Gelobt seist du, Herr Flohr
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Von news.de-Mitarbeiterin Katharina Bott
Artikel vom 21.01.2011
Markus Flohr gelingt in seinem Buch über Israel Wo samstags immmer Sonntag ist ein originelles Kunterbunt aus Reisereportage, Tagebuch und Liebesroman. Kurzweilig, klug, komisch.
«‹Wenn ich Jude wäre, hätte ich genug von Deutschen. Ich würde uns nicht reinlassen. Bei jedem deutschen Pass denkt der Mann am Einreiseschalter an Auschwitz.› Das ging schnell. Kaum im Land, und schon hatte jemand ‹Auschwitz› gesagt.» Markus' Flugbekanntschaft Friedrich wohnt schon seit einem Jahr in Israel und arbeitet in einem Jerusalemer Krankenhaus. Der Buchheld Markus kam, um in Jerusalem zu studieren.
Der Journalist und Autor Markus Flohr ist ein Meister des Erzählens. Seine Reportagen, Artikel und Interviews auf Spiegel Online und im Unispiegel sprechen für sich. Der heute Dreißigjährige studierte in Jerusalem und Hamburg Geschichte und machte aus seinem Jahr im gelobten Land kurzerhand ein Buch. Keine Angst: Sein im Unispiegel bereits veröffentlichtes Tagebuch hat mit dem Roman Wo samstags immer Sonntag ist nicht allzu viel zu tun.
Das bei Kindler dieser Tage erschienene Buch erzählt vom turbulenten Studentenleben eines norddeutschen Pfarrerssohns in Jerusalem. Der sympathische Buchheld schlägt sich im heiligen Land wacker. Und das, obwohl er nach einem Mietbetrug kurzerhand koscher wohnen muss, auf einem Festival in der Wüste böse abstürzt und israelische Frauen für Deutsche schwer zu nehmen scheinen. Aufgrund seiner Nase hält man ihn zwar häufig für einen Juden, sein Deutschsein wird jedoch genauso oft und schneller als erwünscht enttarnt.
Flohr belehrt nicht, bewertet nicht, politisiert nicht. Das bleibt dem Leser vorbehalten. «... Israel darf einfach Israel sein», urteilt Thees Uhlmann - Sänger der Hamburger Band Tomte - nach der Lektüre des Buches. Dank leichter Schreibe und Flohrs Blick fürs wesentliche Detail landet der Leser gemeinsam mit dem Ich-Erzähler gleich mittendrin im jugendlichen Jerusalem. Das ist bunt, lustig, exzessiv, aber auch voller Zivis, Weltverbesserer, Beklemmungen, Missverständnisse und lebenserhaltenden Regeln.
Vor allem aber ist Eretz IsraelHeiliges Land zutiefst religiös. Hier, wo alles heilig ist, treffen Christen, Muslime und Juden aufeinander. Und Flohr beobachtet, belauscht und schreibt auf. Bestens gelungen im Kapitel 1000 Tore: Hier landet der protestantische Buchheld ungewollt mit einem mannshohen Christuskreuz im Gepäck im orthodoxesten aller Stadtteil Mea Schearim (zu Deutsch: 1000 Tore). Wie jeder weiß, wurde der Letzte, der ein Kreuz durch Jerusalem schleppte, drangenagelt. Wenn das mal gut geht!
Autor: Markus Flohr
Titel: Wo samstags immer Sonntag ist
Verlag: Kindler
Seitenzahl: 256 Seiten
Preis: 14,95 Euro
Erscheinungstermin: 15.Januar 2011
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