Musik The Decemberists: Eine erstaunliche Wendung

Auf ihrem sechsten Album nehmen die Decemberists vorläufig Abschied von ihrem alten Stil. «The King Is Dead» glänzt durch Geradlinigkeit und traditionelles Songwriting. Und Peter Buck von R.E.M. hat dabei unschätzbare Hilfe geleistet.

The Decemberists: Eine erstaunliche Wendung (Foto)
The Decemberists: Eine erstaunliche Wendung Bild: dpa

Hamburg (dpa) - Auf ihrem sechsten Album nehmen die Decemberists vorläufig Abschied von ihrem alten Stil. «The King Is Dead» glänzt durch Geradlinigkeit und traditionelles Songwriting. Und Peter Buck von R.E.M. hat dabei unschätzbare Hilfe geleistet.

Vor zwei Jahren brachten The Decemberists mit «The Hazards Of Love» ein überaus ambitioniertes Werk heraus, das den progressiven Rock-Opern der Siebziger in nichts nachstand. Die Gruppe hatte ihr Konzept des stetig sich wandelnden, mit viel Pathos angereicherten Songs derartig auf die Spitze getrieben, dass eine weitere Steigerung nicht mehr möglich erschien. Die nun vollzogene musikalische Kehrtwendung ist umso bemerkenswerter, da der neue Stil von ungeahnt schlichter Eleganz und klassischer Form bestimmt wird.

Ob es lediglich der Wunsch nach einer künstlerischen Entschlackung war oder ob dahinter die Rückbesinnung auf die Einfachheit stand, werden die folgenden Alben zeigen. Nicht ausufernd und verstiegen, sondern fokussiert und verständlich erscheinen die neuen Stücke. Aus ihren Fantasiewelten wurde die Band auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Besonders von englischer Folk-Musik sind die Decemberists nachhaltig beeinflusst, auch wenn sie dies bislang unter einem opulenten Klangteppich verbargen. Die Texte der Band nehmen gern Bezug auf englische Märchen und Mystik. Auf «The King Is Dead» versuchen sie sich nun an einer Verbindung von britischem Folk-Rock mit traditionellen amerikanischen Spielarten.

Ähnliches ist Ende der 80er auch Camper van Beethoven geglückt. Und diesen kommen sie auf «Rox In The Box» recht nah. Die Verpflichtung von Gillian Welsh, einer der bekanntesten Stimmen im Country-Genre, erscheint vor diesem Hintergrund genauso nachvollziehbar wie die Mitarbeit von Peter Buck (R.E.M.). «Calamity Song» und «Down By The Water» geben unmittelbar den Einfluss der Band aus Athens, Georgia, preis.

Aufgenommen wurde das neue Album standesgemäß in einer umgebauten Scheune im waldreichen Hinterland von Portland, der Heimatstadt der Decemberists. Die Band präsentiert sich auf der Rückseite des Covers als hinterwäldlerische Combo, die der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts entsprungen sein könnte. Mit Akkordeon, Mandoline oder Autoharp in den Händen weisen sie deutlich auf die akustische Ausrichtung von «The King Is Dead» hin. Für Peter Buck dürfte es bei den Aufnahmen ebenfalls «back to the roots» gegangen sein. Für die Decemberists kann dieses Album den Durchbruch zu einem weitaus größeren Publikum bedeuten.

www.decemberists.com

www.beggarsgroup.de

news.de/dpa

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