So., 27.05.12

Tagesschau-App 22.12.2010 Viel Geschrei um nichts

Annika Einsle (Foto)
Annika Einsle Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle

Ein Jahr nach der großen Ankündigung ist die Tagesschau-App der ARD nun endlich gestartet. Und hat damit prompt für einen Aufschrei in der Verlagsbranche gesorgt. Aber warum eigentlich der ganze Wirbel?

Der Spiegel hat eine, die Zeit, die Bild und andere Zeitungen auch - und das war bisher nie ein Problem. Ganz im Gegenteil: Es ist nur zeitgemäß, wenn Verlage sich crossmedial entwickeln, neben ihren Printausführungen und Online-Angeboten auch Applikationen für Smartphones[tt=Smartphones sind streng genommen Mobiltelefone mit erweiterten Fähigkeiten - zum Beispiel für die Verwaltung von Kontakten, Terminen und Aufgaben (sogenannten PIM-Funktionen) - sowie multimedialen oder internetbasierten Anwendungen. Sie benutzen meist ein spezielles Betriebssystem, welches die Installation weiterer Programme erlaubt (Symbian OS, Windows-Mobile, Android). Der Begriff Smartphone wird aber oft auch synonym verwandt für Geräte anderer Gattungen, zum Beispiel Organizer oder PDAs mit Telefonfunktionen. und Tablet-PCs anbieten. Doch mit der neu eingeführten Tagesschau-App ging jetzt ein Aufschrei durch die Verlagsbranche. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger spricht von einer «massiven Marktverzerrung zu Lasten der privatwirtschaftlichen Presse».

Und auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) findet harte Worte: «Gespeist aus einem großen Gebührentopf wirft der NDR seine Gratis-App auf den Markt und beeinträchtigt das junge Geschäft der Verleger mit Apps, die damit Geld verdienen müssen», sagt Wolfgang Fürstner, der Hauptgeschäftsführer des VDZ.

Doch in ihren vorschnellen Echauffierungen übersehen die Verbände einen wichtigen Punkt: Die Tagesschau-App ist nichts anderes als das Online-Angebot - nur für einen anderen Ausspielkanal, nämlich iPhone, iPad und Co., aufbereitet. Es handelt sich bei der neuen App also um keine zusätzlichen Inhalte, sondern um mehr Komfort beim Surfen: Die Benutzerführung ist neu. Ein Relaunch sozusagen.

Technisch ist die Tagesschau-App einwandfrei gemacht: Einfache und selbsterklärende Bedienung, Bild und Ton in hervorragender Qualität, beim Abspielen gibt es keine Verzögerungen, und auch der Live-Stream läuft ruckelfrei. Aber womöglich liegt genau darin auch das Problem der Verlage. Da ist plötzlich so etwas wie eine Übermacht auf den Markt der Applikationen getreten, die sich selbstbewusst präsentiert und dafür auch keineswegs schämen muss.

Einen Mehrwert im Sinne der Information bietet sie zwar nicht. Aber sie ist eben auch kostenlos - im Gegensatz zur Konkurrenz. Die ist nämlich so frech, für die Adaption ihrer Inhalte vom großen Internet auf den kleinen Screen jetzt plötzlich Geld zu verlangen - während die gleichen Inhalte im Netz weiterhin frei verfügbar sind.

Warum also dieser Wirbel? Die Tagesschau-App macht die gleiche Arbeit wie bisher - und ist deshalb kostenlos. Bezahlinhalte hingegen verlangen nach außergewöhnlichen Ideen, die über das Standardangebot hinausgehen, einen Mehrwert bieten. Und solange die Verlage das tun, schaffen sie es auch, sich von einer Kostenlos-App abzuheben - und die User werden gerne bereit sein, ihre Leistung entsprechend zu honorieren.

news.de
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige