Film Berlinale setzt sich weiter für Jafar Panahi ein

Die Berliner Filmfestspiele werden sich weiter für ihr im Iran zu einer Gefängnisstrafe verurteiltes Jurymitglied Jafar Panahi einsetzen. «Ich hoffe immer noch, dass er kommt», sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick im Gespräch mit der dpa. «Wir tun alles, um das zu ermöglichen.»

Berlinale setzt sich weiter für Jafar Panahi ein (Foto)
Berlinale setzt sich weiter für Jafar Panahi ein Bild: dpa

Berlin (dpa) - Die Berliner Filmfestspiele werden sich weiter für ihr im Iran zu einer Gefängnisstrafe verurteiltes Jurymitglied Jafar Panahi einsetzen. «Ich hoffe immer noch, dass er kommt», sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick im Gespräch mit der dpa. «Wir tun alles, um das zu ermöglichen.»

Der iranische Regisseur Panahi war im Dezember in Teheran zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt worden, weil er einen Film über die Präsidentschaftswahlen von 2009 im Iran drehen wollte.

Panahis Platz in der siebenköpfigen Jury unter Vorsitz von Isabella Rossellini werde auf jeden Fall freigehalten, sagte Kosslick. Ansonsten könnte bei den Vorstellungen im Berlinale-Palast in der Jury-Reihe ein Kinosessel symbolisch leer bleiben. Panahi hatte 2006 mit seinem Film «Offside» über weibliche iranische Fußballfans einen Silbernen Bären gewonnen.

«Bei der diesjährigen Berlinale haben insgesamt vier Filme von iranischen Regisseuren Premiere», sagte Kosslick. Im offiziellen Wettbewerb um den Goldenen Bären wird «Jodaeiye Nader az Simin» (Nader und Simin, Eine Trennung) von Asghar Farhadi gezeigt. «In dieser Paargeschichte geht es um das Thema Schuld.» Farhadi hatte 2009 mit «Alles über Elly» den Silbernen Regie-Bären gewonnen. In der Generation-Sektion für Kinder und Jugendliche laufen das Drama «Wind und Nebel» von Mohammad Ali Talebi, der Animationsfilm «Simple Things» von Behzad Farahat sowie der Kurzfilm «Where is Fatemehs House?» von Fereydon Najafi. Alle Regisseure werden zu ihrer Festivalpremiere auch persönlich erwartet.

Auf dem roten Teppich stehen auch dieses Jahr wieder viele internationale Stars, kündigte Kosslick an. Dazu zählen die Coen-Brüder, Jeff Bridges, Josh Brolin, Colin Firth, Demi Moore, Jeremy Irons, Ralph Fiennes, Vanessa Redgrave, Kevin Spacey, Zoe Kravitz, Gabourey Sidibe, Liam Neeson, Diane Kruger, Harry Belafonte, William Hurt, Helena Bonham Carter und Isabel Coixet. Popstar Madonna präsentiert auf dem Berlinale-Filmmarkt ihr neues Filmprojekt.

Auch wenn mit Andres Veiels «Wer wenn nicht wir» und Ulrich Köhlers «Schlafkrankheit» dieses Jahr nur zwei deutsche Filme im Rennen um den Goldenen Bären sind, spricht Kosslick von einem sehr guten Jahrgang für die einheimische Filmindustrie. «Ich glaube, es gab noch nie mehr deutsche oder mit deutscher Beteiligung gedrehte Filme als bei dieser Berlinale: es sind mehr als 100 in den verschiedenen Festivalreihen.»

Es gebe immer mehr «Grenzgänger» wie zum Beispiel den Wettbewerbsbeitrag «The Future» von US-Regisseurin Miranda July, der mit deutschen Geld finanziert wurde. «Oder "Unknown Identity" mit Liam Neeson, Diane Kruger und Bruno Ganz. Der Film des spanischen Regisseurs Jaume Collet-Serra wurde in Deutschland mit deutschem Geld gedreht, ist aber eine deutsch-britisch-französische Koproduktion», erklärte Kosslick. «Die deutsche Filmindustrie ist dieses Jahr auf verschiedensten Ebenen unterwegs. Im Gegensatz zu früher haben wir jetzt sehr viele Filme, bei denen zwar nicht Deutschland drauf steht, aber Deutschland drin ist.»

Einen thematischen roten Faden gibt es im Wettbewerb dieses Mal nicht. «Es ist ein sehr heterogenes Programm, viele Filmemacher beschäftigen sich aber mit dem Thema Familie», sagte Kosslick. «Es gibt viele Independentfilme mit großen Stars.» So ist vom Western über den Politthriller und das Beziehungsdrama bis zur Nazi-Komödie alles dabei.

www.berlinale.de

news.de/dpa

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