Von news.de-Redakteur Christian Vock
Welche Zahl fällt Ihnen beim Thema Trilogie ein? Doch wahrscheinlich die Drei. Trotzdem wurde in der Filmgeschichte immer wieder versucht, einer Trilogie einen vierten Teil hinzuzufügen. Oft genug hätte man das besser bleiben lassen.
Manche Dinge braucht man einfach nicht. Andere wiederum sind von Haus aus schon völlig unsinnig. Wie der kleine Knopf auf der Fernbedienung, mit dem man sich die DVD aus dem Player auswerfen lassen kann. Bei Trilogien ist das nicht anders. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei einer Trilogie um ein in sich geschlossenes Gesamtwerk, dessen Geschichte in drei Teilen erzählt wird und damit einer inneren Logik folgt. Einer Trilogie einen vierten Teil hinzuzufügen, ist demnach so, als würde man einem Viereck eine fünfte Ecke anzeichnen.
Neben diesen in sich geschlossenen Trilogien gibt es aber noch Filme, denen zwar eine gemeinsame Rahmenhandlung fehlt, die aber dennoch stets als Trilogie wahrgenommen werden. Das hat in der Vergangenheit aber so manchen Filmemacher nicht daran gehindert, diesen Dreiteilern noch einen vierten Teil hinzuzufügen. Und oft genug ist das gehörig schiefgegangen.
Nehmen wir zum Beispiel die bekannten Alien-Filme. Jeder Filmbegeisterte wird die Geschichten um Commander Ripley (Sigourney Weaver) und die Säure sabbernden Außerirdischen wohl immer als Trilogie wahrnehmen. Nach dem dritten Teil, als Ripley sich selbst und die Alien-Königin in ein todbringendes Bleibad gestürzt hatte, gilt für viele die Geschichte als erzählt. Commander Ripley, die Hauptfigur und das Rückgrat der Filme ist tot – was also sollte noch erzählt werden?
Umso verzweifelter wirkt daher der Versuch, in einem vierten Teil Commander Ripley und damit die Geschichte wiederzubeleben. Dass dies nur funktionierte, indem man Ripleys Erbgut klonte, hat immer irgendwie etwas von letztem Ausweg, um aus einer an sich abgeschlossenen Geschichte doch noch etwas herauszupressen. Dementsprechend fühlt sich Teil vier, für sich genommen ein guter Film, in der Gesamtheit der Alien-Filme zuweilen wie ein Fremdkörper an.
Die vorherigen drei Teile wirkten ohnehin in ihrer Machart bereits sehr unterschiedlich, weil jeweils ein anderer Regisseur verantwortlich war. Bei Teil vier saß dann Jean-Pierre Jeunet auf dem Regiestuhl, der durch Delicatessen bekannt und später durch Die fabelhafte Welt der Amelie berühmt wurde. Beides Filme, die weniger mit Science Fiction zu tun haben, als sie vielmehr zum Teil absurde Geschichten in einer noch absurderen Bildsprache erzählen. Ganz gruselig wurde es dann, als man später noch versuchte, zwei bekannte und einträgliche Filme miteinander zu kreuzen. Alien versus Predator kam dann dabei heraus und schaffte sogar noch eine Fortsetzung.
Sägen am eigenen Stuhl
Noch doller als bei Alien trieben es aber die Macher der Indiana-Jones-Filme. Die Teile eins bis drei bildeten all die Jahre eine der wohl besten Triologien der Filmgeschichte. Auch wenn sie danach noch unzählige Male kopiert wurde, diese Mischung aus Action, Schatzsuche, Klamauk und großem Hollywood-Kino, haben nur Hauptdarsteller Harrison Ford, Produzent George Lucas und Regisseur Steven Spielberg hinbekommen. Leider waren es auch genau diese Drei, die fast zwanzig Jahre nach dem dritten Teil mit Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels den eigenen Mythos angekratzt haben.
Zum einen gab es überhaupt keinen Grund, Indiana Jones wieder aufleben zu lassen. Die drei Filme waren überaus erfolgreich, die Figur des Indiana Jones grandios, und Harrison Ford wäre allen als Peitsche schwingender Haudrauf-Intellektueller in Erinnerung geblieben. Keine Not also, mit einem vierten Teil das Risiko einzugehen, dieses Bild zu zerstören. Zum anderen hat man es bei Teil vier mit der wirklich abstrusen Geschichte völlig übertrieben. Waren die ersten drei Teile bereits mit Mythischem und Mysteriösem voll, trieb man es bei Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels mit der Geschichte um allwissende Außerirdische auf die Spitze. Allein die Anfangsszene, in der Indiana Jones eine Atomexplosion in einem Kühlschrank überlebt, treibt dem Zuschauer die Tränen in die Augen – allerdings nicht aus Freude.
Wenn ein Pferd tot ist, so heißt es in einem Spruch, sollte man absteigen. Das lässt sich nur allzu oft auch auf Trilogien übertragen. Dennoch halten sich manche Filmemacher lieber an das Motto, dass Erfolg Erfolg nach sich zieht, und schlachten einträgliche Filme bis zum letzten aus. Ob das, was dabei hinten rauskommt, einer Trilogie gut tut, spielt da erst mal keine Rolle.
Und so ergibt die Rechnung 3 + 1 oft genug nicht 4, sondern bleibt immer nur 3 +1. Dass das bei anderen Trilogien wie Fluch der Karibik, dessen vierter Teil demnächst in die Kinos kommt, anders sein wird, ist zu bezweifeln. Freuen wir uns daher lieber, dass sich bei manchen Filmen eine Fortsetzung von selbst verbietet. Oder können Sie sich Titanic II vorstellen?
Trilogien, die derzeit im TV zu sehen sind:
Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs, 10. Februar, 20.15 Uhr, Vox
Stieg Larsson: Verdammnis - Teil 2, 13. Februar, 22.55 Uhr, ZDF (hierbei handelt es sich um die um zusätzliche Szenen erweiterte und deshalb längere Fassung)
Manchmal hat man den Eindruck, dass die Filmemacher im 4. Teil vergessen haben, was sie vorher schon gebracht haben. So ist es bei Indiana Jones unklar, warum Henry senior verstorben ist, obwohl er im Teil 3 vom Wasser des Lebens getrunken hat. Beim Herrn der Ringe dagegen könnte ich mir in der logischen Abfolge einen Teil 0 vorstellen ("Der kleine Hobbit") erzählt ja letztendlich die Vorgeschichte. Nur schlecht, dass diese dann nach der Trilogie gefilmt werden muss und die Darsteller mittlerweile doch erheblich älter geworden sind.
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