Von Marina Antonioni
Für Ministerpräsident Horst Seehofer ist sie die «Grande Dame des Kinos»: Schauspielerin Hannelore Elsner darf sich über einen «Pierrot» freuen. Auch Tom Tykwer, Sophie Rois und Edgar Selge gehören zu Gewinnern des Bayerischen Filmpreises, der am Abend in München verliehen wurde.
Doppelter Grund zur Freude für Hannelore Elsner: Die Schauspielerin ist beim Bayerischen Filmpreis am Freitagabend in München nicht nur mit dem Ehrenpreis für ihre «herausragende» Karriere ausgezeichnet worden. Das Drama Das Blaue vom Himmel, in dem sie die Hauptrolle spielt, wurde von der Jury auch zum besten Film gekürt und erhielt den Produzentenpreis. In dem Werk von Regisseur Hans Steinbichler, das Ende März in die Kinos kommt, spielt Elsner eine an Demenzist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt und meist mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht erkrankte Frau, die gemeinsam mit ihrer Tochter (Juliane KöhlerHorst Köhler begründete seine Entscheidung mit der Kritik an seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. ) eine Reise in ihre Vergangenheit nach Riga antritt.
Produzent Uli Aselmann habe «einen faszinieren Film» realisiert, der das Publikum in den Bann ziehe, lobte die Jury. In eindrucksvollen Bildern werde ein Familiendrama enthüllt, das über Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert habe. Der Produzentenpreis ist die mit 200.000 Euro höchstdotierte Auszeichnung beim Bayerischen Filmpreis.
Tom Tykwer durfte sich über den Regiepreis für seinen Film Drei freuen. In dem Großstadt-Drama erzählt er die Geschichte eines Paares, das nach 20 Jahren Beziehung eine turbulente Veränderung erlebt: Beide verlieben sich, ohne von der Affäre des Anderen zu wissen, in denselben Mann. Durch Tykwers elegante Schauspielführung erlebe der Zuschauer auch die heikelsten Situationen als natürlich und selbstverständlich, «was dem Film eine wunderbare Leichtigkeit gibt», lautete die Begründung.
Für Tykwer ist es bereits der vierte Bayerische Filmpreis. Seine Hauptdarstellerin Sophie Rois wurde als beste Schauspielerin geehrt. Ihre «in jedem Moment glaubwürdige Darstellung» sei «fern von Klischees», ihr Gesicht zeige «jeden Gedanken, jedes Gefühl», hoben die Juroren hervor.
Bei den Schauspielern überzeugte Edgar Selge mit seiner Rolle in Poll, dem neuen Kinofilm von Regisseur Chris Kraus (Vier Minuten). In dem Drama, das im Sommer 1914 spielt und lose auf den Memoiren der Berliner Autorin Oda Schaefer (1900 - 1988) basiert, liefere er als baltischer Gutsherr mit Leidenschaft am Sezieren «grandiose Schauspielkunst» ab. Der Zuschauer sei «zwischen Entsetzen und Faszination hin- und hergerissen».
Poll startet Anfang Februar in den Kinos und war beim Bayerischen Filmpreis in zwei weiteren Kategorien erfolgreich: Paula Beer, die Oda Schaefer als 14-jähriges Mädchen spielt, ist beste Nachwuchsdarstellerin und laut Jury «die Entdeckung des Kinojahrs». Silke Buhr erhielt die Trophäe für das beste Szenenbild.
Die Preise - symbolisiert durch die Porzellanfigur «Pierrot» - wurden in diesem Jahr in 15 Kategorien vergeben und sind mit insgesamt 300.000 Euro dotiert. Schauspieler Florian David Fitz durfte sich über den Drehbuchpreis zum Kinoerfolg Vincent will Meer freuen, in dem er auch die Hauptrolle als junger Mann mit Tourette-SyndromDas Tourette-Syndrom ist eine neurologisch-psychiatrische noch ungeklärte Erkrankung, die durch das Auftreten von Tics charakterisiert ist. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und mitunter sehr heftige Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder serienartig auftreten können. Verbale, ungewollte Äußerungen zählen mit dazu sowie Ausrufe oder eigenartige Geräusche. spielt. Die Zuschauer haben das tragikomische Roadmovie darüber hinaus zum beliebtesten Film des Jahres 2010 gewählt (Publikumspreis). Bester Kinderfilm wurde der erste deutsche 3D-Animationsfilm Konferenz der Tiere.
Hannelore Elsner ist nach Ruth Leuwerik (1992), Marianne Hoppe (1997) und Liselotte Pulver (2000) die vierte Frau, die den Ehrenpreis erhält. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte sie als «Grande Dame des Kinos». Er wünsche sich, «sie noch in vielen Rollen zu bewundern», sagte er laut Redemanuskript. Die Bayerischen Filmpreise wurden 1979 zum ersten Mal von der Staatsregierung vergeben. Sie gehören zu den bedeutendsten Medienpreisen in Deutschland.
car/news.de/ddp