«Die Sims 3» Digitales Marionettenspiel

Doppelleben ohne realen Ärger? Kein Problem: Die Sims 3 bietet jede Menge Chancen, andere Jobs, Hobbys oder Partner auszuprobieren. Wäre da nicht ein Problem: Mangelndes Qualitätsmanagement bei Publisher Electronic Arts.

Sims 3 (Foto)
Heiße Typen gibt es in Die Sims 3 jede Menge. Zumindest die digitalen Damen geraten reihenweise ins Schwärmen. Bild: Electronic Arts

Wer vor lauter Arbeit nicht mehr aus den Augen gucken kann und längst vergessen hat, wie sich das Wort «Freizeit» schreibt, der sollte sich dringend ein Doppelleben zulegen. Kein echtes natürlich, das könnte in einer Beziehung - ob mit Partner oder Freunden - doch für erheblich Missstimmung sorgen. Gemeint ist ein virtuelles Doppelleben. Und dafür hat Publisher Electronic Arts ein Patentrezept: Die Sims 3.

Im vergangenen Jahr haben EA und das Entwicklerstudio Maxis auf dem PC damit große Erfolge gefeiert. Nun sind die Konsolen dran: Xbox 360 und Playstation 3 bieten die nötige Grafikleistung, um das Doppelleben ausgiebig auszureizen. Schon während der Gamescom im Sommer war zu sehen: Da ist EA ein Volltreffer gelungen.

«Sims 3»: Lebenskampf auf der Wii

Doch wie sieht es mit Die Sims 3 für Nintendos Wii aus? Hat die Konsole das Zeug zum Treffpunkt für's Zweitleben? Die Antwort: Die Konsole schon - doch irgendwie scheinen die Entwickler Wii-Spieler nicht zu mögen. Dass Vista Beach, der virtuelle Spielort, aussieht wie ein Versuchslabor für wenig begabte Game-Design-Schüler mag der Grafikleistung der Konsole geschuldet sein. Die Wii ist bekannt dafür, keine optischen High-End-Ergebnisse zu liefern. Doch das lässt sich verschmerzen. Nicht aber die teilweise echte Lieblosigkeit, die in den Kulissen der adaptierten Konsolenvariante steckt.

Ganz viel Alltag total virtuell

«Die Sims 3»: Fremdgehen ohne Folgen
Video: Electronic Arts

Aber von Anfang an: Auch auf der Wii bleibt Die Sims 3 eine komplexe Lebenssimulation, die versucht, so realitätsnah wie möglich zu sein. Essen, trinken, duschen, schlafen, arbeiten, Freunde treffen, ins Sportstudio gehen, Kunstgalerien besuchen, Partys feiern, arbeiten - auf ehrliche oder kriminelle Weise -, Hobbys ausleben... Selbst die Klospülung sollte besser bedient werden, damit die Lebensqualität nicht unnötigen Punktabzug verursacht.

Mehr Alltag geht in Vista Beach kaum, in dem die Avatare mitunter auch ganz unsinnigerweise plötzlich im Badeanzug durch die Gegend laufen. Aprops Avatare: Bis zu sechs davon können in der Simulation erschaffen werden - vom Kindes- bis zum Greisenalter. Ihr Leben gilt es zu leben. Mit allen Konsequenzen bis hin zum Tod.

Nur 50 virtuelle Tage bleiben dem Spieler, um möglichst viele Punkte für Zufriedenheit zu sammeln. Dabei hilft es enorm, Wünsche der eigenen Beziehungswelt zu erfüllen oder gar ein beim Spielbeginn gesetztes Lebensziel zu erreichen. Wie immer der Spieler entscheidet: Alles was er tut, wirkt sich unmittelbar auf die Existenz seiner Figur aus.

Ganz schön launisch

Das fängt bereits mit dem Bau eines Heimes an. Was darf's denn sein? Ein kleines Häuschen oder doch die extravagante Villa am Strand? Nun, letztere gibt es von Anfang an auf keinen Fall. Das verfügbare Budget ist begrenzt - und mit dem Hauskauf allein ist es nicht getan. Denn wenn weder Toilette, Kühlschrank noch Bett vorhanden sind, haben die Sims verdammt miese Laune und der Spieler ein Erfolgsproblem.

«Die Sims 3»: Die Erfüllung geheimer Wünsche
Video: Electronic Arts

Wer die PC-Variante kennt, wird manche Interaktion vermissen. Zugleich kann sich der Spieler darauf freuen, sich nun auch am Strand richtig auszutoben oder bei einem offeneren Arbeitsmodus, mehr Freude beim Malochen zu haben. Das ist durchaus schön, genügt aber nicht, um über die Macken der Lebenssimulation für die Wii hinwegzutäuschen. Immer wieder kommt mit Erschrecken das Gefühl auf, als wäre die Spieladaption auf den letzten Drücker entstanden.

