Von news.de-Redakteur Christian Vock
RTL hat aus dem Unglück der Hindenburg einen großen TV-Zweiteiler gemacht. Hindenburg kommt als «Event-Movie» ganz international, also amerikanisch, daher. Doch wie bei der echten Katastrophe steckt auch bei der Verfilmung der Teufel im Detail.
Nun kann man nicht gerade behaupten, dass es derzeit im deutschen Fernsehen an großen Produktionen mangelt. Erst im Herbst vergangenen Jahres brachte Sat.1 den Bestseller des Autorenpaares Iny Lorentz Die Wanderhure mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle auf den TV-Bildschirm. Wenig später folgte wieder eine Bestsellerverfilmung, diesmal der Vierteiler Die Säulen der Erde nach dem Roman von Ken Follett. Beide Produktionen wurden mit einem Riesenaufwand betrieben, der sich letztlich aber für Sat.1 dank hervorragender Quoten mehr als gelohnt hat.
Bei so viel Größe will Branchenprimus und Konkurrent RTL natürlich nicht hintanstehen und schickt nun ebenfalls eine große Produktion ins Rennen. Um genau zu sein, die größte Produktion, die der Sender je gestemmt hat. Auch bei der Wahl der Geschichte hieß es klotzen und nicht kleckern. Und so hat man sich für das Unglück der Hindenburg entschieden, einst das Traumschiff der Lüfte, das am 6. Mai 1937 über dem amerikanischen Lakehurst in Flammen aufging.
So groß die Hindenburg damals war, so groß war der Aufwand, den die Produktionsfirma teamWorx mit Koproduktionspartner RTL für die Verfilmung des Unglücks betrieben hat: Über 10 Millionen Euro Budget und eine Vielzahl deutscher und internationaler Schauspielprominenz wie Christiane Paul, Heiner Lauterbach, Greta Scacchi oder Stacy Keach machen aus Hindenburg das, was TV-Sender gerne als «Event-Movie» verkaufen. Was auch immer man sich unter diesem PR-Sprech vorzustellen hat.
Verschwörung trifft Romanze
Doch wie erzählt man eine Geschichte, von der man bereits weiß, wie sie ausgeht? Hindenburg bedient sich dabei eines Tricks. Da zwar das Ende bekannt ist, die Gründe, die zu dem Unglück geführt haben, aber immer noch nicht vollständig geklärt sind, nutzt der Film diesen Spekulationsraum für seine Geschichte. Rund um eine Verschwörung mit teilweise auf historischen Vorbildern basierenden Charakteren baut der Film eine Liebesgeschichte, wie sie für solche «Event-Movies» fast schon obligatorisch ist. Schließlich hat das bei Titanic, der anderen Unglücksverfilmung mit bekanntem Ausgang, bestens funktioniert.
Da ist der Luftschiffkonstrukteur Merten Kröger (Maximilian Simonischek), der die Hindenburg mitentworfen hat. Kurz bevor der Zeppelin in die USA aufbrechen soll, trifft Kröger die Industriellentochter Jennifer van Zandt (Lauren Lee Smith) und verliebt sich in sie. Als diese zusammen mit ihrer Mutter (Greta Scacchi) das Luftschifft besteigt, erfährt Kröger im Zweikampf mit einem Nazi-Offizier, dass sich eine Bombe an Bord der Hindenburg befindet. Ganz verliebter Held stiehlt sich Kröger, nun unter Mordverdacht, an Bord, um Jennifer und natürlich alle anderen zu retten. Im Folgenden beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der mit ein wenig Action, etwas mehr Romanze und mit ganz viel Verschwörungstheorien gewürzt ist.
Ein großer historischer Stoff, ein isolierter Schauplatz in der Luft und reichlich Raum für Spekulationen und Intrigen: Die Macher von Hindenburg haben bei der Auswahl des Stoffs den Boden bereitet für ein großes Kammerspiel in noch größeren Höhen. Doch der Grund, warum Hindenburg kein ganz großer Film geworden ist, liegt an vielen Kleinigkeiten, die für sich allein genommen unwichtig erscheinen, in ihrer Gesamtheit dem Film aber viel zu oft die Luft herauslassen.
Nichts für Lippenleser
Da ist zunächst das verliebte Paar. So sehr sich Lauren Lee Smith auch bemüht, so recht mag der Funke zwischen ihr und Maximilian Simonischek nicht überspringen. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Simonischeks Repertoire an Gesichtsausdrücken neben dem des kantigen Helden keinen zweiten für den des Verliebten bietet. Raum für darstellerische Tiefe bleibt da nicht. Genauso wenig wie für Liebe fürs Detail. Da wird der Held gerade erst, wie er selbst sagt, «beinahe zu Tode geprügelt», nur um in der nächsten Szene frisch rasiert der Geliebten in die Arme zu fallen. Anzeichen für die kleinste Blessur – Fehlanzeige.
Doch was im Kleinen fehlt, fehlt leider auch im Großen. Was beispielsweise bei Das Boot in Bezug auf die Enge eines U-Boots so wunderbar gelungen ist, funktioniert bei Hindenburg in die andere Richtung viel zu selten. Da fliegt der Zuschauer im größten Luftschiff der Welt mit und bekommt bis kurz vor Schluss kein wirkliches Gefühl für die immense Größe des Zeppelins. Mit einer Länge von etwa 246 Metern war die Hindenburg ungefähr dreimal so lang wie ein Airbus A 380. Kaum zu sehen für den Zuschauer, stattdessen sieht er viele enge Kabinen und Gänge.
Dass der Film den Zuschauer über weite Strecken kalt lassen wird, liegt zum Großteil an einem unscheinbar wirkenden Detail: der schlechten Synchronisation. Dass man die enormen Produktionskosten überhaupt stemmen konnte, liegt nämlich daran, dass der Film ganz auf internationale Vermarktung ausgerichtet ist. Dementsprechend wurde auch auf Englisch gedreht. Dem internationalen Publikum mag damit gedient sein, der deutsche Zuschauer wird sich aber oft genug die Ohren reiben, warum denn Lippenbewegungen und Stimme so überhaupt nicht zusammenpassen wollen.
Das mag sich kleinlich anhören, aber ein Film lebt nun einmal davon, den Zuschauer in eine vollkommene Illusion einzuhüllen. Wenn das an so einer Kleinigkeit wie der Synchronisation scheitert, dann ist das umso bedauerlicher. Die Chance, nicht nur finanziell, ein ganz großer Film zu werden, hätte Hindenburg nämlich sehr wohl gehabt.
Titel: Hindenburg
Regie: Philipp Kadelbach
Darsteller: Maximilian Simonischek, Lauren Lee Smith, Hannes Jaenicke, Greta Scacchi, Stacy Keach, Hinnerk Schönemann, Ulrich Noethen, Jürgen Schornagel, Wotan Wilke Möhring, Christiane Paul
Sendetermine: Teil eins am Sonntag, 6. Februar und Teil zwei am Montag, 7. Februar, jeweils 20.15 Uhr bei RTL.
kas/wie/news.de
... um die vielen Werbeblöcke zu umgehen, habe ich mich entschieden, die Wiederholung des Films um 0.30 Uhr anzuschauen. Aufgrund der wirklich unschönen Synchronisation (meist) deutscher Schauspieler, welche englisch sprechen und darüber die Originalstimme in überhaupt nicht passender Weise, weder im Raumklang, noch in Dauer und Lippenbewegung, gelegt wurde, werde ich nun ausschalten, obwohl ich nicht müde bin. Es ist unangenehm, eine deutsche Produktion mit hauptsächlich deutschen Schauspielern zu einem Geschehen deutscher Geschichte, "verunsynchronistaltet" zu ertragen.
jetzt antwortenKommentar meldenGott sei Dank, das es die unterschiedlichsten Menschen auf der Welt gibt,sonnst wäre es furchbar wenn jeder das gleiche gut finden würde.Selbst Filmkritiker gebe ich schon lange keine Chance mehr, sehr oft kommt es vor das diese aus einer Laune heraus Filme für nicht gut erklären ob etwas am Schauspieler oder Regie.Quatsch ist das, jeder soll den Film für sich entscheiden.
jetzt antwortenKommentar melden