Markus Barth Sternchen sind dem Autor sein Tod

Er schneidert TV-Comedians wie Anke Engelke & Co. Gags auf den Leib. Mit seinem Buch Der Genitiv ist dem Streber sein Sex will Markus Barth nun endgültig aus seinem Schattendasein treten.

Markus Barth (Foto)
Markus Barth ist derzeit auch mit seinem Programm Deppen mit Smartphones auf der Bühne zu erleben. Bild: Brainpool Live Entertainment

Zuallererst: Bitte Markus nicht mit Mario Barth verwechseln, dem erfolgreichsten Proletarier aller Comedians. Namensvetter Markus Barth ist nämlich keine Rampensau. Zwar sorgte er schon für Lachsalven in zahlreichen TV-Shows, aber in Deutschlands Buchlandschaft spielte er bislang noch keine tragende Rolle. Markus Barth ist Headwriter und sorgt fürs Schenkelklopfen in erfolgreichen Comedy-TV-Formaten wie Ladykracher, Sechserpack oder der Wochenshow. Darum konnten bisher auch nur Insider etwas mit seinem Namen anfangen.

Das könnte sich jetzt ändern: Jetzt brachte der unbekanntere, aber vielseitigere Barth sein eigenes Buch heraus. In Der Genitiv ist dem Streber sein Sex zieht er unter anderem über David Beckham, Deko-Deppen, Lieb guck-Schreiber, Kugel-Kinder, Himbeer-Tonis und Indoor-Bananenesser her. Und sollten es die druckfrischen, kurzweiligen Shortcuts nicht auf die Bestsellerlisten schaffen, dann kann er immer noch - wie er selbst empfiehlt - in Jauchs Quizshow berühmt werden: Einfach nach der 50-Euro-Frage aufstehen und sagen: «Danke, mehr brauch ich nicht. Tschüs!»

«Erkenntnisse aus meinem Leben 2.0» verspricht der zwischen Fachwerk, Frankenwein und Frohsinn aufgewachsene Barth. Tatsächlich liest sich sein Spaß-Buch wie ein Live-Programm. Denn er schreibt so, wie ein guter Comedian spricht: pointiert, umgangssprachlich, flapsig. Einfallsreich umschifft er Themen, die bereits vom Gros der TV-Ulknudeln beackert wurden. Sollte sich doch mal ein populäres Gesellschaftsproblem zwischen die Zeilen stehlen, dann weicht er mit einer gekonnt gesetzten Pointe oder einem Überraschungshaken dem scheinbar vorhersehbaren Klischeebrüller aus.

In der Geschichte Lieb-Guck beispielsweise, geht es um zwei Kneipenfreunde und Sternchenhasser. Deren goldene Regel besagt: Wer *freu*, *grins* und Co. verwendet, der wird ignoriert. Was aber soll man tun, wenn das vielversprechende Date derart infizierte SMS schreibt? Anfänglich bietet sich das Schlagen mit den eigenen Waffen an: «... Findest du diese SMS-Sprache mit Sternchen nicht auch irgendwie kindisch? *kritisch hinterfrag*». Letztendlich aber muss es konsequenterweise heißen: «Ich glaub, wir lassen das mal lieber *schluss mach*».

Barth trifft den Nerv der Zweinuller-Zeit und fragt, warum nicht alles heutzutage super ist. Und das, obwohl es doch für jedes Problem ein Internetportal gibt, die Joggingklamotten fast von allein rennen und beim Reden und Schreiben Bastian Sick hilft. Den Herrn Sick braucht Markus Barth ganz sicher nicht, denn Schreiben ist Barths Stärke. Schwäche zeigt er hingegen in seiner Live-Präsenz. Zwar tritt der Wahl-Kölner schon seit 2007 als Stand-up-Comedian auf, Geld sollte man jedoch lieber ins Buch als in einen Show-Besuch investieren. *Kritisch rezensier*.

Titel: Der Genitiv ist dem Streber sein Sex und andere Erkenntnisse aus meinem Leben 2.0
Autor: Markus Barth
Verlag: Rowohlt Verlag
Seitenzahl: 208
Preis: 8,99 Euro
Erscheinungsdatum: Januar 2011

reu/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • lynn
  • Kommentar 1
  • 14.04.2011 14:23

liege gerade im spital und hab das buch beim warten auf meine op gelesen. manchmal sind mir sogar die tränen vor lachen runtergelaufen - hab mich in den geschichten oftmals selber wiedergefunden. es wird einem auf lustige art ein spiegel vorgehalten! ich bitte um eine fortsetzung!!! lynn

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