Kultur András Schiff will nicht mehr in Ungarn auftreten

András Schiff will nicht mehr in Ungarn auftreten (Foto)
András Schiff will nicht mehr in Ungarn auftreten Bild: dpa

Der bekannte ungarische Pianist András Schiff befürchtet nach seinem Protest gegen das umstrittene ungarische Mediengesetz Repressalien in der Heimat.

Frankfurt/Main (dpa) - Der bekannte ungarische Pianist András Schiff befürchtet nach seinem Protest gegen das umstrittene ungarische Mediengesetz Repressalien in der Heimat.

«Ich bin in Ungarn jetzt absolut persona non grata (unerwünschte Person), und ich glaube nicht, dass ich je wieder in Ungarn auftreten oder auch nur einreisen werde. Ich bin ja kein Held», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Schiff hatte gemeinsam mit dem ungarischen Dirigenten Adam Fischer in einem offenen Brief die Künstler «in Europa und der ganzen Welt» zum Protest gegen das Mediengesetz aufgefordert. «Was in Ungarn geschieht, erinnert mich an manche schlimme Diktaturen», sagte Schiff. Er nannte dafür auch Beispiele aus der Kultur: «Politiker mischen sich in Sängerbesetzungen ein, bestimmen, wer im Orchester erste Klarinette spielt».

Adam Fischer, früherer Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim, hatte wegen staatlicher Einmischung im vergangenen Oktober seinen Posten als Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper in Budapest niedergelegt. In ihrem Brief hatten Schiff und Fischer geschrieben: «Wir freiheitsliebenden Künstler beobachten mit größter Sorge, in welchem Ausmaß Ausgrenzung, Aggression gegen Minderheiten und Intoleranz heute in Ungarn und in Europa auf dem Vormarsch sind.» Die Freiheit der Medien und der Kunst werde immer stärker eingeschränkt. Den Aufruf hatte auch der weltberühmte Dirigent Daniel Barenboim unterstützt.

Das neue ungarische Mediengesetz ermöglicht massive staatliche Eingriffe in die Medien. Es wird von Kritikern als Beschränkung der Pressefreiheit gewertet.

news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • sophie Schmukle
  • Kommentar 2
  • 20.01.2012 07:55

Die Geschichte Ungarns zeigt klar auf, dass es immer Landesverräter gab, die ihre Zunge wund geleckt haben und die Gunst der Unterdrucker gesucht haben. Nun ist es so, dass ein Baum,(Schiff Andràs) dessen Wurzeln (seine Vergangenheit)in der Erde (seine Heimat) nicht richtig verankert (verleugnet) sind, bringt wenig bis gar keine Früchte. Der Meister soll bei seiner Leiste bleiben, und nicht Unwahrheiten (seine Angst vor Verfolgung) verbreiten. Wer hat seine Ausbildung ermöglicht? Wer hat es bezahlt und gefördert? Wer hat seine künstlerische Tätigkeit mit Auszeichnungen anerkannt? Seine Heimat!

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  • Jozsef Felker
  • Kommentar 1
  • 18.01.2011 16:41

Ich möchte eher meine Meinung schreiben.Was z.Zeit in Ungarn passiert,ist die allerletzte $auerei ist.Da ich jährlich cca. 9 Monaten in ungarn verbringe,und die Sprache als meine Muttersprache,perfekt behersche,kann dies beurteilen.Mir tun meine ehemaligen Landsleute Leid. Man könnte von den Politiker der EU mehr erwarten. Ein "No-no!Aufpassan!gell!" ein bischen wenig!Ein Land das auf den Nadeln der EU hängt,müsste die Regelungen der Demokratie einhalten! Üdvözlettel F.Josef

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