So., 27.05.12

Monsterwellen 18.01.2011 Wie gefährlich sind Kreuzfahrten?

Monsterwellen (Foto)
Monsterwellen können bis zu 30 Meter hoch sein. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Rostock

Die Schiffe werden größer, die Ziele abenteuerlicher, die Passagiere immer mehr: Kreuzfahrten liegen schwer im Trend. Doch werden dadurch die Reisen auch immer gefährlicher. Der MDR zeigt es in einer Dokumentation.

Er sieht so aus, wie sich jedes Kind einen Kapitän vorstellt. Ein richtiger Seebär. Ruhig steht Christoph Felsenstein auf der Brücke. In der rechten Hand den Steuerhebel, in der linken ein Funkgerät. Auf dem Kopf die weiße Kapitänsmütze. Seit mehr als 30 Jahren fährt der 64-Jährige bereits zur See, wie man an der Küste sagt. Er hat alle Weltmeere gesehen und schon fast alles erlebt. «Das schlimmste Ereignis war die Suche und Rettung von Menschen nach dem Untergang eines Schiffes», sagt er.

Fast so schlimm wie die großen Wellen, durch die er sein Schiff als Kapitän schon fahren musste. «Bis zu 30 Meter hoch waren sie», sagt Felsenstein. Er berichtet von sogenannten Monsterwellen. Sie sind kaum erforscht, kommen immer wieder vor und haben bereits zu Katastrophen geführt. Das jüngste und tragischste Beispiel liegt fast ein Jahr zurück. Eine Welle erfasste das Kreuzfahrtschiff «Louis Majesty» von der Seite, durchschlug einige Fenster und führte zur Tragödie. Erstmals kamen zwei Menschen bei einem Kreuzfahrtunfall ums Leben.

«20 bis 30 Grad Winkel sind optimal»

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat sich dem Thema in seiner Wissenschaftsreihe Echt angenommen. Die Dokumentation wird am heutigen Dienstag ausgestrahlt. Autor Dirk Schneider hat einige Wochen recherchiert und zusammen mit Moderator Sven Voss Betroffene und Experten besucht. Einige davon arbeiten im Forschungszentrum der Hochschule Wismar in Warnemünde. Dort befindet sich die in Europa modernste Simulationsanlage für die Schifffahrt. In drei Räumen können Kapitäne und Offiziere realistisch den Gefahren ausgesetzt werden, die auf hoher See auf sie warten. Dazu gehören auch die Wellen.

Kapitän Felsenstein steht also nicht auf einer echten Schiffsbrücke. Es ist eine Attrappe, die einem echten Kreuzfahrtschiff nachempfunden wurde. Der Computer projiziert auf eine 360-Grad-Leinwand reale Hafeneinfahrten aus der ganzen Welt. Künftige Seeleute können auf der nachgebauten Brücke alle möglichen Seemannöver üben. Felsenstein lenkt das Kreuzfahrtschiff sicher durchs Wasser. Wellen, oder sogar 30-Meter-Monsterwellen sind nicht in Sicht. Doch sie treten öfter auf, als lange vermutet und stellen eine große Gefahr dar.

Denn trotz Wetterradar und langfristigen Vorhersagen: Monsterwellen können sich schnell auftürmen und nicht immer rechtzeitig erkannt werden. «Wichtig ist, dass Schiffe durch raue See sehr langsam fahren», sagt der Kapitän. Außerdem entscheide der Winkel zum Schiff, mit der eine Welle genommen wird. «20 bis 30 Grad Begegnungswinkel ist optimal.» Frontal kann eine Welle mit 50 bis 100 Tonnen Kraft auf einen Quadratmeter Schiffsrumpf treffen. Wichtig bei besonders langen Wellen sei, dass das Schiff nicht zwischen zwei Wellen steht. Dann steige die Gefahr, dass der Rumpf zerbricht.

300 Kreuzfahrtschiffe auf See

Vorgekommen ist das allerdings in der Kreuzschifffahrt noch nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass in Zukunft auch die Gefahren zunehmen. Das hat laut Echt-Autor Dirk Schneider zwei Ursachen. Zum einen steigen die Passagierzahlen jedes Jahr, aktuell um 13 Prozent. Darum werden immer größere Schiffe gebaut, die aufgrund ihrer Länge anfälliger für Monsterwellen sind.

«Außerdem werden die Reisegebiete exotischer und damit gefährlicher», sagt Schneider. Jetzt gerade seien 300 Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren unterwegs: am Cap Horn, am Cap der guten Hoffnung oder auf dem Nordatlantik. Ob Kapitän Felsenstein ob der Gefahren lieber mit dem Flugzeug fliegen würde als mit dem Kreuzfahrtschiff zu fahren? «Ich würde weiterhin beides machen», sagt er. Denn trotz der Gefahren durch Monsterwellen ist statistisch gesehen das Seefahren in Kreuzfahrtschiffen sehr sicher.

Echt: Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe? Dienstag, 18. Januar, 21.15 Uhr, MDR.

ruk/ivb/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Ruth Petersson
  • Kommentar 1
  • 03.02.2011 19:10
 

Vor 11 Monaten habe ich den Koffer gepackt,um auf der Majesty das Mittelmeer zu erkunden mit allen angebotenen Landgängen.Habe schöne Tage erlebt,bis wir in die Schlechtwetterzone kamen.Regen,Sturm und Wellenöhe steigerten sich.,bis uns die Monsterwelle traf.Zerborstene Scheiben,eindringendes Wasser,Panik unter den Menschen ,Aufruf nach Ärzten an Bord sagten uns es war nach einigen heftigen Schlägen etwas fürchterliches geschehen. Nach fast einem Jahr,ist dieses Erlebnis noch nicht vergessen.bin gerne bereit über den weiteren Werdegang zu schreiben R.P

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