So., 27.05.12

Wallraff-Doku 25.01.2011 Deutschland schwarz-weiß

Günter Wallraff (Foto)
Günter Wallraff als Somalier auf Reisen Bild: dpa/WDR

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert

Günter Wallraff war wieder verkleidet in Deutschland unterwegs, diesmal als Afrikaner. Der Film wirft viele Fragen auf, aber andere als vielleicht gewünscht. Ist es nun mutig oder doch hanebüchen, Rassismus zu suchen und auch zu finden?

Ganz unten ist Günter Wallraff 1985 gewesen. Dieses Buch begründete seinen Ruf als Enthüllungsjournalist. Dafür arbeitete Wallraff zwei Jahre lang in der Rolle des türkischen Gastarbeiters Ali bei verschiedenen Unternehmen und entlarvte Menschenrechtsverletzungen und Ausländerfeindlichkeit. Deutschland – ein Land der Rassisten? Daran muss sich doch in den letzten 25 Jahren etwas geändert haben. Die zum großen Teil mit versteckter Kamera gefilmte Dokumentation Günter Wallraff Undercover – Rassismus in Deutschland beweist das Gegenteil.

Wallraff schlüpfte dieses Mal in die Rolle des schwarzen Migranten Kwami Ogonno, der aus Somalia stammt. Gleich zu Beginn begehrt er um Einlass in eine Disco, wird aber mit den Worten «Afrika für Affen, Europa für Weiße!» nachdrücklich abgewiesen. Dieser menschenverachtende Spruch soll nicht der einzige Ausdruck offensichtlicher, rassistischer Ressentiments auf seiner monatelangen Reise quer durch Deutschland sein.

Brüllende Fußballfans und rassistische Senioren

Fußballfans aus Cottbus und Dresden ignorieren oder veralbern ihn, die Aufnahme in einen Polizei- und Schutzhundverein in Köln würde ihn im Gegensatz zu einem «normalen Deutschen» exorbitant teuer zu stehen kommen, ein Stellplatz als Dauercamper im Teutoburger Wald kommt aufgrund seiner «nicht dazu passenden» Hautfarbe nicht infrage.

Die Dokumentation, die unter dem Titel Schwarz auf Weiß im Jahr 2009 im Kino lief, deckt den schier ganz alltäglichen Rassismus in Deutschland auf, der schon in der Beleidigung durch einen Rentner als «kleiner Sarotti-Mohr» seinen Anfang findet. Doch genau darin liegt die Fragwürdigkeit des Films: Aus einem riesigen Wust an Filmmaterial wurden letztlich 80 Minuten herausdestilliert, die am Ende leider eher die Klischees von Naziparolen brüllenden Fußballfans und rassistischen Senioren bestätigen, als wirklich neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Suggestive Szenen wie jene, als Wallraff über eine von NPD-Plakaten gesäumte Straße in Ostdeutschland läuft, lassen bei der Herangehensweise schnell die Frage nach einer ergebnisoffenen Objektivität entstehen, die man dem Film leider nicht unterstellen kann. Günter Wallraff, Regisseurin Susanne Jäger und Kollege Pagonis Pagonakis wollen entlarven und rassistische Strukturen in Gesellschaft, Milieus und Ämtern offen legen und schaffen das dann natürlich auch, weil sie lange genug danach gesucht haben.

Häufig verklagt

Seit Ende der 1960er Jahre ist Günter Wallraff im Geschäft. Seitdem schlüpfte er in die Rolle eines Alkoholikers in einer psychiatrischen Klinik, um Pflegedefizite des Personals offen zu legen, oder er deckte als Bild-Lokalredakteur unsaubere Recherchemethoden auf. Häufig wurde er dabei verklagt, doch die Pressefreiheit gaben ihm und seinen Methoden stets Recht.

Günter Wallraff Undercover – Rassismus in Deutschland hat immer dann seine stärksten Momente, wenn die Dokumentation nicht nur anklagt, sondern auch Hoffnung gibt, indem er Menschen zeigt, die Kwami Ogonno akzeptieren. So finden sich in derselben Kneipe ein schnell zuschlagender Rassist und sein Freund, der jedoch an einer ernsthaften Konversation um Kwamis Herkunft und Familie interessiert ist. Es besteht also noch Hoffnung in einem Land, das hier etwas zu grobschlächtig in Schwarz und Weiß eingeteilt wird.

Günter Wallraff Undercover – Rassismus in Deutschland, Dienstag, 25. Januar, 20.15 Uhr, Arte.

ruk/ivb/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Holger
  • Kommentar 2
  • 26.01.2011 11:30
 

Hallo, kann mir jemand sagen wie ich an den Namen von dem Hundeverein aus dem Beitrag komme? Oder kennt den jemand? Danke für Antwort ;o)

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  • merethe3634
  • Kommentar 1
  • 26.01.2011 10:42
 

DAS IST DEUTSCHLAND ICH BIN ENDSETZT,KEINE CHANCE MIT DUNKLER HAUTFARBE SICH IRGENDWO EINZUBRINGEN.DAS IST MENSCHEN VERACHTENT,SCHWARZER MANN BÖSER MANN ,UNFASSBAR .

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