So., 27.05.12

«Maischberger» 26.01.2011 Sehnsucht nach Strenge?

Ursula Sarrazin bei "Menschen bei Maischberger" (Foto)
Ursula Sarrazin ist Grundschullehrerin in Berlin und die Ehefrau des ehemaligen Berliner Finanzsenators und Autors Thilo Sarrazin. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff

Moderiert Sandra Maischberger neuerdings auch eine Quiz-Show? Nein, sie wollte zu Beginn nur ihre Sendung auflockern. Danach ging es um «Dichter, Denker und Dumpfbacken», doch Frau Sarrazin erfüllte die Hoffnung auf eine heiße Debatte ganz und gar nicht.

Nur wenige werden vom Dschungelcamp zu Maischberger geschaltet haben, schließlich ist in Australien gerade so viel passiert, dass «beim RTL» in Überlänge gesendet wurde. Wer trotzdem seinen Weg in das Programm des Ersten Deutschen Fernsehens gefunden hatte, hoffte bestimmt auch bei Maischberger auf Sensationen: Wird es eine neue Sarrazin-Debatte geben?

Die Hoffnung darauf nämlich war der Anlass zur Sendung «Dichter, Denker und Dumpfbacken: Deutschland setzen, 6!», in der Frau Sarrazin als heißester Gast angekündigt wurde. Und die ist - das wird dem Zuschauer schnell klar - keineswegs heiß, sondern eher zurückhaltend. Von Debatte erst mal weit und breit keine Spur.

Was passiert wohl im Dschungelcamp?

Stattdessen wird gespielt, schließlich sind ZDF-Chef-Quizmaster Jörg Pilawa und ARD-Chef-Besserwisser Ranga Yogeshwar anwesend, da muss selbst eine Chef-Talkerin wie Sandra Maischberger mal ein Quiz moderieren dürfen. Unterstützt wird Pilawa von Professor Dr. Eckhard Freise, Chef-Historiker der Universität Wuppertal und erster Millionengewinner bei Günther Jauch. Bei Yogeshwar dient Chef-Blödchen Gina-Lisa Lohfink als Back-up. Fiese Verteilung? Durchaus.

Die vier Kandidaten quizzen, während Ursula Sarrazin und Vorzeige-Schulrektor (und Punk!) Matthias Isecke-Vogelsang abseits sitzen und nicht mitspielen dürfen. Sie sind ja schließlich die Lehrer. Die Idee, mit einem Quiz einzusteigen, wirkt ungefähr fünf Minuten ganz nett, dann beginnt sie sich hinzuziehen. Pilawa macht sofort klar, dass er nicht viel weiß («Ich bin nicht schlau, sondern Unterhalter», während Yogeshwar natürlich alles weiß, nur nicht das, wonach gefragt wird.)

Und Gina-Lisa? Obwohl sie extra angetreten ist, um zu beweisen, dass eine Frau mit falschem Haar und falschen Brüsten schlau sein kann, beweist sie durchgehend das Gegenteil. Erster Satz: «Ey, die Menschen tun immer gleich einen stecken in so 'ne Schublade rein.» Nach fast dreißig Minuten ist das Laberquiz, bei dem es nicht einmal etwas zu gewinnen gibt, sterbenslangweilig geworden. Was wohl gerade im Dschungel passiert?

Höllen-Ursula schweigt

Doch Maischberger kriegt die Kurve und leitet über zur Diskussion. Nun darf sie endlich etwas sagen, sie, die angekündigte neue Debattenqueen, aufgestiegen aus den Tiefen der Hölle, die neue (und alte) Sarrazin: Ursula! Vielleicht passiert ja doch noch etwas Skandalöses? Leider nein. Frau Sarrazin ist nicht annähernd so aufregend wie erhofft. Sie spricht mit ruhiger Stimme (dabei soll sie, so die an sie gerichteten Vorwürfe, ihre Schüler regelmäßig anschreien) und sie beschimpft weder das Migranten- noch das Unterschichtenpack. Langweilig. Stattdessen spricht sie anfangs ein wenig über ihr Berufsleben an Berliner Grundschulen, sagt, dass man Strenge benötige und das Flüstern in einem vollen Klassenraum nichts bringe. Dann verstummt sie fast vollständig für die restlichen vierzig Minuten.

