Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Softballspielerin im Männerstress: Im Kinofilm Woher weißt du, dass es Liebe ist? muss sich Reese Witherspoon zwischen zwei Männern entscheiden - dabei darf sie zeigen, wie locker und zauberhaft sie ist.
Lisa ist Softballspielerin, und sie ist eine ganz Taffe. Sie ist der Typ Frau, der Männern gegen die Schulter knufft und «gute Technik» sagt, wenn im Fernsehen ein Spiel läuft. Klar, dass die Kerle bei der charismatischen Blondine Schlange stehen.
Und dann sagt sie auch noch so Sachen wie «Wenn ich heute Nacht anfange zu weinen, frag mich bloß nicht, was los ist» - Egomane Matty (Owen Wilson) ist begeistert. George (Paul Rudd) erscheint hingegen völlig derangiert zu einem Date, weil gegen ihn wegen Korruption ermittelt wird. Sie will einfach nur schweigend essen – auch George ist entzückt. Nur Lisa kann sich bei beiden Kandidaten nicht so recht zu Begeisterungsstürmen hinreißen lassen – sie hat ohnehin gerade andere Probleme: Ihr Coach hat sie aus dem Team geworfen. Zu alt, sagt er. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen, und Männerstress ist dabei nicht gerade hilfreich.
Dennoch: In der romantischen Komödie Woher weißt du, dass es Liebe ist? muss sich Lisa zwischen Matty und George entscheiden. Aber damit lässt sie sich erst einmal Zeit. Währenddessen kann Reese Witherspoon ausgiebig zeigen, wie charmant und entspannt sie ist.
Ein Sohn im «kleinen Boot der Unwissenheit»
Matty hortet rosa Kapuzenpullis und eine Zahnbürstenkollektion für Damenbesuch – für Lisa ein Zeichen seiner Offenheit und Ausdruck seiner Persönlichkeit. George darf sich von ihr das Geständnis anhören, dass sie mit Heiraten und Kinderkriegen nicht viel anfangen kann. Spätestens da kann man sich fragen, ob Woher weißt du, dass es Liebe ist? vielleicht eher ein Männer-, als ein Frauenfilm ist.
Die klassische Frau-zwischen-zwei-Männern-Geschichte würzt Regisseur James L. Brooks (Besser geht’s nicht, Jerry Maguire – Spiel des Lebens) dann noch mit einem sehr amüsanten Nebenkriegsschauplatz, auf dem George mit staatsanwaltlichen Ermittlungen und seinem cholerischen Vater (Jack Nicholson) kämpft. Worum es bei den Vorwürfen genau geht, verraten die Filmemacher nicht, und das ist genau nach Georges Geschmack – er will es selbst nämlich auch nicht wissen. Er verkriecht sich in ein «kleines Boot der Unwissenheit» und himmelt lieber die quirlige Softballspielerin an. Doch so sehr er sich auch bemüht, die Augen zu verschließen, es sickert doch mehr durch, als ihm lieb ist.
Jack Nicholson glänzt hier als verbohrter Vater, der zu imposanten Wutausbrüchen aufbraust, aber selbst mindestens knietief in der Sache drinsteckt. Hier kann auch Paul Rudd zeigen, wie herrlich komisch er in der Rolle des Verzweifelten sein kann: Mit Schmackes lässt er den Kopf auf die polierte Tischplatte sausen und plappert wunderbar konfus auf die Angebetete ein.
Tränen beim Zähneputzen
Wie zu erwarten, bezaubert Reese Witherspoon mit Frische und Natürlichkeit und beeindruckt mit unverstellten Gefühlen. So beschert sie dem Film eine ganz große Szene, wenn beim Zähneputzen die Verzweiflung über das Ende ihrer Sportlerkarriere aus ihr herausbricht – dabei kleben auf dem Spiegel um sie herum bunte Zettel mit Sinnsprüchen wie «Wo es keinen Kampf gibt, ist keine Stärke». Weil sie das so überzeugend spielt, kann hier die Kamera auch ganz nah ranfahren, ohne dass es peinlich wirkt.
Manche Szenen sind zwar etwas überdreht geraten, aber Regisseur James L. Brooks erzählt den Film mit flottem Tempo und beweist ein Gespür für natürlichen Humor, den die Darsteller allesamt gekonnt transportieren. Seine Stärke zeigt der Film in den absurden Situationen. Eine ganz großartige Idee ist dabei das Schweige-Date – statt sich mit hohlem Geplapper von ihren Problemen abzulenken, versinken Lisa und George in Gedanken, während ihre Augen immer wieder über den Spaghetti zum anderen huschen. So sieht kreative Romantik aus.
Gelungen ist auch, dass Brooks nicht der Versuchung erliegt, einen der Kandidaten als Traummann und den anderen als kompletten Deppen zu stilisieren. Sowohl Matty als auch George werden dem Zuschauer als sympathische Typen mit merkwürdigen Macken vorgestellt – auch wenn einer der beiden dann die interessanteren Qualitäten offenbart.
Die Frage des Filmtitels - Woher weißt du, dass es Liebe ist? - spielt dabei allerdings keine besonders große Rolle. Wer sich also Lebensberatung erhofft, sollte lieber die Ratgeberabteilung der Buchhandlung konsultieren.
Titel: Woher weißt du, dass es Liebe ist?
Regie: James L. Brooks
Darsteller: Reese Witherspoon, Paul Rudd, Owen Wilson, Jack Nicholson
Filmlänge: 120 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Verleih: Sony
Kinostart: 20. Januar 2011