Soziale Netzwerke MySpace am Scheideweg

MySpace (Foto)
Neuer Auftritt: Trotz Relaunch steckt MySpace in der Krise. Bild: Screenshot news.de (myspace.com)

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Rote Zahlen: Das einst größte Online-Netzwerk MySpace steckt in der Krise. Mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter soll entlassen werden. Auswirkungen des rasanten Wandels im Internet und eines verlorenen Zweikampfs mit Konkurrent Facebook.

Vor etwa drei Jahren war das Entertainment-Portal noch der leuchtende Stern am Firmament der Sozialen Netzwerke. Jeder Internetuser, der halbwegs etwas auf sich hielt, erachtete einen eigenen MySpace-Account als höchste Pflicht. Vor allem für Musikkünstler war das Portal ein Glücksfall, es eröffnete die Möglichkeit eines direkten, unkomplizierten Kontakts zu den Fans. Kaum eine Band, die sich nicht auch über ihren eigenen MySpace-Auftritt definierte und dort Fans sammelte.

Das Wachstum war gigantisch: Vier Jahre nach seiner Gründung zählte das Netzwerk im Sommer 2007 bereits 180 Millionen Mitglieder und schwang sich damit kurzzeitig zum größten Online-Netzwerk der Welt auf. Eine Entwicklung, die auch in Wirtschaftskreisen nicht unbemerkt geblieben war: Medienmogul Rupert Murdoch hatte sich das prosperierende Unternehmen 2005 für 580 Millionen Euro unter den Nagel gerissen und seiner News Corporation einverleibt.

Eine Entscheidung, die Murdoch mittlerweile bereuen dürfte, denn der Stern von MySpace scheint zu verglühen. Wenige Wochen nach einem groß beworbenen Relaunch, der das Netzwerk wieder zurück auf die richtige Umlaufbahn bringen sollte, wird es bei MySpace zu massiven Stellenstreichungen kommen. Laut dem Technologieblog All Things Digital sollen mehr als die Hälfte der weltweit 1100 Mitarbeiter von Entlassungen betroffen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Mutterkonzern eine drastische Sparrunde eingeläutet, der etwa ein Drittel der Belegschaft zum Opfer fiel.

In ist, wer drin ist

Der Internetauftritt von MySpace selbst erinnert, trotz frischen Anstrichs, an eine im Goldrausch hochgezogene Mega-City, die inzwischen in Teilen zu einer Geisterstadt verkommen ist. Verlassene Seiten und unaktualisierte Profile sind Kennzeichen einer trendorientierten Internet-Community, die einfach weitergezogen ist. Noch 2007 führte MySpace die Rangliste der meistgeklicktesten US-Seiten im Internet an, mittlerweile ist es auf die siebte Stelle zurückgefallen, abgelöst vom neuen Dominator Facebook.

Denn des einen Leid ist des anderen Freud: Während sich MySpace in einer Abwärtsspirale befindet, kann sich der legitime Nachfolger Facebook vor Positivschlagzeilen derzeit kaum retten. Mehr als eine halbe Milliarde Nutzer zählt der Internetgigant inzwischen weltweit, Gründer Mark Zuckerberg wurde jüngst von der Time zum Mann des Jahres gewählt. Und pünktlich zum Jahresanfang sorgte das Zuckerberg-Imperium mit dem Verkauf von Anteilen an ein Investmentunternehmen für Furore, das dem Netzwerk einen hochgerechneten Unternehmenswert von 50 Milliarden US-Dollar beschert. 

Schlechtere Bedingungen bei Google-Deal

MySpace-Eigner Robert Murdoch wäre momentan vermutlich froh, sein Unternehmen zu einem Bruchteil dieses Preises abstoßen zu können. Denn mit der schwindenden Bedeutung des Netzwerks sinken auch die Werbeerlöse, im vergangenen Jahr angeblich um 37 Prozent, die Seite schreibt tiefrote Zahlen. Immerhin seine Partnerschaft mit Google konnte das Unternehmen im Dezember verlängern, wenn auch zu ungünstigeren Bedingungen. Die Kooperation mit dem Suchmaschinenriesen hatte von 2007 bis 2010 immerhin 900 Millionen Dollar eingebracht.

Im Duell mit Facebook um die Vorherrschaft im Netz hat MySpace die Fahnen längst gestreckt, mittlerweile arbeiten die beiden sozialen Netzwerke sogar zusammen. MySpace-Nutzer können sich auch mit ihrem Facebook-Login anmelden. Die im Oktober angekündigte Frischzellenkur soll stattdessen einen Neustart als reine Unterhaltungsplattform markieren, die dem User Inhalte aus den Bereichen Musik, Filme, Prominente, Fernsehen und Spiele zugänglich macht. Für Branchenkenner lediglich eine Schönheits-Operation, die das Unternehmen für einen anstehenden Verkauf aufhübschen soll.

ruk/ivb/news.de

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