Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Der Busen steht, ob gut kaschiert oder gekonnt in Szene gesetzt, für Erotik, Mutterschaft und Freizügigkeit gleichermaßen. Die Arte-Dokumentation Kult um den Busen widmet sich dem wohl weiblichsten aller Körperteile.
Was macht den weiblichen Busen so wirkmächtig? Was unterscheidet ihn von den anderen sekundären Geschlechtsmerkmalen? «Er ist wichtig für das Kind, für den Vater, für den Mann, für die Frau», erklärt der französische Arzt und Senologe Dominique Gros. «Er ist mütterlich, er ist erotisch, er dient der ganzen Welt.» Der ganzen Welt?
Ob beim Striptease, bei Modenschauen, in Comics, Filmen, Romanen, Videoclips oder Werbespots: Nie war der Busen zumindest in unserer Gesellschaft so präsent wie heute. Er wird idealisiert in der Kunst und inszeniert in raffinierten Dekolletés und Wonderbras. In der Welt des Marketings sind entblößte Brüste eine sichere Währung. Die Arte-Dokumentation geht den erotischen Fantasien rund um den Busen nach und untersucht die damit verbundenen Komplexe, aber auch, wie anregend weibliche Rundungen für künstlerisches Schaffen sein können.
Für ihren Film sprach Regisseurin Laure Michel mit Künstlern, Wissenschaftlern und abgehalfterten Busenwundern. Zu Wort kommen unter anderem der Schriftsteller Martin Monestier, die Sängerin Olivia Ruiz, die Fotografin Bettina Rheims, die Comic-Autorin Hélène Bruller, der Maler Terry Rodgers, die Sängerin Diane Tell, die Striptease-Tänzerin Miss Julietta la Doll und die Bürgerrechtlerin und CDU-Abgeordnete Vera Lengsfeld. Dabei versucht sie, einigen grundlegenden Fragen näherzukommen: Was bedeutet es für Frauen, große Brüste zu haben? Welche Komplexe entstehen, wenn man obenrum nichts zu bieten hat? Und wie viel Einfluss haben Brüste wirklich – auf Männer, andere Frauen, im täglichen Leben?
Die Dokumentation schneidet durch die Bandbreite ihrer Gesprächspartner zahlreiche Themen an, ohne sich einem Sachverhalt tiefer gehend zu widmen. Gerade dadurch aber sind die 50 Minuten äußerst unterhaltsam und abwechslungsreich. Unter anderem wird der Kult um den Busen aus psychologischer, medizinischer, geschichtlicher und kultureller Sicht erklärt.
Der Busen in der Psychologie
Schon Sigmund Freud machte die weibliche Brust zum Gegenstand der Psychologie. Aus seiner Sicht war sie der Ursprung der tiefsten Emotionen. Er postulierte, dass das Saugen an der Brust nicht nur die erste Handlung eines Säuglings sei, sondern zudem der Anfang von dessen Sexualität. Das erotische Lustgefühl, das sich beim Saugen an der Brust einstelle, soll auf unbewusster Ebene während des gesamten Lebens einer Person in diversen Formen bestehen bleiben. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Brustumfang der Frau bei der Partnerwahl eine viel geringere Rolle spielt als angenommen. Ein hübsches Gesicht oder eine ausgeprägte Taille fallen hier mehr ins Gewicht, wenn man den Umfragen Glauben schenken darf.
Der Busen in der plastischen Chirurgie
Die weibliche Brust gilt trotzdem als paradiesisch, als «Airbag gegen harte Zeiten», indem sie uns zur Flucht in die Regression ins Kleinkindalter einlädt – und wird gerade deshalb oft genug zur Hölle, wenn er der Vorstellung nicht entspricht. In Deutschland werden jedes Jahr mehr als eine Million Schönheitsoperationen durchgeführt, die Brustvergrößerung ist darunter der häufigste Eingriff. Die erfolgsverwöhnte Branche macht sich um weiteres Wachstum keine Sorgen: «Der Wunsch nach Brustvergrößerung ist so alt wie die Menschheit selbst», tönt die deutsche Gesellschaft für ästhetische und plastische Chirurgie.
Der Busen im Wandel der Zeit
Am Beispiel der französischen Geschichtsschreibung zeigt Laure Michel die sehr unterschiedlichen Brustideale im Laufe der Zeit auf. So zeigt ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert Gabrielle d’Estrées, Mätresse von Henri IV., mit ihren straffen, von Kindern unberührten Brüsten im Bad, während im Hintergrund ein in Tücher gewickelter Säugling an den großen, runden Brüsten seiner Amme nuckelt. Vor der Revolution unterschied man in Frankreich zwei Arten von Brüsten: die straffen, kleinen Brüste von Frauen der Oberschicht zur Freude der Herren und die üppigen, mit Milch gefüllten Brüste von bezahlten Ammen. Im 17. Jahrhundert änderte sich die Vorliebe der Franzosen für kleine bis mittelgroße Brüste, als niederländische Gemälde großbusige Frauen beim Stillen ihrer eigenen Kinder zeigten. Die weibliche Brust stand nicht mehr nur für Erotik, sondern symbolisierte vielmehr Mutterliebe und häusliche Fürsorge.
Der Busen in anderen Kulturen
Afrikanische und südpazifische Kulturkreise, in denen entblößte Brüste seit Urzeiten zum Alltag gehören, kennen die sehr westliche Erotisierung der weiblichen Brust nicht. Nicht-abendländische Kulturen haben ihre eigenen Fetische: kleine Füße in China, der Nacken in Japan, das Gesäß in Afrika und in der Karibik. Es bleibt daher abzuwarten, ob es der westlichen Werbung gelingt, ihre überaus sexualisierte Sicht der weiblichen Brust in der übrigen Welt zu verbreiten.
Der Kult um den Busen ist also nicht global. Umso spannender zu sehen, wie und warum er sich in unserem Kulturkreis so entwickelt hat. Die Arte-Doku Kult um den Busen klärt diesbezüglich umfassend und unterhaltsam auf.
Kult um den Busen, Donnerstag, 10. Februar, 21.55 Uhr, Arte
juz/reu/news.de
Eine Sportlerin kann einen großen Busen nicht gebrauchen.Ich möchte auch keinen großen Busen haben . Meine Größe ist mir recht und sie sind echt .
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