Von news.de-Mitarbeiterin Annika Einsle
Von Hitler bis zum Davidstern tragenden Schäferhund: In seiner aktuellen Bühnenshow Jud süß-sauer provoziert Oliver Polak, wo er nur kann. Und wenn das Publikum mal anders reagiert als erwartet, dann hat er auch dafür eine Erklärung.
In Jogginghose und Kapuzenjacke steht er da, in der Hand einen XXL-Colabecher, auf dem Kopf die dunkle Strubbelmähne - und immer einen frechen Spruch auf den Lippen. «Wenn ihr nicht lacht, seid ihr keine Antisemiten. Dann seid ihr einfach nur humorlose Arschlöcher», sagt Oliver Polak gleich zu Beginn seiner Show. Jud süß-sauer heißt das Programm, mit dem er derzeit durch Deutschland tourt.
Polak, aufgewachsen im emsländischen Papenburg, weiß zu provozieren. «Ich darf das, ich bin Jude», sagt er. Sein Vater überlebte sieben Jahre Konzentrationslager. Die herrische Mutter - ein Vorzeigeexemplar jüdischen Familiensinns - war immer an seiner Seite. Nach erfolgreicher Abnabelung und ersten eigenen Gehversuchen bei RTL und Viva hat er nun seine ganz eigene Nische in der deutschen Comedy-Landschaft gefunden. «Jude in Deutschland zu sein, ist oftmals schräg», sagt Polak im Gespräch mit news.de.
Und diese Erfahrungen nimmt er jetzt und reizt sie auf der Bühne bis aufs Äußerste. Die Show hat gerade erst begonnen, da geht Polak bereits in die Vollen: «Jüdische Männer sind beschnitten, weil eine jüdische Frau nichts anfassen würde, was nicht mindestens 20 Prozent reduziert wurde.»
Hypnotisierende SS-Hunde und ein Judensong
Der Mann im Jogginganzug produziert einen Kalauer nach dem anderen, nimmt jeden und alles auf die Schippe und lässt dabei auch sich selbst nicht aus. Kommt, lasst uns alle Juden sein, trällert er unbescholten ins Mikro, während zwei überlebensgroße Papp-Schäferhunde auf der Bühne enthüllt werden. Sie tragen SS-Mützen und einen Davidstern um den Hals. Und immer, wenn Polak seinen Aufruf mit einem laszivem Hüftschwung in die Menge singt, dann blitzen die Augen der Hunde rot auf - so, als wollten sie das Publikum hypnotisieren.
Der Komiker selbst, Jahrgang 1976, hat den Krieg nicht miterlebt. Das hält ihn aber nicht davon ab, auch aktuell Erlebtes auf die Judenwitz-Schiene zu legen. «Ebay schickt mir für zehn positive Bewertungen einen gelben Stern zum Anstecken», sagt er da zum Beispiel, und fügt nach einer kleinen Pause hinzu: «Vor 70 Jahren reichte eine negative Bewertung vom Nachbarn.»
Polaks Witze sind gewagt. Das Publikum reagiert hin und wieder verhalten. Verlegen nimmt er dann einen Schluck aus dem Colabecher, die Augen prüfend auf die Menge gerichtet. Immer wieder zupft er am Kabel seines Mikrofons. Ob aus Vorsicht, nicht darüber zu stolpern, oder aus Unsicherheit, weil das Publikum nicht immer so recht mitgehen will, bleibt wohl sein Geheimnis.
Überspitzt und derb ist das, was Polak in seiner Show zum Besten gibt. Und als er seinen Körper anspannt, starr geradeaus blickt und die Stimme anhebt, um zu seiner Hitlerimitation anzusetzen, ist es plötzlich mucksmäuschenstil im Saal. Polak ist sich aber sicher, dass er mit einer Reaktion von den Zuschauern immer rechnen kann. Denn: «Auch wenn der Gag schlecht ist, die Leute lachen eh wegen des schlechten Gewissens.»
Polaks nächste Auftritte sind am 8. Dezember 2010 im Grünen Jäger in Hamburg, am 9. Dezember 2010 im Stadtgarten in Köln, am 10. Dezember 2010 im Kulturspeicher in Leer und am 11. Dezember 2010 im Schaustall in Langenfeld.
Eine Liste der vollständigen Tourtermine kann auf Polaks Homepage eingesehen werden.
Zudem ist am 26. November die Live-CD zum Programm erschienen:
Interpret: Oliver Polak
Album: Jud süß-sauer - Die Show
Plattenfirma: Sony Music (Spaßgesellschaft)
Erscheinungsdatum: 26. November 2010