Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Ice Age, Der Pate, Der Herr der Ringe – alles Trilogien, alle unfassbar erfolgreich. Die Filmbranche hat den Reiz der Dreiteiler schon vor geraumer Zeit entdeckt und lockt so immer wieder Millionen Zuschauer ins Kino. Ein Patentrezept mit Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht.
Zwei prominente Trilogien sind derzeit im deutschen TV zu sehen: J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe sowie Stieg Larssons Millennium-Epos. In der einen geht es bekanntermaßen darum, einen magischen Ring zu vernichten. In der anderen versuchen ein Journalist und eine junge Computerhackerin mit geheimnisvoller Vergangenheit, eine gesellschaftliche Verschwörung aufzuklären. Und für beides benötigen sie jeweils drei Teile. Nur zwei Beispiele dafür, wie sehr die Filmwelt an Stoffen interessiert ist, die sich in drei Episoden erzählen lassen.
Aber wie kommt es, dass die Branche bereits seit Jahrzehnten immer wieder auf dreigeteilte Geschichten setzt? Steckt reine Geschäftemacherei dahinter, oder lassen sich bestimmte Storys tatsächlich besser im Rahmen einer dreiteiligen Filmreihe darbieten?
Nicht erst seit der Verwendung von 3D-Technologie, die die Geschehnisse auf der großen Leinwand realistisch und greifbar vermitteln soll, spielt die Zahl «3» im Filmgeschäft eine so große Rolle. In der Zahlenlehre steht die «1» für das Einzigartige und Besondere, das mit der «2» überwunden wird. Überträgt man diese Idee auf Hollywood, dann kann man sagen: Erst in der «3» liegt genügend Potenzial, um die im ersten Teil geschaffene Einzigartigkeit einer Geschichte, ihrer Figuren und der Situationen, in die sie gelangen, nach einem zweiten Teil, in dem die Helden meist einen herben Rückschlag über sich ergehen lassen müssen, zu einer zufriedenstellenden Auflösung zu bringen.
Romanfiguren werden zu Leinwandhelden
Zahlreiche Trilogien basieren auf literarischen Vorlagen - Romanen, häufig auch auf Comics. Manchmal erzählen diese eine in sich geschlossene Geschichte, die grundsätzlich auf drei Teile angelegt ist oder von vornherein dreigeteilt ausgearbeitet wird. Manche fügen einzelne Episoden aneinander, die natürlich meist aufeinander aufbauen, jedoch auch einzeln funktionieren würden und voneinander losgelöst erzählt werden könnten.
Bestes Beispiel für eine in sich geschlossene Trilogie ist wohl Der Herr der Ringe. Heute Abend zeigt Vox um 20.15 Uhr Die zwei Türme, den zweiten Teil der Geschichte. Für sich genommen würde dieser zwar einen tollen Fantasy-Action-Film darstellen, den inhaltlich nicht vorgebildeten Zuschauer jedoch ziemlich verwirren.
Auch Der Pate, für viele die beste Trilogie aller Zeiten, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Mario Puzo, der gemeinsam mit Regisseur Francis Ford Coppola die Drehbücher verfasst hat. Die Teile zwei und drei der grandiosen Saga über die Familien Corleone und Mafia erzählen die Geschichte weiter und blicken via Rückblenden auch in dieser zurück. Das zweite Handlungsgerüst über den jungen Vito Corleone hatte der Autor bereits in dem zig-millionenfach verkauften Roman aus dem Jahr 1969 entworfen, die gegenwärtige Handlung haben Puzo und Coppola für die Fortsetzungen neu ausgearbeitet.
Als beispielhafte Comic-Adaptionen sind an dieser Stelle Spider-Man und die X-Men zu nennen, deren Verfilmungen jeweils einzelne Episoden aus ihrem Superhelden-Dasein schildern. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 900 Millionen Dollar mauserte sich der dritte zum erfolgreichsten Teil der «Spidey»-Trilogie und zählt mit einem Budget von knapp 260 Millionen Dollar zu einem der teuersten Kinofilme aller Zeiten.
Ähnliches galt seinerzeit für Jurassic Park. Der Abenteuerfilm mit Science-Fiction-Elementen aus dem Jahr 1993 beruht auf dem gleichnamigen Thriller von Michael Crichton. Auch für die erste Fortsetzung Vergessene Welt diente dessen Buch Lost World als Vorlage. Jurassic Park 3 vollendet die Dino-Trilogie.
