Soziale Netzwerke In ist, wer drin ist

SchülerVZ (Foto)
Sozial vernetzt: SchülerVZ, Facebook und Co. sind bei jungen Menschen beliebter denn je. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle
SchülerVZ, Facebook und Co. sind bei Jugendlichen schwer in Mode. Eine Studie der Uni Leipzig zeigt, dass 70 Prozent der Befragten sogar in mehr als zwei Netzwerken aktiv sind. Ein Viertel von ihnen hat aber auch schon negative Erfahrungen gesammelt.

Sie schicken sich virtuelle Küsschen über die Pinnwand, laden die Fotos der letzten Party hoch, verabreden sich für den Abend oder tauschen sich im Chat einfach nur über den verpatzten Mathetest aus. Das Leben der Jugendlichen spielt sich heute zu einem großen Teil online ab. Soziale Netzwerke wie SchülerVZ, MySpace, Facebook und Co. gehören längst zum Alltag.

Dies zeigen auch die Ergebnisse des «Medienkonvergenz Monitorings» (MeMo), einer Studie der Universität Leipzig, die soziale Netzwerke und deren Nutzer unter die Lupe genommen hat. Das Ergebnis: «Soziale Online-Netzwerke haben sich innerhalb kürzester Zeit verbreitet und zu einem zentralen Bestandteil des Medienalltags Jugendlicher entwickelt», sagt Bernd Schorb, Leiter der Untersuchung und Professor für Medienpädagogik am Leipziger Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft.

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Mehr als 6000 junge Netzwerker zwischen 12 und 19 Jahren wurden online befragt. 31 Tiefeninterviews brachten Zusammenhänge und Begründungen zum Vorschein.

Der Trend zum Zweit-Netzwerk

Wie die Studie zeigt, geht der Trend zum Zweit-Netzwerk. 70 Prozent der Befragten - vor allem die älteren User - sind auf mindestens zwei Netzwerken aktiv, ein Fünftel der Befragten nutzt drei und ein Zehntel sogar vier soziale Online-Netzwerke. Die Gründe klingen einleuchtend: Lilly beispielsweise wechselte ihre Schule, und da ihre neuen Freunde auf einem anderen Netzwerk unterwegs sind, hat sie sich auch dort angemeldet.

Marius wollte nach seinem Austauschjahr in Amerika auch mit den dort gefundenen Kumpels in Kontakt bleiben. Und da in den USA Facebook auf der Liste der Netzwerke ganz oben steht und auch internationale Kontakte ermöglicht, hat er sich dort ein zweites Profil angelegt.

Während Facebook mit weltweit mehr als 500 Millionen Usern den Thron der Netzwerk-Welt innehat, sind in Deutschland vor allem die VZ-Netzwerke sehr beliebt. «Ich bin da, wo die meisten sind. Und das ist zurzeit SchülerVZ», erklärt der 17-jährige Michael, der zu den Befragten der Studie gehört. Dabei sein, lautet die Devise. Denn, so Schorb, durch die sozialen Netzwerke haben die Jugendlichen einen neuen Weg gefunden, miteinander umzugehen, zu netzwerken und ihre Beziehungen zueinander zu pflegen.

94 Prozent der Befragten, die im SchülerVZ aktiv sind, finden es wichtig oder sogar sehr wichtig, mit ihren Freunden zu kommunizieren. 88 Prozent schätzen es auch, mit vielen Menschen in Kontakt zu bleiben und alte Freunde wiederzufinden. Die Freundschaftspflege und die Organisation des gemeinsamen Alltags stehen damit ganz weit vorn und zeigen auch, dass sich das Leben der jungen Netzwerker nicht nur online abspielt. Die Verabredung findet schließlich im realen Leben statt.

23 Prozent der Befragten gaben aber auch an, schon einmal negative Erfahrungen im Netz gemacht zu haben. Ganz vorne dabei: Beleidigungen und sexuelle Belästigung. «Ich wurde gemobbt», «man hat mich bedroht» oder «es gab eine Hassgruppe gegen mich» sagten 24 Prozent derjenigen, die das soziale Netzwerk von seiner weniger schönen Seite erlebt haben. 18 Prozent - vor allem Mädchen - haben Aussagen wie «ich wurde sexuell belästigt» gemacht.

Datenschutz und Zugriffskontrollen

«Die Netzwerkplattformen bieten Heranwachsenden ohne Zweifel viele Möglichkeiten, haben aber auch problematische Seiten, insbesondere, wenn es um Differenzen im sozialen Miteinander oder den Umgang mit persönlichen Daten geht», gibt Schorb zu bedenken. Gerade der letzte Punkt werde von den Jugendlichen zu wenig wahrgenommen.

Nur vier Prozent derer, die sich zu schlechten Erfahrungen im Netzwerk geäußert haben, thematisierten Probleme aus dem Bereich des Datenschutzes beziehungsweise der Persönlichkeits- und Urheberrechte. Da den jungen Netzwerkern vor allem wichtig ist, möglichst authentisch zu wirken, geben sie häufig auch ehrliche und vor allem umfangreiche Informationen von sich preis und stellen mitunter peinliche Fotos von sich ein.

Dass sie dabei auch immer die Möglichkeit haben, ihre Profile und damit die persönlichen Angaben über sich nur bestimmten Usern anzuzeigen, wissen 92 Prozent der Befragten. Aber nur 41 Prozent machen davon auch Gebrauch. «Meine Eltern finden’s überhaupt nicht gut, sie sagen Datenschutz und so weiter», begründet Lilly ihre Entscheidung, die Zugriffe zu kontrollieren.

Anderer Meinung sind da zum Beispiel Laura und Jana: «Ich hab nichts zu verbergen», sagt die eine, «Ich mache nichts, was mir peinlich ist», die andere. «Ich find‘ das blöd, wenn Leute ihre Seite verstecken. Das ist doch dann sinnlos!», sagt die 16-jährige Tina und macht damit klar, was soziale Netzwerke wie SchülerVZ in ihrem Ursprung eigentlich sind: öffentliche Kommunikationsplattformen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar «Eine digitale Tracht Prügel».

boi/reu/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Richard Roither
  • Kommentar 3
  • 14.04.2011 15:32

in ist wer HIER drin ist! http://www.in-ist-wer-drin-ist.com/?id=riro3200 oder http://www.site-talk.at

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  • HeinTirol
  • Kommentar 2
  • 21.01.2011 01:37
Antwort auf Kommentar 1

Und Beiträge nur senden, wenn sie sinnvoll und zum Thema passend sind. Treffen mit Internetbekanntschaften nur im eigenem Ort an einem viel frequntierten Platz, und dass nur bei Tageslicht und nicht nach 18 Uhr (je nach Alter). Weil ich mich danach richte, bringt mir Internet Freude.

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  • HeinTirol
  • Kommentar 1
  • 21.01.2011 01:27

Bei vielen Usern steht Selbtdarstellung und Angeberei im Vordergrund, weil sie selbst kaum soziale Kontakte im persönlichen Umfeld pflegen. Und so ist das Internet wie im richtigen Leben: Benimmst du dich daneben, kriegst du ne Klatsche; bist du anderer Meinung, wirst du gemaßregelt; öffnest du selbst ein Forum und verweist in anderen Foren darauf, wirst du im schlimmssten Fall gemobbt. Nur, dass da alles anonym passiert. Darum mein Tipp: Profil nur mit echtem Namen, echtes Bild und Alter. Freunde akzeptieren nur mit Bild, echtem Namen und aus der Umgebung.

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