnisvolle Düsternis, ganz am Ende sorgt Orlando Weeks von den Maccabees als Gaststar im bezaubernden Duett One Day Forever für eine besondere Dynamik. Fast immer machen Those Dancing Days im Refrain keine Experimente, nehmen sich aber in den Strophen die Freiheit, sich auszutoben und zu zeigen, dass sie inzwischen viel mehr drauf haben als zuckersüßen Indiepop.

Eine Pyjama-Party außer Kontrolle

Den gibt es freilich auch noch. I’ll Be Yours wird mit einer Orgel aus dem Kinderzimmer völlig betörend und klingt am Schluss wie eine außer Kontrolle geratene Pyjama-Party. Den patentierten Drive aller Produktionen von Max Martin (Katy Perry, Kelis) hat Can’t Find Entrance. Gegen Ende von Daydreams And Nightmares glänzen Those Dancing Days mit When We Fade Away (elegant, luftig, toll), Keep Me In Your Pocket (so zackig, dass es sich fast selbst über den Haufen rennt) und I Know Where You Live, Part 2 (Joy Division mutieren zu purer Lebensfreude).

«Ich würde mich freuen, wenn diesmal mehr über die Musik geschrieben wird und nicht mehr darüber, wie alt wir sind oder was wir für Klamotten tragen», wünscht sich Efraimsson. Those Dancing Days liefern mit Daydreams And Nightmares auf jeden Fall genug Gesprächsstoff, um diesen Wunsch wahr werden zu lassen.

Interpret: Those Dancing Days
Album: Daydreams And Nightmares
Plattenfirma: Wichita
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2011

Those Dancing Days auf Tour:

24. Februar Hamburg, 25. Februar Rostock, 1. März Köln, 2. März Berlin

news.de

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