Film Bestsellerverfilmung «Dschungelkind»

Sabine Kuegler blickt zurück auf eine außergewöhnliche Kindheit: Mit ihrer Familie verbrachte sie mehrere Jahre im Urwald West-Papuas beim Stamm der Fayu. Ihr autobiografisches Buch «Dschungelkind» avancierte 2005 zum Bestseller - und die Verfilmung schien nur eine Frage der Zeit.

Bestsellerverfilmung «Dschungelkind» (Foto)
Bestsellerverfilmung «Dschungelkind» Bild: dpa

Berlin (dpa) - Sabine Kuegler blickt zurück auf eine außergewöhnliche Kindheit: Mit ihrer Familie verbrachte sie mehrere Jahre im Urwald West-Papuas beim Stamm der Fayu. Ihr autobiografisches Buch «Dschungelkind» avancierte 2005 zum Bestseller - und die Verfilmung schien nur eine Frage der Zeit.

Nun ist es soweit: Regisseur Roland Suso Richter, der sich vor allem mit Fernsehproduktionen wie «Das Wunder von Berlin» und «Mogadischu» einen Namen machte, bringt Kueglers spannende Jugend auf die Kino-Leinwand. Ein Großteil der Dreharbeiten fand dafür im malaysischen Regenwald statt.

Nach einer raschen Einführung begleiten die Zuschauer die Familie bei der Ankunft im Dschungel. Neugierde, aber auch Angst stehen den Fünf dabei ins Gesicht geschrieben. Sabine jedoch geht recht furchtlos mit der neuen Situation um, versucht schnell, Kontakt zu den Kindern der Fayu aufzunehmen.

Stella Kunkat spielt diese junge Sabine und kann sich mit ihrem überzeugenden Auftritt als «Dschungelkind» als ernstzunehmendes Nachwuchstalent etablieren. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärte Kunkat (Jahrgang 1998): «Für mich war der Dreh in Malaysia auf jeden Fall ein großes Abenteuer, weil ich drei Monate lang weit weg von zu Hause war, in einer ganz neuen Umgebung». Umso schwerer fiel die anschließende Umstellung - ähnlich wie bei Kuegler nach vielen Jahren: «Nach der langen Zeit wollte ich fast gar nicht mehr weg, ich habe es so geliebt, barfuß zu laufen, im warmen Fluss zu baden, die Tiere und Natur um mich zu haben.»

Doch im Film freuen sich nicht alle Familienmitglieder über die neue Heimat. Während Sabines Mutter (verkörpert von Nadja Uhl aus «Sommer vorm Balkon») Probleme damit hat, die Traditionen und Riten des Stammes zu akzeptieren, ist der Vater Thomas Kretschmann - als Linguist erforscht er die Sprache der Fayu - zunächst davon überzeugt, dass man sich nicht einmischen sollte.

Die in Kapitel gegliederte Story schlägt schnell in ihren Bann. Was vor allem an der einnehmenden Hauptdarstellerin Stella Kunkat liegt. Sie gibt die junge Sabine Kuegler mit erfrischender Natürlichkeit. Auch an das zunächst etwas hölzerne Spiel der Eltern gewöhnt man sich im Verlauf. Und Kretschmann findet schließlich doch hinein in die Rolle des abenteuerlustigen Forschers.

In einer Schlüssel-Sequenz erlebt man die Familie beim Besuch der Großeltern in Deutschland. Vor allem der erste Kontakt mit Schnee beeindruckt nachhaltig. Schnell aber macht sich vor allem bei Sabine durch die westliche Lebensart Unbehagen breit. Sie sehnt sich nach dem, durchaus nicht immer einfachen Leben im Dschungel. Immerhin werden die Kinder dort schon früh auch mit dem Tod konfrontiert. Jungen Kinobesuchern dürften einige der Szenen daher auch recht drastisch erscheinen.

Der mit langem Atem erzählte, über zwei Stunden lange Film, verzichtet allerdings auf übertriebene Action und steuert auf ein bewegendes Ende zu. Regisseur Richter findet nicht nur dem Lebensrhythmus im Dschungel gemäße Bilder. Er erzählt auch von der Suche nach einer perfekten Welt, dem Wunsch nach einem freieren Leben abseits der «Zivilisation», vom Gegensatz zwischen moderner und traditioneller Gesellschaft. Was fehlt, ist jedoch eine Einordnung der politischen Situation West-Papuas, das zu Indonesien gehört. Auch Sabine Kuegler war dafür beim Erscheinen des Buches kritisiert worden.

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news.de/dpa

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