Viel Zeit kann der Spieler damit verbringen, seine Figuren zu gestalten, ein Haus aus- und umzubauen. Stunden lassen sich damit locker totschlagen, genauso wie mit den Freizeitoptionen. Zugleich kostet das Spielen aber auch unfreiwillig viel Zeit. Wer mit mehr als nur einem Sim unterwegs ist, verbringt zum Teil unnötige Minuten damit, zwischen den Figuren hin- und herzuwechseln, ihnen Aufträge zu erteilen oder sie aus dem Nichtstun aufzuscheuchen. Die Aktionen der anderen Figuren laufen parallel weiter - ohne, dass der Spieler darauf unmittelbar Einfluss hätte.

Schlechter Mehrspielerwitz

Ohne Frage: Es gibt viel zu tun in der Welt des virtuellen Doppellebens. Wem das nicht genügt, dem bieten die Entwickler einen Mehrspielermodus. Ein echter Schritt nach vorn. Derlei haben sich PC-Spieler des Sims-Abenteuers immer gewünscht. Gesagt sei aber: Sie werden es sich weiter wünschen. Denn was in dem Konsolenspiel als Mehrspielermodus verkauft wird, hat den Namen nicht verdient.

Mehr als ein Ratespielchen, bei dem die Gamer sich durch einen Fragenkatalog à la Memory oder Herumraterei hangeln, ist dabei nicht herausgekommen. Mit gemeinsamem Spielen hat das nicht zu tun. Ein Quotenknüller ist diese Spielerei nicht, mehr als kurzfristiger Spaß also nicht zu haben. Schade eigentlich - wäre das gemeinsame Spielen in der virtuellen Lebenswelt doch sicherlich mal etwas ganz Neues.

Wer sich bislang nicht im Sims-Universum bewegt hat, sollte vor dem Spielen unbedingt einen Blick ins beigelegte Handbuch werfen. Denn leider fehlt ein Tutorial, dass die grundlegendsten Aktionen erklärt. Nur wer die erste Bau- und Gestaltungsphase hinter sich gebracht hat, wird im Spiel erfahren, wie er weiter vorgehen kann.

Katastrophale Steuerung

Doch auch darüber hinaus bleibt die Steuerung mit der Controller-Kombination aus Wii Remote und Nunchuk gewöhnungsbedürftig. Zu ungenau reagiert der Cursor auf den Versuch, Ikons und Schriftzeilen zu treffen. Es braucht viel Zeit, sich an die wackelige Navigation zu gewöhnen. Obendrein ist wirklich jede Taste von Nunchuk und Remote mit einer oder mehreren Funktionen belegt. Das sorgt vor allem zu Spielbeginn für Chaos und Dauersuche nach der richtigen Taste.

Erschwert wird die Situation dadurch, dass es kaum möglich ist, wirklich fließend zu spielen. Immer wieder hängen die Figuren in Bewegungen und Interaktionen fest, Aktivitäten werden verzögert ausgelöst. Schuld daran ist, dass das Spiel beinahe ständig Informationen von der DVD nachladen muss. Damit wird die Lebenssimulation nicht nur zum extremen Geduldsspiel, sondern obendrein zum Nerventerror. Denn die Geräuschkulisse, die aus dem Wii-Laufwerk drängt, ist selbst mit drei Meter Abstand zur Konsole ohrenbetäubend. Beinahe so, als würde die Wii verzweifelt um Erlösung bitten.

Fazit. Keine Frage: Auch auf der Wii hat Die Sims 3 noch viel Unterhaltung zu bieten. Leider fallen die Ecken und Kanten dabei zu sehr ins Gewicht. Denn, dass ständig Informationen zur Kulisse nachgeladen werden müssen und dass es zu lange dauert, Aktionen zu verarbeiten, reduziert den Spaßfaktor erheblich. Dabei ist es eigentlich äußerst bequem, sich in eine Sofa-Ecke zu flegen und die Strippen der digitalen Marionetten zu ziehen.

Selbst Freizeitspieler leiden unter dem Eindruck: Hier musste unbedingt etwas fertig werden, Qualität ist nebensächlich. Für Sims-Fans ist das Frustpotenzial damit recht hoch - und ein guter Grund, lieber zur Version für die Xbox 360 oder die Playstation-3 zu greifen. Oder schlicht bei der erfolgreichen PC-Variante zu bleiben.

Titel: Die Sims 3
Genre: Simulation
Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Maxis
Preis: zirka 40 Euro
Sprache: deutsch
USK: ab 6 Jahre
Altersempfehlung der Redaktion: ab 10 Jahre
Plattform: Wii (weitere: Xbox 360, PC, Mac, Playstation 3, Nintendo DS)
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2010
Weiterspielen: Die Sims 3 (PC), Die Siedler 7 (PC)

sca/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig