So., 27.05.12

I Blame Coco 09.02.2011 «Ich will wie Jimi Hendrix sein»

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach

Sie gibt sich gern die Schuld. Warum sonst nennt sich Eliot Paulina Sumner, deren Spitzname Coco ist, I Blame Coco? Die Musikerin hat ein nettes Album aufgenommen, fernab von Sting. Warum das erwähnenswert ist? Er ist ihr Vater.

Die Promoterin deines Albums The Constant hat im Vorfeld gesagt, du seist sehr diszipliniert. Hört eine 20-jährige Frau so etwas gern?

Coco: Ja, ich mache Musik, ich muss mich unter Kontrolle haben und sehr … ja genau, diszipliniert sein. Das trifft es gut.

Das ist nicht das Leben eines Rockstars, wie man es sich als Fan vorstellt.

Coco: (lacht) Wenn du gute Musik machst, hast du es auch verdient, Spaß zu haben und den Rock'N'Roll zu leben. Aber vorher muss man sich eben konzentrieren, denn die Musik steht an erster Stelle.

Auf Youtube hast du eine umfangreiche Kollektion an Videos zu deiner Musik. Die Kamera verfolgt dich scheinbar überall hin.

Coco: Das Internet macht mir ein bisschen Angst. Es ist so groß und unübersichtlich, aber heutzutage als Musiker muss man es einfach nutzen. Und Youtube ist noch angsteinflößender, deshalb gucke ich mir da selbst gar nichts an. Und ich mag es auch gar nicht, wenn mir die Kamera in Gesprächen folgt. Das wird schnell peinlich.

Es gibt aber auch die Videos, in denen du die Bedeutung jedes Songs deines Albums beschreibst. Ist es sinnvoll, den Zuhörern die eigene Musik zu erklären?

Coco: Je mehr ich über meine Musik spreche, desto mehr verstehe ich sie selbst. Es macht mir großen Spaß, darüber zu sprechen. Ich könnte das den ganzen Tag machen.

Die Zuhörer sollen also von dir erfahren, was du mit den Songs meinst.

I Blame Coco
The Constant
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Video: Universal Music

Coco: Das ist mir tatsächlich nicht so wichtig. Ich schreibe Songs und sie können meinetwegen von anderen interpretiert werden. Die Lieder rufen ja in jedem ein anderes Gefühl hervor.

Was inspiriert dich?

Coco: Alles, was mich umgibt. Es gibt so viele Dinge, die dich beeinflussen, an denen du wächst, auf dem Weg, du selbst zu werden. Ich bin auch inspiriert von verschiedenster Musik, ihrer Symbolik und ihren Strukturen. Alles, was in mir ein Gefühl hervorruft, ist auch eine Inspiration. Sogar wenn die Musik schlecht ist.

Du bist Fan von den Talking HeadsDie Talking Heads waren eine amerikanische Band, die von 1975 bis 1991 bestand und zu den bedeutendsten Bands der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung der 1980er Jahre gehörte. .Die Talking Heads waren eine amerikanische Band, die von 1975 bis 1991 bestand und zu den bedeutendsten Bands der Post-Punk- und New-Wave-Bewegung der 1980er Jahre gehörte. Hörst du dir dann deren Musik an und denkst: Mein nächster Song soll klingen wie Road To Nowhere?

Coco: Mit der Inspiration funktioniert es ein bisschen anders. Als ich sieben Jahre alt war, hat mir meine MutterCocos Mutter Trudie Styler ist eine bekannte britische Schauspielerin und Produzentin. Sie ist seit 1992 mit dem Musiker Sting verheiratet. eine CD vom Jimi Hendrix Jimi Hendrix war ein amerikanischer Gitarrist. Durch seine experimentelle Spielweise auf der E-Gitarre (unter anderem mit den Zähnen) hat er die Rockmusik nachhaltig beeinflusst. Er starb 1970 im Alter von 27 Jahren in London. gegeben. Sie sagte: «Das ist der coolste Typ, der jemals gelebt hat.» Und seitdem wollte ich Jimi Hendrix sein. Ich wollte Gitarre spielen wie er, habe sogar jeden Jimi-Hendrix-Song auswendig gelernt. Ich glaube, wenn du einen Helden hast, kann das eine große Inspiration für dich sein, weil du tun möchtest, was diese Person getan hat. Jeder andere Musiker würde mir wohl zustimmen.

The Killers aus Las VegasThe Killers sind eine amerikanische Rockband aus Las Vegas. Bis heute verkauften sie weltweit fast 13 Millionen Alben. Sänger Brandon Flowers hat kürzlich ein Soloalbum veröffentlicht. sollen auch eine deiner Lieblingsbands sein. Wie inspirieren die dich?

Coco: Ja, sie sind meine Lieblingsband der Neuzeit, weil ich glaube, dass sie lange im kollektiven Gedächtnis bleiben werden, für das, was sie heute machen. Ich höre ihre Musik und schaue mir die Interviews mit Sänger Brandon Flowers an.

