Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Er hat es so oft versucht, dass er eine kleine Legende bei Deutschland sucht den Superstar geworden ist. Doch immer endeten die Auftritte von Menderes Bagci in einer Blamage. Diesmal hat er den Recall erreicht - wenn auch eher aus Mitleid.
Acht Jahre sind eine lange Zeit. Berti Vogts hat nur acht Jahre als Nationaltrainer gebraucht, um ein für allemal seinen Ruf als Fußballfachmann zu ruinieren. Goethe hat acht Jahre lang am Torquato Tasso gearbeitet. Innerhalb von acht Jahren nach seiner Gründung hat Microsoft den Markt der PC-Betriebssysteme dominiert. Die gesamte Platten-Karriere der Beatles währte nur acht Jahre lang.
Menderes Bagci versucht seit acht Jahren sein Glück bei Deutschland sucht den Superstar. Noch nie hat er es geschafft, die erste Runde zu überstehen. Trotzdem hat er es immer wieder probiert, trotz vernichtender Kritiken und legendärer Blamagen. Menderes ist der Sisyphos des deutschen Castingwesens - oder, wie die Stimme aus dem Off ihn diesmal ankündigt, der «Superstar der Herzen».
«Ich werde die Bühne rocken», kündigt er diesmal bei Deutschland sucht den Superstar an, mit einer Frisur, die ähnlich löchrig ist wie sein Gebiss, einem Lied von Kool & The Gang und einer blinden Zuversicht, die wohl nicht weit entfernt ist vom Glauben eines Selbstmordattentäters an das Weiterleben im Paradies als Märtyrer.
«Ich freu mich voll»
Dieter Bohlen stellt treffend fest: Beim achten DSDS-Versuch ist Menderes dank einer ziemlich einzigartigen und von RTL immer wieder genüsslich vorgeführten Kombination aus Selbstüberschätzung und Hartnäckigkeit mittlerweile bekannter als die beiden Mitjuroren. Menderes legt einen passablen Auftritt hin, der in jeder Sekunde unbedingten Ehrgeiz verströmt, ist selbst wieder einmal von sich begeistert - und wird diesmal tatsächlich mit dem ersehnten Zettel für den Recall belohnt. «Ich freu mich voll», lautet seine Reaktion.
Es ist ein rührender Moment - vor allem, weil es davor auch diesmal wieder so viele Desillusionierte gegeben hat. Zwar hat es auch Sarah, im vergangenen Jahr beim Recall gescheitert, im zweiten Versuch noch einmal geschafft. Sie nahm das Kamerateam zuerst mit in die Sauna, dann überzeugte sie mit ihrer Version von Leona Lewis' Run. «Ich steh auf Stehaufmännchen», muss Jurorin Fernanda Brandao bekennen.
Doch ansonsten werden fleißig Hoffnungen zerstört. Da ist Barbara vom Bauernhof, die Charisma und einiges Stimmtalent mitbringt, aber mit einem Lied von Björk nicht den Geschmack der Jury trifft. Da ist Robin aus Frankfurt/Oder, dem Bohlen zwar beim Schließen des Hosenstalls hilft, ihn dann aber unbarmherzig rauswirft. Da ist Jennifer, die ohne Schuhe und ohne Talent ins Studio kommt, und Samira, die deutlich weniger beeindruckt als ihr mitgebrachtes Hündchen.
«Das Leben geht weiter», «Ich war wohl nicht gut genug» oder «Es ist ja nur ein Traum zerplatzt», lautet am Ende das Fazit der Gescheiterten. Mancher von ihnen wird sich wohl ein Beispiel an Menderes nehmen und es bei den nächsten Staffeln immer wieder probieren. Wir raten allerdings davon ab. Acht Jahre kann man auch sinnvoller nutzen. Wenn man eine Berufsausbildung macht und danach noch studiert - das dauert in Deutschland im Schnitt auch acht Jahre.
Die komplette Folge von Deutschland sucht den Superstar bei RTLnow.
cvd/news.de
Dass RTL nun schon solche Typen weiter kommen lässt, zeigt doch bloß, wie ausgenudelt das Format inzwischen ist. Würde mich nicht wundern, wenn Menderes es sogar in die Mottoshows schafft - anders kriegt RTL da wohl kaum Spannung rein.
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