Frischer Wind im Nachttalk: Benjamin von Stuckrad-Barre startet seine neue Talkshow. In der Internet-Pilotfolge sorgte Thilo Sarrazin bereits für Wirbel. Jetzt setzt Stuckrad Late Night erneut auf den Skandalbuch-Autor.
Auf zu neuen Ufern: Late-Night-Formate á la Schmidt und Co. gibt es bereits einige im deutschen Fernsehen. Doch die erreichen laut Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre nicht alle Zuschauergruppen. Deshalb hat der 35-Jährige jetzt seine eigene Show bekommen, in der er alles anders machen möchte. Die Pilotsendung von Stuckrad Late Night sorgte bereits im Sommer dieses Jahres im Internet für Wirbel. Heute Abend startet die Show ab 22.30 Uhr in ZDFneo.
«Wir wollen eine Fernsehsendung machen, die uns im Hauptprogramm fehlt», sagte er. Was ihn am Fernsehen ärgere, sei, dass er sich häufig nicht gemeint fühle. Für solche Menschen wie ihn müsse es aber auch ein Programm geben.
Als ersten Gast holt er sich in die 45-minütige Sendung allerdings mit dem umstrittenen Bestseller-Autoren Thilo Sarrazin einen Mann, der in den vergangenen Monaten von einer Talksendung zur anderen weitergereicht wurde. Das ficht Stuckrad-Barre nicht an. Er freue sich wahnsinnig auf Sarrazin, sagte er.
Erfolgreiche Pilotfolge
Die Freude dürfte auch daraus resultieren, dass Sarrazin bereits bei der Aufzeichnung der Pilotsendung im Juni Gast war. Ein Ausschnitt sorgte damals für Gesprächsstoff: Der Ex-Bundesbank-Vorstand hatte dem Moderator bei einem Ratespiel einen Zettel mit dem Namen des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels auf die Stirn geklebt. Die Szene war auf dem Internet-Videoportal YouTube aufgetaucht.
Stuckrad-Barre sagte, Sarrazin habe die erneute Einladung sofort angenommen. Er glaube, dass es trotz Sarrazins Auftritt in der Pilotsendung noch genug zu besprechen gebe. Die Pilotsendung sei deutlich vor Sarrazins Buchveröffentlichung aufgezeichnet worden. «Um es schlampig zusammenzufassen: Seitdem ist ja viel passiert», sagte der 35-Jährige. Bei einem Vorgespräch vor wenigen Tagen habe Sarrazin ihm gesagt: «Es ist ja Kult bei YouTube, was wir da gemacht haben.» Das Ratespiel solle auch künftig stattfinden. Sarrazin hatte mit Äußerungen in seinem im August publizierten Buch Deutschland schafft sich ab über eine angeblich erbliche Dummheit muslimischer Einwanderer bundesweit für Empörung gesorgt.
Freiheit zum Ausprobieren
Bei ZDFneo habe er die nötige Freiheit dafür, on air etwas ausprobieren und entwickeln zu können. Auf die Frage, ob er hoffe, die Sendung werde auch mal im Hauptprogramm gezeigt, antwortete Stuckrad-Barre: «Wir sind die U21 des ZDF.»
Stuckrad-Barre wird seine von Christian Ulmen produzierte Show ab 6. Januar wöchentlich präsentieren. Geplant sei, jede Woche einen Gast aus Politik und Zeitgeschehen zu präsentieren. Für die dritte Sendung habe bereits Linke-Fraktionschef Gregor Gysi zugesagt, auch Außenminister Guido Westerwelle habe er eingeladen. Stuckrad-Barre wird in der Show von einem «Kompetenzteam» begleitet: Der Journalist Hajo Schumacher und der ehemalige brandenburgische Innenminister, Jörg Schönbohm, sollen die Show von einem Logenplatz korrigieren und kommentieren - und erinnern dabei wohl nicht ganz unabsichtlich an die beiden alten Männer Statler und Waldorf aus der Muppetshow.
Kabarettistische Einlagen
Darüber hinaus wird es kabarettistische Einlagen geben: Die von Ulmen verkörperte Kunstfigur Uwe Wöllner - ein durchgeknallter Single mit Kastenbrille - erläutert «Begriffe der Woche» wie «Wikileaks», «Stuttgart 21» oder «Schuldenbremse». Daneben soll ein erfolgloser freier Journalist mit Namen Gero Schorch (gespielt von Jörg Diernberger) Einblicke in den Medienbetrieb geben.
Mit der im September ausgestrahlten Pilotsendung habe man rund 80.000 Zuschauer erreicht, sagte die Redaktionsleiterin von ZDFneo, Simone Emmelius. Das habe einem Marktanteil von rund 0,5 Prozent entsprochen.
Stuckrad Late Night, Donnerstag, 16. Dezember, 22.30 Uhr, ZDFneo
eia/ruk/news.de/dapd