So., 27.05.12

CD von Adele 21.01.2011 Mut zur Wut

Adele (Foto)
Adeles neues Album heißt 21 und zeigt, dass die Sängerin musikalisch mehr kann als nur leise und mädchenhaft zart zu sein. Bild: Xl/Beggars Group (Indigo)

Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke

Die britische Sängerin Adele hat ihr langerwartetes zweites Album veröffentlicht. Es heißt 21 und steht für eine enorme Entwicklung, die die Musikerin in den vergangenen Jahren durchlebt hat. Vergessen Sie Amy Winehouse und Co.!

Um es vorwegzunehmen: Dieser Text widmet sich der britischen Sängerin Adele Adkins, die ihr großartiges zweites Album 21 - wie schon ihr Debüt 19 - ausschließlich unter ihrem Vornamen veröffentlicht. Trotzdem soll an dieser Stelle kurz auf eine ihrer zahlreichen jungen Kolleginnen eingegangen werden, die in den letzten Atemzügen des vergangenen Jahres ebenfalls das schwierige zweite Album auf den Markt gebracht haben.

Mit Endlessly wollte Duffy an den unfassbaren Erfolg ihres Erstlings anknüpfen, verlor sich aber stattdessen in brav-biederem Retro-Soul, der jede Innovation vermissen ließ. Dieser Tage wird sie vermutlich mit großer Sonnenbrille auf der Nase und hochgestelltem Trenchcoat-Kragen in einem Londoner Stadtteil einen kleinen Plattenladen betreten. Sie wird das am 21. Januar veröffentlichte Album der eingangs erwähnten Soul-Sängerin Adele kaufen und sich zu Hause im Schutze der heruntergelassenen Jalousien schwarz ärgern. Denn Adele hat erreicht, was Duffy nicht geschafft hat - sie hat sich musikalisch weiterentwickelt.

Zurück, aber anders

Schon die erste Singleauskopplung, Rolling In The Deep, gibt den Weg vor, den Adele mit dem gesamten Album gehen will. Und die Vorzeichen stehen auf Erfolg: Unmittelbar nach seiner Veröffentlichung stieg der Song auf Platz 13 der deutschen Singlecharts - die höchste Platzierung einer Single der Nachwuchsmusikerin in Deutschland, die vieles ist, nur kein «debiles Modepüppchen», wie sie kürzlich in einem Spiegel-Online-Interview gestand.

Ekstatisch, mit Mut zur großen Geste und deutlich finsterer Musikfärbung legt Adele auch auf den übrigen zehn Titeln des Albums 21 ihr Innerstes offen und zieht komplett blank. Wie eine emotionale Walze überrollt einen Adeles Musik: treibende Beats, dramatische Klavierstücke, unverzichtbar der Chor, hier und da dezente Streicher. Und über allem Adeles Stimme, die die Songs mit einer unerschütterlichen Kraft ausstattet und für Gänsehautmomente sorgt, egal, ob man gerade an der Supermarktkasse steht oder auf die nächste Bahn wartet. Sich Adeles einzigartiger Magie zu entziehen, fällt schwer.

Schon Ende 2008, also in dem Jahr, in dem die Absolventin der BRIT School For Performing ArtsDie BRIT School ist eine weiterführende Schule für darstellende Künste und Technologie in Selhurst in London, England. Absolventen dieser Schule sind u.a. Adele Adkins, Kate Nash, Katie Melua und Amy Winehouse. ihr Debütalbum veröffentlicht hat, wurde Adele mit dem Grammy, dem wichtigsten amerikanischen Musikpreis, in den Kategorien «Bester neuer Künstler» und «Beste weibliche Gesangsdarbietung - Pop» ausgezeichnet. Wie das damalige Album 19 hat auch ihr neues Werk 21 das Alter der Sängerin zum Namen, in dem ein Großteil der aktuellen Lieder entstanden ist.

Adele - eine für alle

So zart und verletzlich wie noch vor gut zwei Jahren wirkt sie jetzt, dank der Produzenten Rick Rubin (Metallica, Weezer, Johnny Cash, Gossip) und Paul Epworth (Plan B, Bloc Party), nicht mehr. Adele selbst sagt über ihr neues Album, dass sich die Themen (Beziehungsende, neue Liebe, nachtragende Ex-Männer), die sie beschäftigen, nicht geändert hätten - lediglich der Umgang damit. Und das neu entdeckte Selbstbewusstsein steckt in jedem Ton, den 21 bereithält.

Schräge Kirchenorgeltöne sorgen in One And Only für die Dosis Drama, während Adele um ihr Leben singt. Produzent Rubin ist dafür verantwortlich, dass Lovesong, eine Coverversion des The-Cure-Songs, nicht peinlich wird oder am Ende gar der Kitsch gewinnt. In Set Fire To The Rain erinnert sie zeitweise an ihre Kollegin Natasha Bedingfield, ohne deren typischem radiotauglichen 08/15-Pop zu verfallen.

Geschickt umschifft Adele jede Klischee-Klippe und positioniert sich nicht nur abseits von Kate Nash, Amy Winehouse und Konsorten, sondern über ihnen. In I'll Be Waiting groovt sie sich mit unerklärbarer Leichtigkeit durch eine perfekte Symbiose aus Pop, Rock, Soul und Swing. Mary J. Blige und Aretha Franklin dürften sich ob Adeles Stimmgewalt verwundert die Ohren reiben.

Am Ende des Albums, in Someone Like You, glaubt man sogar Alicia Keys zu hören. Aber es ist dann doch Adeles Stimme, die im Grunde all die anderen Sängerinnen überflüssig macht. Vermutlich wird nicht nur diese Erkenntnis Duffy die Tränen in die Augen treiben.

Interpret: Adele
Titel: 21
Plattenfirma: Xl/Beggars Group (Indigo)
Veröffentlichungsdatum: 21. Januar 2011

iwe/reu/news.de
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