Zweckbündnis mit hitzigen Quickies: Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway springen nackig durch den Film Love and Other Drugs. Doch dann kommt ihnen die Liebe in die Quere.
In dem am 13. Januar anlaufenden Film Love and other Drugs geht es um Liebe, Sex und um andere Drogen, die das Leben schöner machen sollen: die Antidepressiva Prozac, Zoloft und das Potenzmittel Viagra. Ein bisschen geht es auch um Parkinson, die sogenannte Schüttellähmung, an der auch Papst Johannes Paul II. litt. Hier allerdings trifft es eine umwerfende junge Frau, was den anfangs satirischen Kurs dieses merkwürdigen Films in Richtung Schmonzette abdriften lässt.
Hauptfigur ist der flotte Pharmavertreter Jamie, der in den 90er Jahren Arztpraxen abklappert und mit allerlei Tricks seine Medikamenten-Proben unterbringen will. Der skrupellose Sonnyboy bezirzt Sprechstundenhilfen und verschafft sich Zutritt zu einem Star-Mediziner. Dessen unkonventionelle Patientin Maggie erregt sogleich Jamies Interesse. Maggie lässt erst recht nichts anbrennen und schließt mit Jamie ein sexuelles Zweckbündnis, bei dem sich die beiden auf hitzige Quickies treffen. Als Jamie durch den Vertrieb von Viagra zum Verkaufsass aufsteigt, scheint ihn nichts mehr zu bremsen - bis ihm die Liebe in die Quere kommt.
Die Läuterung eines skrupellosen Pharmavertreters
So viel nackte Haut gab es in einem US-Film lange nicht mehr zu besichtigen. Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal ziehen unentwegt blank. Die zwei bildeten bereits in Brokeback Mountain ein (unglückliches) Paar. Diesmal gibt Gyllenhaal einen eindeutig heterosexuellen Mann, dessen amouröse Umtriebigkeit ihn ständig in die Bredouille bringt. Und Anne Hathaway, die ihre Karriere mit Disneymärchen à la Plötzlich Prinzessin begann, spielt mit noch üppigerem Wallehaar als Pretty Woman Julia Roberts eine scheinbar abgebrühte Künstlerin, die ihr Sexleben nicht durch Gefühle behindern will.
Keine Frage, Regie-Handwerker Edward Zwick (Blood Diamond) gelingt es dank des attraktiven Duos und frecher Dialoge wunderbar, die schönste Nebensache der Welt anschaulich zu demonstrieren. Die ach so unbeschwerte Affäre entwickelt sich zwar so sicher wie das Amen in der Kirche zu einer Love Story mit moralisch erbaulichem Herzschmerz. Besonders Anne Hathaway als kulleräugige Maggie, deren verzweifelte Lebenslust ihrer Krankheit - sie hat Parkinson im Frühstadium - geschuldet ist, gibt eine anrührende Vorstellung, die sie für größere Aufgaben qualifiziert.
Erbauliches Liebesdrama mit notgeilen Nebenfiguren
Doch als Instrument zur Läuterung des Helden führt ihre Leidensgeschichte geradewegs in die Kitschzone. Dabei diente als eigentliche Filmvorlage der Bestseller Hard Sell: The Evolution of a Viagra Salesman, in dem ein Insider die von neu entwickelten Psychopharmaka angetriebene Goldgräberstimmung der Pillendreher-Branche in den 90ern schilderte. Zwick pfropft auf die Medizinsatire zielgruppengerecht eine rührende Liebesgeschichte. Damit nicht genug; Jamies notgeiler Bruder und Orgien mit lustigen Nebenwirkungen scheinen direkt aus pubertären Sexklamotten ausgeliehen.
Zugleich schildert der Regisseur die irren Details des US-Gesundheitssystems, die bereits Dokumentarfilmer Michael Moore in Sicko aufzeigte. Da fahren Busladungen armer Rentner nach Kanada, um billige Medikamente zu kaufen - und Pharmavertreter prügeln sich um die Gunst von Ärzten, die mit teuren Geschenken dazu geködert werden, Glückspillen zu verschreiben. Auch Parkinson wird etwas Zeit gewidmet. Doch der dissonante Tonartwechsel, die Sexfixierung und das abgeschmackte Happy End verleihen dieser Moral-Romanze einen so manischen Rhythmus, als ob sich jedermann mit einer Überdosis Prozac aufgeputscht hätte.
Titel: Love and Other Drugs
Regie: Edward Zwick
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Anne Hathaway, Oliver Platt, Hank Azaria
Filmlänge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 13. Januar 2011