So., 27.05.12

Mobbing im Netz 20.01.2011 Eine digitale Tracht Prügel

Annika Einsle (Foto)
News.de-Mitarbeiterin Annika Einsle. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle

Gedemütigt, verleumdet und bloßgestellt: Mobbing macht auch vor dem Internet nicht Halt, wie eine Studie der Uni Leipzig zeigt. Einmal mehr kommt die Frage nach der Verantwortung auf: Wer trägt sie denn nun, die digitale Haftung?

Soziale Netzwerke werden zum Schulhof für Jugendliche. Sie sind Treffpunkte des Freundeskreises, Kontaktbörsen und Flächen zur Selbstdarstellung. Doch immer wieder laden SchülerVZ, Facebook und Co. auch dazu ein, andere zu beleidigen, sie in peinlichen Fotos oder Videos bloßzustellen oder Lügen über sie zu verbreiten.

Cybermobbing - auch Cyberbullying oder Cyberstalking genannt - haben laut einer aktuellen Studie der Universität Leipzig bereits ein Viertel aller Befragten erlebt, die regelmäßig in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Frage, wie dem begegnet werden kann und wer die Verantwortung trägt, ist nicht neu - aber nach wie vor offen.

Zum einen sind natürlich die Eltern in der Verantwortung. Sie sollten ihre Kinder - egal welchen Alters - nicht einfach vor den Computer setzen und sich selbst überlassen. Das Netz ist eine Spielwiese, die aber nur wenig mit dem Bolzplatz um die Ecke gemein hat. Wer dort eine digitale Tracht Prügel einfängt, stellt sich einem Millionenpublikum zur Schau. Auch wenn Erwachsene technisch vielleicht nicht so versiert sind - hinsichtlich der sozialen Kompetenz haben sie ihren Kindern einiges voraus, und das lässt sich schließlich auf die verschiedensten Lebensbereiche übertragen.

Eine zentrale Funktion kommt aber auch den Schulen zu. Fächer wie Informatik, Ethik oder auch Gesellschafts- und Sozialkunde sollten aufzeigen, welche Konsequenzen Cybermobbing haben kann. Denn das Internet vergisst nicht. Ein „kleiner Denkzettel“ kann im Internet eine ungeahnte Eigendynamik entwickeln und einmal eingestellte Verleumdungen können weite Kreise ziehen - bis hin zum möglichen zukünftigen Arbeitgeber. Aktive Präventionsarbeit lautet deshalb das Stichwort. Vorbeugen statt panisch werden, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Und wie sieht es mit den Netzwerkbetreibern und Anbietern der Communities aus? Rechtlich gesehen sind sie zwar nicht verantwortlich für die Inhalte, die Dritte auf ihren Seiten einstellen, und können damit auch nicht belangt werden. Aber sie sollten schon allein im eigenen Interesse Möglichkeiten einrichten, fragwürdige Einträge schnell und einfach zu melden und dann selbst auch auf kürzestem Wege reagieren. Schließlich sind die Netzwerke nur so erfolgreich wie deren User. Ständige Mobbingattacken führen dazu, dass die Nutzer ihr Profil löschen - und damit wäre keinem geholfen.

Zuletzt muss sich aber auch jeder User an die eigene Nase fassen. Denn jeder kann schließlich selbst entscheiden, welche Informationen er von sich preisgibt und wie er mit anderen kommunizieren möchte. Und er sollte sich bewusst machen, dass Geben und Nehmen auch im Netz dicht beieinander liegen. «Wie du mir, so ich dir», wusste einst schon der weise Goethe. Und das war lange vor der digitalen Zeit.

mik/reu/news.de
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