Denn sie merkt, dies ist nicht ihre Runde: Alle Anwesenden haben ein positives Bild vom deutschen Schulsystem. Professor Freise sagt, dass das Bildungsniveau in den letzten vierzig Jahren gestiegen ist, Yogeshwar möchte nicht, dass Schüler auswendig lernen, wie einst Pilawas Mutter. Er will, dass sie den Stoff verstehen. «Das ist moderne Didaktik», stimmt ihm ein erfreuter Isecke-Vogelsang zu. Und Pilawa mimt den Alles-Versteher: Er versteht die Eltern, die sich Sorgen um die Bildung ihrer Kinder machen. Er versteht die Schüler, die Wissen einfach googeln wollen, statt zu lernen. Und er versteht die Lehrer, die irgendwo mittendrin stehen. Toll.

Strenge und bekloppte Eltern

Bei so viel Einigkeit in der Runde und einer schweigenden Frau Sarrazin muss Maischberger selbst die Rolle des Teufels übernehmen. Sichtlich erfreut zitiert sie aus dem Buch einer chinesischen Mutter, die sich mehr Strenge von Eltern und Lehrern wünscht. «Eine 1- ist grundsätzlich eine schlechte Note», liest Maischberger und grinst. «Sind Sie sicher, Frau Maischberger, dass dieses Buch nicht ironisch gemeint ist?», fragt Isecke-Vogelsang und es entwickelt sich erstmals ganz kurz so etwas wie eine aufgebrachte Diskussion. Jörg Pilawa allerdings weiß zu beschwichtigen, denn er kann die chinesische Mutter einschätzen. «Wir haben tolle Lehrer, wir haben tolle Schüler, wir haben tolle Schulen - aber wir haben viele bekloppte Eltern.»

Da müsste Frau Sarrazin nun etwas erwidern oder zustimmen, schließlich muss sie wegen eines Streits mit bekloppten Eltern bald vor Gericht. Doch Ursula schweigt. Eine neue Sarrazin-Debatte wird es auf diese Art nicht geben. Vielleicht sollte Ursula vor der nächsten Talkshow einen Schnellkurs in Propaganda belegen - ein Fachmann dafür sitzt bei ihr zu Hause am Küchentisch.

cvd/reu/news.de
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sportdeda
  • Kommentar 4
  • 27.01.2011 09:08
 

In Deutschland wird jede Sachdiskussion unterbunden und ins lächerliche umgeleitet. So auch bei Maischberger oder aktuell bei der Bundeswehr. Deutschland scheint unfähig zu sein sich kritisch mit Problemen zu beschäftigen, das bestätigen uns die "Opositions-Politiker" genau so wie die Nachrichtensprecher bei ihren Fragen und nicht zuletzt auch ein großer Teil der Presse. Und nicht vergessen auch einige Teilnehmer der Diskussion bei Maischberger. Herr und Frau Sarazzin haben doch Recht!!! "Deutschland schaft sich ab" und Deutschland setzen 6".

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  • mehlboggxer
  • Kommentar 3
  • 26.01.2011 21:44
 Antwort auf Kommentar 2

... Man spürt richtig wie gefrustet die Autorin darüber ist, dass Frau Sarrazin keine Angriffsfläche geboten hat. Da muss sie (Ayke S.) eben noch einmal gegen Thilo nachtreten...

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  • mehlboggxer
  • Kommentar 2
  • 26.01.2011 21:40
 

Der letzte Satz im Beitrag ist eine Frechheit vom Autor(in).

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  • schabernick
  • Kommentar 1
  • 26.01.2011 08:44
 

«Ey, die Menschen tun immer gleich einen stecken in so 'ne Schublade rein.» Das war nicht der einzige Satz den das Blödchen von sich gab. Immerhin will es die Mittlere Reife, und nur "Einsen" geschrieben haben. Das traue ich Gina Lisa Lohfink ohne Zweifel zu, das kann sie: 11111111111111111111111111111111111111111111111111

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