Soziale Netzwerke MySpace am Scheideweg

Rote Zahlen: Das einst gr├Â├čte Online-Netzwerk MySpace steckt in der Krise. Mehr als die H├Ąlfte aller Mitarbeiter soll entlassen werden. Auswirkungen des rasanten Wandels im Internet und eines verlorenen Zweikampfs mit Konkurrent Facebook.

Neuer Auftritt: Trotz Relaunch steckt MySpace in der Krise. Bild: Screenshot news.de (myspace.com)

Vor etwa drei Jahren war das Entertainment-Portal noch der leuchtende Stern am Firmament der Sozialen Netzwerke. Jeder Internetuser, der halbwegs etwas auf sich hielt, erachtete einen eigenen MySpace-Account als h├Âchste Pflicht. Vor allem f├╝r Musikk├╝nstler war das Portal ein Gl├╝cksfall, es er├Âffnete die M├Âglichkeit eines direkten, unkomplizierten Kontakts zu den Fans. Kaum eine Band, die sich nicht auch ├╝ber ihren eigenen MySpace-Auftritt definierte und dort Fans sammelte.

Das Wachstum war gigantisch: Vier Jahre nach seiner Gr├╝ndung z├Ąhlte das Netzwerk im Sommer 2007 bereits 180 Millionen Mitglieder und schwang sich damit kurzzeitig zum gr├Â├čten Online-Netzwerk der Welt auf. Eine Entwicklung, die auch in Wirtschaftskreisen nicht unbemerkt geblieben war: Medienmogul Rupert Murdoch hatte sich das prosperierende Unternehmen 2005 f├╝r 580 Millionen Euro unter den Nagel gerissen und seiner News Corporation einverleibt.

Eine Entscheidung, die Murdoch mittlerweile bereuen d├╝rfte, denn der Stern von MySpace scheint zu vergl├╝hen. Wenige Wochen nach einem gro├č beworbenen Relaunch, der das Netzwerk wieder zur├╝ck auf die richtige Umlaufbahn bringen sollte, wird es bei MySpace zu massiven Stellenstreichungen kommen. Laut dem Technologieblog All Things Digital sollen mehr als die H├Ąlfte der weltweit 1100 Mitarbeiter von Entlassungen betroffen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Mutterkonzern eine drastische Sparrunde eingel├Ąutet, der etwa ein Drittel der Belegschaft zum Opfer fiel.

In ist, wer drin ist

Der Internetauftritt von MySpace selbst erinnert, trotz frischen Anstrichs, an eine im Goldrausch hochgezogene Mega-City, die inzwischen in Teilen zu einer Geisterstadt verkommen ist. Verlassene Seiten und unaktualisierte Profile sind Kennzeichen einer trendorientierten Internet-Community, die einfach weitergezogen ist. Noch 2007 f├╝hrte MySpace die Rangliste der meistgeklicktesten US-Seiten im Internet an, mittlerweile ist es auf die siebte Stelle zur├╝ckgefallen, abgel├Âst vom neuen Dominator Facebook.

Denn des einen Leid ist des anderen Freud: W├Ąhrend sich MySpace in einer Abw├Ąrtsspirale befindet, kann sich der legitime Nachfolger Facebook vor Positivschlagzeilen derzeit kaum retten. Mehr als eine halbe Milliarde Nutzer z├Ąhlt der Internetgigant inzwischen weltweit, Gr├╝nder Mark Zuckerberg wurde j├╝ngst von der Time zum Mann des Jahres gew├Ąhlt. Und p├╝nktlich zum Jahresanfang sorgte das Zuckerberg-Imperium mit dem Verkauf von Anteilen an ein Investmentunternehmen f├╝r Furore, das dem Netzwerk einen hochgerechneten Unternehmenswert von 50 Milliarden US-Dollar beschert. 

Schlechtere Bedingungen bei Google-Deal

MySpace-Eigner Robert Murdoch w├Ąre momentan vermutlich froh, sein Unternehmen zu einem Bruchteil dieses Preises absto├čen zu k├Ânnen. Denn mit der schwindenden Bedeutung des Netzwerks sinken auch die Werbeerl├Âse, im vergangenen Jahr angeblich um 37 Prozent, die Seite schreibt tiefrote Zahlen. Immerhin seine Partnerschaft mit Google konnte das Unternehmen im Dezember verl├Ąngern, wenn auch zu ung├╝nstigeren Bedingungen. Die Kooperation mit dem Suchmaschinenriesen hatte von 2007 bis 2010 immerhin 900 Millionen Dollar eingebracht.

Im Duell mit Facebook um die Vorherrschaft im Netz hat MySpace die Fahnen l├Ąngst gestreckt, mittlerweile arbeiten die beiden sozialen Netzwerke sogar zusammen. MySpace-Nutzer k├Ânnen sich auch mit ihrem Facebook-Login anmelden. Die im Oktober angek├╝ndigte Frischzellenkur soll stattdessen einen Neustart als reine Unterhaltungsplattform markieren, die dem User Inhalte aus den Bereichen Musik, Filme, Prominente, Fernsehen und Spiele zug├Ąnglich macht. F├╝r Branchenkenner lediglich eine Sch├Ânheits-Operation, die das Unternehmen f├╝r einen anstehenden Verkauf aufh├╝bschen soll.

ruk/ivb/news.de

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