Von news.de-Redakteur Martin Walter
Ruhe in Unfrieden: Im Zeitalter von Facebook & Co. leben die User meist unfreiwillig nach ihrem Tod weiter. Um das zu verhindern, hilft ein virtuelles Testament. Immer mehr digitale Bestatter erkennen darin ein Geschäftsmodell gegen das ewige Leben im Netz.
«Happy Birthday! Genieß' deinen Tag» ist auf Susans Pinnwand im Sozialen Netzwerk StudiVZ zu lesen. Ob es sich bei den Geburtstagswünschen um einen schlechten Scherz oder nur um die Unwissenheit eines Netzwerk-Freundes handelt, bleibt unklar. Denn zum Zeitpunkt ihres 23. Geburtstags strahlt Susan zwar fröhlich von ihrem Profilbild, ist aber eigentlich schon seit 15 Monaten nicht mehr am Leben. Dass sie den Freitod gewählt hat, scheinen jedoch nicht alle ihre virtuellen Freunde mitbekommen zu haben.
Das Beispiel von Susan ist zum einen Indiz dafür, wie inflationär das Wort Freund in den Sozialen Netzwerken genutzt wird. Vor allem ist es aber Zeugnis einer unheimlichen Art von Unsterblichkeit im Netz. Der im realen Leben endlichen Existenz sind auf den Servern dieser Welt scheinbar keine Grenzen gesetzt. Und wer sich nicht selbst löscht, kann nach dem Tod oft schlichtweg nicht mehr gelöscht werden, denn Passwörter gibt man nur ungern weiter.
Der Tod stirbt nicht aus
Je mehr Mitglieder sich bei Facebook, StudiVZ & Co. tummeln, desto größer ist auch die Zahl derer, die das Zeitliche segnen. Ein Wachstumsmarkt also, den inzwischen eine ganze Branche für sich entdeckt hat. Denn die Bestattungsindustrie ist ein konjunkturunabhängiges Gewerbe, auch im Internet. Vor allem in den USA entstehen vermehrt «Bestatter»-Seiten wie Deathswitch, die sich auf die Löschung von alten Accounts und Daten spezialisiert haben. Netzwerk-User können dort ihr virtuelles Testament hinterlassen, indem sie Logindaten und den letzten digitalen Willen speichern, den Vertrauenspersonen nach ihrem Ableben dann in die Tat umsetzen.
Makaber ist das Prozedere allerdings schon. Die Bestattungsseiten überprüfen regelmäßig, ob der User noch am Leben ist. Selbst der Fall eines mehrmonatigen Komas kann dabei auf Wunsch berücksichtigt werden. Und neben dem letzten Willen lassen sich auch Bankdaten, Liebesgrüße und andere dunkle Geheimnisse vermeintlich sicher einlagern. Eine Schweizer Bank für Netzwerk-User sozusagen.
Noch nie war ewiges Leben so günstig
Doch auch den Netzwerken selbst ist die Problematik verwaister Accounts mittlerweile bewusst. Facebook bietet seinen Mitgliedern an, das Konto von Verstorbenen in einen «Gedenkzustand» zu versetzen. Dabei wird die Privatsphäre des entsprechenden Kontos so eingestellt, dass nur noch bestätigte Freunde das Profil ansehen oder über die Suche finden können. Familienangehörige können auch das komplette Profil eines Toten löschen lassen. Im Fall von StudiVZ brauchen die Hinterbliebenen eine Sterbeurkunde, um den Account des Gestorbenen aufkündigen zu können.
Bewusst positiv werben andere Portale mit der digitalen Unsterblichkeit.
Als «Gedenkstätte im Internet» firmiert etwa die Community Stayalive. Die vom ehemaligen Focus-Chefredakteur Helmut Markwort mitbegründete Seite verspricht die Unsterblichkeit für unglaublich preisgünstige 499 Euro. Nie war das ewige Leben so günstig. Wer sich registriert hat, lebt auch nach seinem irdischen Tod weiter und kann sich dafür schon im Voraus eigene Gedenkstätten, Bildergalerien, Familienstammbäume oder Freundeslisten anlegen.
"Soziales Netzwerk?" Ich wüsste nicht was an dem ganzen Kram sozial sein sollte? Diese Netzwerke dienen mehr der Auskundschaftung der Nutzer für Industrie und Politik. Eine bessere Stasigesellschft hat es nie gegeben, wobei man mit den Daten noch Geld verdienen kann. "Unsterblichkeit", für 499,-€. Lach mich schlapp über, soviel Betrug. Als solche Leute früher durch Teutsche Landen zogen, hieß es "Der Taler in dem Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt". Dann aber Kahm einer der sich vor solchen Betrügern wehrte. Martin Luther. Wer macht es Heute?
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