Die «Tagesschau» wird auch nach ihrer 20 000. Hauptausgabe am Silvesterabend ihrem Stil treubleiben und kein Feld für Fernsehexperimente.
Berlin (dpa) - Die «Tagesschau» wird auch nach ihrer 20 000. Hauptausgabe am Silvesterabend ihrem Stil treubleiben und kein Feld für Fernsehexperimente.
«Die "Tagesschau" ist kein Platz für Revolutionen», sagte ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke mit Blick auf den Einsatz digitaler Technik in einem Interview des «Tagesspiegels». «3D ist eine Technik, die das Erste irgendwann vielleicht einführt, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir werden künftig auch kein virtuelles Studio nutzen...» - so wie das im ZDF bei «heute» und «heute-journal» üblich ist. Aber ab 2012 soll es in der «Tagesschau» auch 3D-Filme und Touchscreens (berührungsempfindliche Bildschirme) geben.
Die Zuschauer schätzten die «Tagesschau» als «verlässlich und glaubwürdig», eben auch, weil sie keinen Moden hinterherrenne. «Die "Tagesschau" ist eines der letzten großen Lagerfeuer dieser Gesellschaft, um die man sich abends versammelt», sagte Gniffke. «Im Kern bleibt die "Tagesschau" immer das, was sie ist.»
Der andauernde Erfolg gibt den Machern anscheinend Recht: Im abgelaufenen Jahr schauten im Durchschnitt 5,35 Millionen Menschen täglich die 20-Uhr-«Tagesschau» allein im Ersten; mit den Ausstrahlungen in den Dritten Programmen, bei 3sat und Phoenix zusammengerechnet kommt das deutsche Nachrichten-Flaggschiff sogar auf 9,14 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 32,4 Prozent - deutlich mehr als die Konkurrenz.
Allerdings gibt es auch an der Nachrichtenauswahl hin und wieder Kritik, doch Gniffke verteidigt sogar die «Tagesschau»-Meldung über den Unfall des Castingshowkandidaten Daniel Küblböck, der 2004 mit einem Auto in einen Gurkenlaster gefahren war. Diese Meldung sei «Vorsatz» gewesen - «dass mich mein journalistisches Gespür nicht getrügt hat, zeigt, dass ich heute noch darauf angesprochen werde. Küblböck war damals das Symbol des neuen Castingshow-Genres...»
Auch künftig könne er sich solche Meldungen vorstellen, beispielsweise wenn RTL-Castingshow-Juror Dieter Bohlen in einen Gurkenlaster krachen würde. «Ja, Bohlen würde man natürlich machen - aber es ist auch immer die Frage, wie» - nämlich ohne großes Brimborium: «Wir melden vermischte Themen stets am Ende, kurz und nüchtern», sagte Gniffke. Es gehe schließlich um Information, nicht um Entertainment. «Wir wollen keine unterhaltsame Sendung machen.»
news.de/dpa