So., 27.05.12

Berlinale 2011 14.02.2011 Im Arm von Gerard Butler

«Coriolanus» (Foto)
Drehbuchautor John Logan, Gerard Butler, Jessica Chastain, Ralph Fiennes und Vanessa Redgrave (von links nach rechts) bei der Pressekonferenz zum Film Coriolanus auf der Berlinale. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin

Homoerotisches Gerangel, große Literatur und ein Kriegsheld in Rage: Schauspieler Ralph Fiennes feiert auf der Berlinale mit der Shakespeare-Adaption Coriolanus sein Regie-Debüt. Vanessa Redgrave und Gerard Butler standen ihm dabei zur Seite.

Heute hat Ralph Fiennes sein Regie-Debüt Coriolanus auf der Berlinale vorgestellt. Der Film ist eine Shakespeare-Adaption, die Fiennes kurzerhand in die Gegenwart verpflanzt hat. Statt römischer Rüstungen und Schwertkampf treffen hier Soldaten in Tarnanzügen zum Häuserkampf in Roms Straßen aufeinander.

Caius Martius Coriolanus ist Krieger aus Leidenschaft, patriotisch durch und durch. Seinen Gegner Tullus Aufidius (Gerard Butler) bekämpft er mit Hingabe. Er ist ein Mann, der Waffen statt Worte sprechen lässt, seine Mutter ist stolz auf jede Narbe, die ihr Sohn vom Schlachtfeld nach Hause bringt. Sie überredet ihn auch dazu, sich zum Konsul wählen zu lassen. Doch mit Arroganz und Überheblichkeit bringt Coriolanus das römische Volk gegen sich auf und wird verstoßen. Jetzt keimen finstere Rachegelüste in ihm auf.

Dank der starken schauspielerischen Leistung der hochkarätigen Darsteller - von Vanessa Redgrave und Gerard Butler über Jessica Chastain bis zu Fiennes selbst - kann sich der Film Hoffnungen auf einen Goldenen oder Silbernen Bären machen. Auch der Film V Subbotu über das Reaktorunglück in Tschernobyl, der heute auf der Berlinale vorgestellt wurde, wird als einer der Bären-Favoriten gehandelt.

Wie für einen zeitgenössischen Film gemacht

Coriolanus findet starke Bilder für die Geschichte um Loyalität und die Kraft des Wortes. Besonders sticht das leidenschaftliche Spiel des Hauptdarstellers Ralph Fiennes hervor: Verachtung sprüht aus seinen Augen, der Hass hat sich tief in die Mimik seines Gesichts gegraben, der Mund ist bitter verzerrt.

Er habe vor zehn Jahren das Stück an einem Londoner Theater gespielt und seitdem gedacht, dass der Stoff für einen starken zeitgenössischen Film wie gemacht sei, erzählt Fiennes auf der Berlinale. «Ich habe in den Zeitungen und im Fernsehen ständig Bilder von Kriegen und Unruhen gesehen, die mich immer wieder an das Stück erinnert haben. Die Bezüge zu unserem Alltag drängen sich doch geradezu auf», erklärt er.

Auch Gerard Butler, sonst eher durch romantische Komödien bekannt, kann auf Shakespeare-Erfahrung bauen: «Mein erstes Engagement als Schauspieler war eine Rolle in Coriolanus», erzählt er gut gelaunt und fügt hinzu, dass er sich mit dem Stempel «romantische Komödie» ungerecht behandelt fühle: «Irgendwie erinnern sich die Leute offenbar eher an romantische Komödien als an Dramen, ich versuche habe aber schon Filme aus allen möglichen Genres gemacht.»

Butler tauchte bei der Pressekonferenz in kerniger Lederjacke auf, strich sich durchs zurückgekämmte Haar, ließ sich von hingerissenen Journalistinnen umgarnen und tätschelte immer wieder an seiner elfenhaften Schauspielkollegin Jessica Chastain herum.

Homoerotische Kämpfe zwischen Butler und Fiennes

Mitten in dieser testosterongeschwängerten Atmosphäre kamen dann aber auch die beinahe homoerotischen Kampfszenen zwischen Fiennes und Butler im Film zur Sprache. «Ich brauche einen starken maskulinen Mann, den ich umarmen kann», scherzte Fiennes und fügte hinzu, dass homoerotische Andeutungen bei Shakespeare durchaus üblich seien.

Fiennes hat Coriolanus zwar in die Gegenwart verfrachtet und mit Maschinengewehren, Fernsehshows und Handyfilmern ausgestattet, doch in den Dialogen blieb er der Shakespeareschen Prosa treu. Das mutet anfangs etwas gestelzt an und es ergeben sich hin und wieder klassische Text-Bild-Scheren, wenn etwa von Schwertern die Rede ist, aber Pistolen gezückt werden - und dennoch: die klassische Sprache verleiht den Dialogen Tiefe und steht größtenteils in einem starken Spannungsverhältnis zum modernen Setting.

Schauspielerin Vanessa Redgrave hatte jedenfalls keine Probleme mit der altertümlichen Ausdrucksweise: «Ich bin mit Shakespeares Sprache aufgewachsen, deshalb hatte ich damit keinerlei Berührungsängste. Es ist schade, dass heutzutage viele Menschen keinen Zugang mehr zu dieser Sprache haben.» Von dem Regisseur-Neuling Ralph Fiennes zeigte sie sich hellauf begeistert. Sie habe zunächst befürchtet, dass sie die Rolle der Mutter Volumnia nicht bewältigen könne, aber weil Ralph so ein außergewöhnlicher Regisseur sei, habe sie ihm komplett vertraut.

Selbstzweifel scheint Butler nicht zu haben und so antwortet er kokett auf die Frage, was ihn an der Shakespeare-Verfilmung so gereizt habe: «Etwas Intellektuelles ist für mich immer eine Herausforderung», und fügte hinzu: «Es sind großartige Dialoge, es ist ein so großartiges Stück, da musste ich zugreifen. Und dann hatte ich die Gelegenheit, mit Vanessa und Ralph zusammen zu arbeiten - ich konnte unmöglich nein sagen.» Jessica Chastain blickt etwas betreten zu Boden, bis Butler ruft: «Und Jessica natürlich!» und dabei ihre Schulter fasst. Chastain neigt den Kopf, greift seine Hand und ein glockenhelles Kichern entschlüpft ihr.

cvd/news.de
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