Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle
10.000 Folgen Tagesthemen: Zum Jubiläum hatte Sandra Maischberger Wickert, Buhrow, Christiansen und Kollegen zum Erinnerungstalk geladen. Eine kurzweilige Sendung, bei der jedoch ein Gast außen vor blieb.
Worüber sprechen Tom Buhrow und Caren Miosga, wenn sie die allabendlichen Tagesthemen abmoderiert haben und die Kameras ausgeschaltet sind? Wie fühlen sich die Journalisten, wenn sie über Katastrophen berichten, vielleicht sogar Dinge vermelden müssen, die sie persönlich betreffen? Und was ist dran am Mythos der Feldbetten, die in Redaktionen aufgestellt werden, sobald die Nachrichtenlage es verlangt?
Die Tagesthemen berichten jeden Abend über das, was am Ende des Tages übrig bleibt, sie ordnen ein, geben einen Überblick und haben sich damit in 33 Jahren zur festen Größe im deutschen Fernsehen etabliert. Bei Sandra Maischberger trafen sich am Abend sechs Größen des deutschen Nachrichtengeschäfts, um in lustig-heiterer Runde über die Tagesthemen zu sprechen, die zuvor ihr 10.000. Folgenjubiläum feierten.
«Dann sagen wir, was wir wirklich denken»
Besonders brannte Maischberger die Frage unter den Nägeln, was denn die Moderatoren machen, sobald die Sendung zu Ende ist - und löste damit heiteres Gelächter unter Tom Buhrow und seinem Vorgänger Ulrich Wickert aus. «Dann sagen wir, was wir wirklich denken», erklärte Buhrow mit einem Augenzwinkern, nachdem er von seinem Kollegen zuvor einen kleinen Seitenhieb geerntet hatte, um ihn an das Gelübde zu erinnern. Das Gelübde, nie über das zu sprechen, was nach dem Abspann gesagt wird.
Neben Buhrow und Wickert hatten auch Sabine Christiansen, Wolf von Lojewski, Barbara Dickmann und Peter Kloeppel auf den Talksofas Platz genommen, um sich dem Zuschauer auch einmal von dieser Seite zu präsentieren. Und um zu zeigen, dass auch die seriösesten Nachrichten von echten Menschen gemacht werden - mit Ängsten, Sorgen und Fehlern, aber auch mit Spaß an der Arbeit.
Und so zeigte ein kurzer Einspieler Tom Buhrow beim Singen und Wolf von Lojewski gab zum Besten, wie er einmal halb nackt eine Telefonschalte gab. Dickmann erzählte, wie sie ihren Job boykottierte, weil sie anfangs nur Morgensendungen moderieren durfte. Und in einem weiteren Film war zu sehen, wie Wolfgang Schäuble Moderator Wickert vor einem Interview fragte, ob er abgenommen habe, worauf Wickert antwortete: «Ich hatte mir vorgenommen, weniger zu trinken.» Ein Fläschchen Wein pro Abend sei schließlich nicht so gut für die Figur.
Ein Gast allerdings wollte bei Maischberger nicht so recht in die Runde passen: RTL-Moderator Peter Kloeppel war der einzige, der mit dem Thema der Sendung «Kanzler, Krisen, Katastrophen: 10.000 mal ARD-Tagesthemen» nicht so viel gemein hatte.
Eher stiller Beobachter als aktiver Teilnehmer
Er konnte sich erst später einbringen, als das Gespräch auf die journalistische Ebene und den 11. September 2001 kam. «Dann springt eine Art Autopilot im Kopf an, um zu erklären, was eigentlich nicht klar ist», sagte Kloeppel, und Wickert: «Ich hatte Angst, dass Bilder gezeigt werden, die ganz fürchterlich sind». Einen Mehrwert oder sogar einen anderen Blickwinkel auf das Thema der Sendung bot der RTL-Moderator nicht. Und so schien er oftmals eher interessierter Zuhörer als aktives Mitglied der Diskussionsrunde zu sein.
An einen Polittalk im üblichen Sinne erinnerte die Sendung aber ohnehin nicht. Und das sollte sie wohl auch gar nicht. Schließlich gab es etwas zu feiern. «Die Tagesthemen sind etwas Besonderes, weil sie immer tolle Moderatoren hatte», erklärte Christiansen. «Wir sind in einem Beruf, in dem, wenn was los ist, 26 Stunden gearbeitet wird», sagte Wolf von Lojewski und bestätigte damit den Mythos um die sogenannten Feldbetten in den Redaktionen. Und Tom Buhrow ließ es sich nicht nehmen, Christiansens «echten Fernsehjournalismus» zu loben, als sie über den Tod des ehemaligen Nachrichtensprechers Hanns Joachim Friedrichs berichtete.
Natürlich ist in einem Talk zu einem Sendungsjubiläum mit allerhand Selbstbeweihräucherung der Gäste zu rechnen. Etwas anderes hat der Zuschauer wohl aber auch kaum erwartet.
cvd/boi/reu/news.de