Teil eins setzte neue Maßstäbe im Bereich der Spezialeffekte und Computeranimation. Die Produktionskosten des Films beliefen sich auf rund 63 Millionen Dollar, im Gegenzug spielte er weltweit an den Kinokassen rund 915 Millionen Dollar ein. Zudem wurde er zum erfolgreichsten Film, bis James Cameron 1998 die Titanic dramatisch absaufen ließ und den Urzeitviecher-Streifen vom Thron stieß. Allerdings löste Jurassic Park eine globale Dino-Begeisterung aus, die die Verkaufszahlen von Merchandising-Artikeln, Spielzeugen, Dinosaurier-Büchern und -Filmen in astronomische Höhen trieb. Erfolgreicher ist nur die Star-Wars-Saga.
Diese besteht mittlerweile aus sechs einzelnen Filmen, aufgeteilt in zwei Trilogien: Den Original-Dreiteiler der Episoden 4 bis 6 aus den Jahren 1977 bis 1983 sowie die Prequel-Trilogie der Episoden 1 bis 3, die zwischen 1999 und 2005 in die Kinos kam. Ursprünglich verfasste Star-Wars-Macher George Lucas mehr als zehn zusammenfassende Skripte, die den gesamten Krieg-der-Sterne-Kosmos abbilden sollten. Von diesen wollte er anfangs jedoch nur eine als Spielfilm umsetzen, der angesichts des umfangreichen Inhalts dann allerdings in drei Episoden aufgeteilt wurde.
Remake oder Freizeitpark-Attraktion? Es gibt kein Patentrezept
Dass auch Fernsehserien oder gar Freizeitpark-Attraktionen als filmische Drehbuchvorlagen dienen können, zeigen die Trilogie-Beispiele Mission: Impossible und Fluch der Karibik. Während sich die Agententhriller auf die Krimiserie Kobra, übernehmen Sie bezieht, zitiert das Piraten-Epos eine Themenfahrt, die bereits Ende der 1960er Jahre im kalifornischen Disneyland Resort eröffnet wurde und zu den beliebtesten und bekanntesten Attraktionen des Vergnügungsparks zählt.
Und dass auch die Neuauflage eines Klassikers eine Erfolgsserie begründen kann, ist anhand von Ocean's Eleven zu sehen. Regisseur Steven Soderbergh drehte das Remake des Klassikers aus dem Jahr 1960 mit einem unvergleichlichen Staraufgebot. George Clooney schlüpft anstelle von Frank Sinatra in die Rolle des Gaunerbanden-Chefs Danny Ocean und schart Kollegen wie Bratt Pitt, Matt Damon und Julia Roberts um sich.
Weitere Belege für mitunter grandiose Trilogien, die teilweise Kultstatus erreicht haben und ursprünglich als einzelne Filme angelegt waren, sind etwa Zurück in die Zukunft, Shrek, Stirb Langsam, Terminator und Alien. Erst der Erfolg des ersten Abenteuers machte es möglich, über weitere Filme nachzudenken und so eine relativ lose Reihe entstehen zu lassen.
Wie diese kurze Abhandlung vor Augen führt, gibt es kein Patentrezept für eine gute und bestenfalls erfolgreiche Trilogie. Es lässt sich eben nie voraussagen, ob Teil eins der qualitativ beste und kommerziell gewinnbringendste sein wird, oder vielleicht doch erst der dritte.
Zusätzliche Episoden bleiben dennoch stets ein Wagnis. Ob weitere Geschichten einer solchen Filmreihe auch über den als Ende geplanten dritten Teil hinaus erfolgreich waren oder möglicherweise künftig sein werden, oder bei welchen Mehrteilern man am besten gleich auf die Fortsetzungen und inzwischen nicht minder beliebten Prequels verzichtet hätte, darum geht es hier demnächst auf news.de. Denn manchmal steht am Ende gar die Entzauberung eines Mythos'. Fortsetzung folgt ...
Trilogien, die derzeit im TV zu sehen sind:
Der Herr der Ringe - Die zwei Türme, 3. Februar, 20.15 Uhr, Vox
Stieg Larsson: Verdammnis - Teil 1, 6. Februar, 22 Uhr, ZDF (hierbei handelt es sich um die um zusätzliche Szenen erweiterte und deshalb längere Fassung)
Sehen Sie hierzu auch die Bilderstrecke «Die erfolgreichsten Trilogien».
roj/reu/news.de