Von news.de-Redakteurin Corina Broßmann
Sie ist die bekannteste Schriftstellerin Großbritanniens: Jane Austen. Heute wäre die traurige Heldin 235 Jahre alt geworden. Grund genug für Google der Engländerin ein Doodle zu widmen.
Obwohl sie die wahrscheinlich einflussreichste angelsächsische Autorin ist, kannte sie in Deutschland lange Zeit kaum jemand. Erst die Verfilmung von Stolz und Vorurteil machte Jane Austen auch außerhalb Großbritanniens bekannt. Längst hat sie sich nun weltweit als Schriftstellerin etabliert. Heute vor 235 Jahren wurde Austen geboren.
«Wäre Jane Austen eine grundgütige, diskrete Dame gewesen, wollte kein Mensch mehr ihre Bücher lesen.» Das sagt die Journalistin Elsemarie Maltzke und bringt damit den Reiz der Romane von Jane Austen auf den Punkt.
In Austens Romanen stehen Heldinnen im Zwiespalt im Vordergrund: Eine gute Heirat war in ihrer Zeit, dem späten 18. Jahrhundert, die einzige akzeptable Möglichkeit für eine junge Frau, sich eine respektable Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Andernfalls war sie ihr Leben lang vom Wohlwollen und der Großzügigkeit wohlhabender Verwandter abhängig. So erging es auch Jane Austen selbst. Und das birgt Stoff für reichlich Konflikte, mit denen sich Austen gern und kritisch befasst. In all ihren Romanen zeigt sie auf, wie problematisch es ist, die gesellschaftlich auferlegte Pflicht zu erfüllen und trotzdem eine emotional und menschlich befriedigende Ehe einzugehen. Diese Rahmenhandlung dient der Autorin aber vor allem dazu, soziale, menschliche und gesellschaftliche Eigenarten aufzudecken, zu karikieren und mit feinem Humor zu kritisieren.
Schon zu Lebzeiten lobten Kritiker den Sprachwitz der Engländerin. Das mag an ihrer Belesenheit liegen. Die Familie Austen war überdurchschnittlich gebildet, so dass die junge Jane Austen für die damalige Zeit als Mädchen vergleichsweise gut gefördert wurde und eine relativ umfassende Ausbildung genoss. Sie hatte freien Zugang zur Bibliothek ihres Vaters und begann im Alter von zwölf Jahren erste literarische Gehversuche. Im Jugendalter verfasste sie drei Bände mit kurzen Prosastücken, Kurzromanen, Theaterstücken und Fragmenten, die sich satirisch mit den damaligen literarischen und gesellschaftlichen Konventionen auseinandersetzten.
Die literarische Bedeutung Jane Austens in der englischsprachigen, vor allem britischen Kultur ist ähnlich hoch anzusehen wie beispielsweise William Shakespeares. Von Kritikern wird Austen oft mit dem Dramatiker verglichen und ihr Sprachtalent hervorgehoben.
Zeitlebens veröffentlichte Jane Austen anonym unter dem Pseudonym «by a Lady». Nach und nach wurde ihre Identität aber zu einem offenen Geheimnis. Geheiratet hat Jane Austen nie. Sie war kurz verlobt, aber bereits am Tag darauf wurde dieses Bündnis wieder gelöst. Ihre Schwester Cassandra war neben ihren sechs Brüdern immer ihre wichtigste Bezugsperson.
Jane Austen lebte zurückgezogen und erkrankte im Alter von 42 Jahren schwer. Heute vermutet man, dass sie an Nebennierenrindeninsuffizienz litt. Deren Ursache war damals noch unbekannt und so konnte sie nicht behandelt werden. Am 18. Juli 1817 starb Jane Austen.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Austens Werk unter anderem durch Virginia Woolfs literarische Essays wieder populärer, es gab erste Verfilmungen der Romane.
Seit den 1990er Jahren erlebte die Popularität von Jane Austens Werk erneut einen Höhepunkt, nicht zuletzt durch die in England und darüber hinaus sehr beliebten Fernsehadaptionen ihrer Romane und einiger aufwändiger Kinoproduktionen.
Es entstehen bis heute zahlreiche von Jane Austens Romanen inspirierte Werke. Helen Fielding übernimmt in Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück Motive aus Pride and Prejudice, insbesondere die Charaktere der beiden Protagonisten. Der Film Clueless – Was sonst! mit Alicia Silverstone überträgt die Handlung von Emma in das Beverly Hills der Gegenwart.
2007 erschien der Film Becoming Jane (Geliebte Jane), der ein imaginäres Porträt des Lebens von Jane Austen darstellt.
brc/news.de