Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Eine Hollywood-Schwangerschaft nach der anderen bringt die US-Medien ganz aus dem Häuschen. Der Grund: Nachwuchs bei den Stars steigert die Auflage. Dank eines großzügigen Mediengesetzes sind Suri, Shilo & Co schon jetzt beliebtes Paparazzifutter.
Sie sind noch nicht einmal auf der Welt, da sorgen sie schon für Schlagzeilen: Kinder von Prominenten. Im Moment gibt ein Hollywood-Star nach dem anderen bekannt, Nachwuchs zu erwarten. Die amerikanischen Medien überschlagen sich mit den Berichten darüber. Nachdem Pink, Natalie Portman, Kate Hudson ihre Schwangerschaften öffentlich machten, hieß es sogar, in Hollywood müsse etwas im Wasser sein. Anders sei die Fruchtbarkeit der Stars nicht zu erklären.
Was hierzulande für ein müdes Achselzucken sorgt, bringt die Amerikaner total durcheinander. Der Grund ist ganz einfach: Hier spielen die Kinder von Prominente in der Regel in der Öffentlichkeit keine Rolle. Zum einen, weil es die Eltern nicht möchten. Zum anderen auch, weil es das Gesetz zum Schutz der Persönlichkeit verbietet, die Kleinen zu fotografieren oder zum Gegenstand der Berichterstattung zu machen. Heidi Klum zum Beispiel verbietet es deutschen Medien, ihre Kinder zu zeigen. Gibt es doch mal Fotos vom gemeinsamen Spielplatzbesuch, sind die Gesichter verpixelt. Wer sehen möchte, wie Heidis Nachwuchs aussieht, muss sich nur einmal auf amerikanischen Internetseiten umschauen. Dort kann das Model die Unkenntlichmachung ihrer Sprösslinge nicht durchsetzen.
Freiheit geht den Amis über alles
Den Amerikanern geht ihre Freiheit, insbesondere die Pressefreiheit über alles. Da wird auch in Kauf genommen, dass die Privatsphäre darunter leidet. Der Presse ist es erlaubt, so genannte «public figures», also öffentliche Personen (entspricht in der deutschen Rechtsprechung der «absoluten Person der Zeitgeschichte») zu fotografieren und über sie zu berichten, ohne sie um Erlaubnis bitten zu müssen. Schauspieler, Politiker, Sänger, Models, Reality-TV-Stars, Pornodarsteller etc. sind alles öffentliche Personen. Das gleich gilt auch für ihre Kinder. «Dadurch, dass sie die Kinder von public figures sind, werden Suri und Shilo ebefalls zu public figures», erklärt Natalia Theisesen, Expertin für internationales Medienrecht.
Folglich ist es für Fotografen und Reporter ohne weites möglich, die Kinder beim Eisessen mit den Eltern, beim Verlassen des Kindergartens oder beim Spielen auf dem Spielplatz zu zeigen. Die Hollywood- Eltern können sich nicht dagegen wehren. Erst kürzlich machte Nicole Richie ihrem Ärger über die Bildagentur X17 Luft. Fotografen dieser Agentur hatten ihrer Tochter vor derren Kindergarten aufgelauert: «Ihr solltet euch schämen. Das sind kleine Kinder und ihr solltet es besser wissen. X17, ihr seid verantwortungslos und widerwärtig. Betrachtet dies als eine Warnung.»
Mehr als Warnungen und Drohungen bleiben den Stars aber leider nicht. «Widerruf und Unterlassung kennen die Amerikaner nicht», so Natalia Theissen. Den Eltern bleibt nichts anderes, als die Fotografen, Bildagenturen oder Zeitschriftenverlage auf Schadenersatz zu verklagen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings gering und eine Garantie, dass die Fotografen ihre Kinder fortan in Ruhe lassen, ist es auch nicht.
Dosierte Öffentlichkeit
Da bleibt den amerikanischen Prominenten nichts anderes übrig, als das Blitzlichtgewitter stoisch zu ertragen (siehe Angelina Jolie und Brad Pitt mit ihrer sechsköpfigen Rasselbande) oder ihre Kinder ganz aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Einigen Promis gelingt das ganz gut. Anderen weniger. Man denke nur an die Masken und Decken, die Michael Jacksons Kinder viele Jahre lang tragen mussten, um unerkannt zu bleiben.
Ganz andere wiederum drängen ihre Kinder förmlich ins Rampenlicht. Tom Cruise oder Will Smith scheinen ihre Kinder schon in jungen Jahren zu kleinen Superstars erziehen zu wollen. Da wird sich in der Öffentlichkeit nie ohne Kind auf dem Arm gezeigt (Tom Cruise) oder die Sprösslinge werden als überall als «the next big thing» angepriesen (Will Smith).
Was nun besser für den Promi-Nachwuchs ist – das Kind aus der Öffentlichkeit herauszuhalten oder offensiv mit der Aufmerksamkeit umzugehen, ist schwer zu sagen, weiß Svenja Lüthge, Kinderpsychologin aus Kiel. «Für sie ist das Promileben Normalität. Die Aufgabe der Eltern ist es dann, zu entscheiden wie viel Öffentlichkeit lasse ich zu, so dass das Kind lernt, damit umzugehen. Es ganz isoliert vor der Öffentlichkeit zu verstecken, ist sicher auch nicht gut für das Kind.»
Fest steht: das Leben als Kind eines Prominenten ist nicht immer so schön, wie es auf den ersten Blick scheint.
Welche Hollywood-Promis demnächst Nachwuchs erwarten, sehen Sie in unserer Fotostrecke.
juz/news.de