Durchgehört Musik nicht nur für den Fahrstuhl

Norah Jones bandelt auf ihrem neuen Album mit Country und Hip Hop an. Und Zucchero meldet sich mit einer Zeitreise in seine Kindheit zurück. News.de stellt die Alben Featuring und Chocabeck vor.

Norah Jones: Featuring

Norah Jones hatte es in den letzten Monaten nicht leicht. Die Sängerin konnte mit ihrem letzten Album The Fall nicht ganz an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen. Jones hatte genug vom Jazz-Soul-Gemisch und wollte sich weiterentwickeln. Heraus kam Soul-Pop, der zwar immer noch durchaus hörenswert war, aber die typische Jones-Farbe vermissen ließ. Das zumindest müssen sich viele Fans gedacht haben, die The Fall gar nicht erst gekauft haben. Bitter für die amerikanische Sängerin, denn wie viele andere Musiker verspürte auch sie nach fünf immer gleich klingenden Alben den Drang, wenigstens in kleinen Schritten eine andere musikalische Richtung einzuschlagen. Jetzt (und um Wiedergutmachung bemüht) hat Norah Jones eine Zusammenstellung von Songs veröffentlicht, die all jene Songs auf dem Album Norah Jones ...Featuring beherbergt, die sie mit anderen Musikern aufgenommen hat.

18 Lieder lang ist das gute Stück geworden und kann sich durchaus hören lassen: Jones hat mit Willie Nelson den Klassiker Baby It's Cold Outside ins Mikro haucht, mit Sänger Dave Grohl (von den Foo Fighters) und dem Song Virginia Moon den perfekten Kamin-Soundtrack geliefert oder mit der Country-Legende Dolly Parton einen Ohrwurm gebastelt (Creepin' In), den man so schnell nicht wieder aus dem Kopf kriegen dürfte. Dabei wird vor allem deutlich, dass die zierliche Brünette sich im Jazz zuhause fühlt.

Erstaunlicherweise funktionieren aber auch Kollaborationen mit dem Hip-Hop-Duo OutKast (Take Off Your Cool) oder dem Rapper und Produzenten Q-Tip (Life Is Better) ausgesprochen gut. Norah Jones musste sich in der Vergangenheit oft den Vorwurf gefallen lassen, nichts weiter als bessere Fahrstuhl-Musik zu machen. Diese Sammlung aber sollte genauso wie das Vorgänger-Album The Fall auch den letzten Zweifler milde stimmen. Befasst man sich mit ihrem aktuellen Werk, fällt auf, dass die Musikerin scheinbar schon immer auch ein offenes Ohr für andere musikalische Genres hatte. Reisende Musiker soll man nicht aufhalten, egal ob sie Fahrstuhlmusik machen oder nicht. Und schon gar nicht, wenn der Fahrstuhl sie zumindest qualitativ nach oben fährt.

Interpret: Norah Jones
Titel: ...Featuring
Plattenfirma: Blue Note (EMI)
Veröffentlichungsdatum: 12. November 2010

 

Zucchero: Chocabeck

Die Kritiker in seiner Heimat sind sich einig: Chocabeck, das neue Album, ist Zuccheros bestes Werk in seiner fast 40 Jahre währenden Karriere. Dabei hat der italienische Ausnahmekünstler etliche grandiose Alben und Songs abgeliefert, die Charts rund um den Globus erobert. Er wurde für den Grammy Award nominiert und ist sich vor allem immer treu und ein wahres musikalisches «Enfant Terrible»geblieben.

Zucchero rockt auf Italienisch, Französisch und Englisch und gehört zu jenen Geschichtenerzählern, die authentisch sind und vom echten Leben schreiben. Das fasziniert nicht nur seine Fangemeinde, sondern auch Freunde wie Sting, Andrea Bocelli, Brian May (Queen) oder Bono (U2), der den englischen Text zu dem Song Someone Else's Tears auf Chocabeck geschrieben hat. Mit dabei waren außerdem Ex-Beach Boy Brian Wilson, Roland Orzabal (Tears For Fears) und die legendären Produzenten Don Was und Brendan O'Brien.

Insgesamt erzählt Zucchero in Chocabeck vom Alltag des jungen Zucchero in einem italienischen Bauerndorf. Das Wort Chocabeck ist übrigens ein scherzhafter Ausdruck im Dialekt der Emilia Romagna: «Das sagte jeweils mein Vater, wenn ich Sonntags Kuchen oder Süssigkeiten wollte und wir nichts dergleichen im Haus hatten. Dann sagte er: Es hat Chocabeck. Ich dachte zu Beginn, das sei eine Art Schokokuchen, aber was er damit meinte, war, es gibt nichts zu Essen», erklärt Zucchero in einem Interview.

Nicht nur sprachlich, auch musikalisch dockt das Album an der Heimat des Sängers an. So erinnert die leise singende Akustik-Gitarre in Soldati Nella Mia Città an jene Oldies, die in den 1960er Jahren vom großen Schlager-Festival in San Remo in den Norden gespült wurden. Und im Opener Un Soffio Caldo meint man, Kirchenglocken und Kinderstimmen zu hören.

2011 wird Zucchero auch live in Deutschland zu sehen sein.

Interpret: Zucchero
Album: Chocabeck
Label: Universal
Erscheinungsdatum: 19. November 2010

roj/car/news.de

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