Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle und -Redakteur Konrad Rüdiger
Meinungsvielfalt online präsentiert: Die Webseite Commentarist.de liefert die Kommentare und Kolumnen von 16 Nachrichtenseiten. Was derzeit etwas unübersichtlich wirkt, könnte bald noch spannender präsentiert werden.
Zwei Wochen haben Erich Hauch und Mircea Preotu ihr Projekt Commentarist.de unter Ausschluss der Öffentlichkeit getestet. Jetzt ist die Beta-Phase abgeschlossen und das Portal für jedermann frei zugänglich. Der Commentarist - so die Idee hinter der neuen Website - präsentiert aktuelle Kommentare und Kolumnen der 16 größten deutschen Medienseiten.
Mehr als 1000 Journalisten finden sich derzeit in der Datenbank. Ihre Texte fasst der Commentarist in Themenclustern zusammen und ordnet sie den einzelnen Rubriken zu. Zur Auswahl stehen die Bereiche National, International, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft & Technik sowie Kultur.
«Den Blick schärfen»
«In einer Zeit, in der Informationen mehr und mehr zur Massenware werden, in der die reinen Fakten nur noch selten exklusiv sind, wollen wir mit Commentarist den Blick schärfen für den Teil der Nachrichten, der die Bedeutung von Fakten interpretiert, mit Zusammenhängen vertraut macht und die Wichtigkeit erläutert», schreiben die Gründer auf ihrer Seite.
Neu ist die Idee - wie so oft im Internet - aber nicht. Angebote von bestimmten Seiten nach einzelnen Kategorien abzugrasen, ist «nur» eine Frage der richtigen Programmierung. In den USA gibt es ein ähnliche Angebote für Film-, Musik- und Spielekritiken, Metacritic und Rotten Tomatoes sammeln und gewichten die entsprechenden Rezensionen, um einen Meta-Wert für den jeweiligen Film, das Album oder das Spiel zu vergeben.
In Deutschland sammelt der Aggregator Rivva die wichtigsten Themen in Blogs. Das Angebot war zwischenzeitlich wegen technischer Probleme eingestellt worden, und die zahlenmäßig eher stagnierende Blogosphäre macht die Plattform derzeit eher unattraktiv, da sie häufig englischsprachige Themen präsentiert. Die Macher der Deutschlandradio-Sendung Breitband sprachen unlängst davon, dass das Angebot ausgetrocknet sei.
Wo ist Richter?
Dass der deutschen Journaille die Kommentarthemen ausgehen, ist allerdings unwahrscheinlich, so dass zumindest der Boden für das Angebot des Commentarist bereitet ist. Der Überblick über einzelne Themen oder die gesammelten Meinungen einzelner Autoren ist praktisch, wenn auch die Fülle der Angebote jetzt schon unübersichtlich wirkt. Wer alle 37 gesammelten Kommentare zum Dioxin-Skandal lesen möchte, dürfte vor allem eines haben: Langeweile.
Und offenbar werden nicht alle Kolumnen erfasst. Wer beispielsweise nach den empfehlenswerten Video-Kolumnen des FAS-Redakteurs Peter Richter (Richterskala) sucht, wird (noch) nicht fündig. Aber diese werden auch einem ausgesuchten Publikum bei Harald Schmidt gezeigt, also bei einer Sendung, die in der derzeitigen Form ein Auslaufmodell ist. Zudem fehlen Möglichkeiten zur Nutzerbeteiligung und zur Bewertung von Kommentaren, die bei kontroversen Themen nicht nur die Inhalte liefern, sondern auch für Zündstoff sorgen.
Das news.de-Fazit: Eine spannende Seite voller kraftvoller Meinungen, die allerdings noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Wenn noch nachgebessert wird, könnte die Meta-Seite zumindest in Fachkreisen metamäßig einschlagen.
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