Gerade du hast wahrscheinlich auch die Möglichkeit, deine Helden zu treffen.

Coco: Ich habe die Killers nie getroffen. (überlegt) Obwohl, das ist eine Lüge, ich habe sie getroffen, als ich jünger war.

Die Killers haben den 1980er-Appeal zurück in die Musik gebracht. Würdest du deinen Sound auch mit 1980er beschreiben, wie das die Kritiker tun?

Coco: Da sind Einflüsse vieler Generationen drin. Lange Zeit habe ich Musik aus den 1930ern und 1940ern gehört. Als ich das Album gemacht habe, habe ich viel Kraftwerk gehört. So bin ich ein bisschen auf die elektronischen Elemente in meiner Musik gekommen. Genauso haben mich auch Fleetwood Mac und 1970er Musik inspiriert. Man kann das mit den 80ern also nicht wirklich verallgemeinern.

Dein Album heißt The Constant. Was sind Konstanten in deinem Leben?

Coco: Das Album handelt von konstanten Schwierigkeiten im Leben. Jeder Song beschreibt ein anderes Gefühl, und im Endeffekt ist alles der Kampf mit dir selbst.

Du legst mehr Wert auf den Text deiner Lieder als auf die Musik. Würdest du dem zustimmen?

Coco: Musik ohne Text spricht dich nur auf der Gefühlsebene an, sobald der Text dazukommt, hast du ein erzählendes Element.

Bei Caesar singst du: It's the Milgram device all over again.Das Milgram-Experiment ist ein psychologisches Experiment, dass 1961 vom Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde. Es soll die Bereitschaft durchschnittlicher Personen testen, autoritären Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Das klingt politisch. Würdest du dich selbst als intellektuelle Künstlerin bezeichnen?

Coco: Weiß ich gar nicht. Ich mache Lieder, über die Dinge, die ich kenne. Von denen ich weiß, dass sie wahr sind. Ich versuche durch meine Lieder auch Zusammenhänge zu verstehen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass es intellektuelle Kunst ist.

Was ist dein Lieblingssong auf dem Album?

Coco: It's About To Get Worse, weil er viel langsamer ist, als die meisten der anderen Songs des Albums. Das Lied gibt den Zuhörern Zeit, die Melodie und den Text sacken zu lassen. Der Text ist sehr tiefgründig für mich. Und Quicker, weil ich diesen Song sehr gern live performe.

Ein Lied auf deinem Album hast du vor vier Jahren geschrieben, da warst du 16 …

Coco: Ja, No Smile.

Ist es auch jetzt noch der gleiche Song wie vor vier Jahren?

Coco: Ich habe ihn neu eingespielt, er hätte sonst nicht mit dem restlichen Album zusammengepasst. Das ist das Tolle an Songs, dass du sie verändern kannst und sie klingen immer so, wie du sie gern hättest.

Spielst du No Smile dann auch mit dem gleichen Gefühl, mit dem du ihn geschrieben hast?

Coco: Ja klar, wenn du ein Lied performst, fühlst du dich immer zurückversetzt in die Zeit und die Gefühle, die du beim Schreiben hattest. Da ist Nostalgie dabei. Und bei diesem Song ist es ein gutes Gefühl, er ist ziemlich rockig, obwohl er von Verletzlichkeit handelt. Die Musik hat eine andere Message als der Text.

Die Single Caesar hast du mit der schwedischen Sängerin Robyn aufgenommen. Sie hat im vergangenen Jahr drei Alben herausgebracht. Könntest du dir vorstellen, so zu arbeiten?

Coco: (lacht) Sie ist anspruchsvoll und kämpferisch. Sie zieht ihr eigenes Ding durch und ich habe unheimlichen Respekt vor ihrer Arbeit. Ich glaube, ich bleibe aber lieber bei einem Album pro Jahr. Drei zu veröffentlichen ist allerdings eine großartige Idee. Robyn muss allerdings wirklich erschöpft sein.

Das kann ich mir auch gut vorstellen.

Coco: Aber sie hat auch eine Menge Energie. Wer sollte so etwas schaffen, wenn nicht sie?

The Constant kommt gerade in Deutschland heraus. In Großbritannien ist das Album schon länger auf dem Markt. Heißt das, es kommt noch eine CD von dir 2011?

Coco: Ich schreibe gerade an einem Album, für das es keinen zeitlichen Rahmen oder Druck gibt, es fertigzumachen. Im Moment bin ich aber total aufgeregt und kann es gar nicht erwarten, wieder ins Studio zu gehen.

Coco, danke für das Gespräch. Wir haben kein Wort über deinen Vater Sting verloren.

Coco: Danke, das war erfrischend.

Interpret: I Blame Coco
Album: The Constant
Plattenfirma: Island (Universal)
Veröffentlichung: 11. Februar 2011

I Blame Coco auf Tour in Deutschland

21.03. Berlin, Frannz Club
23.03. Hamburg, Knust
27.03. Köln, Luxor
28.03. München, 59:1

wie/ivb/news.de
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