Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Neun Jahre nach dem beklemmenden Psychothriller mit Moritz Bleibtreu feiert das US-Remake von Das Experiment seine DVD-Premiere. News.de verrät, warum das trotz Starpower von Adrien Brody und Forest Whitaker keiner so wirklich braucht.
Wurde jüngst der schwarzen britischen Komödie Sterben für Anfänger mit Sterben will gelernt sein ein einfallsloses US-Remake verpasst, ist nun der deutsche Psychothriller Das Experiment an der Reihe, dem amerikanischen Zuschauer europäisches Filmgut näher zu bringen. The Experiment ist zwar mit Adrien Brody und Forest Whitaker in den Hauptrollen gut besetzt, wurde aber in den USA, obwohl als Kinopremiere angedacht, nur auf DVD veröffentlicht. Das ist in den meisten Fällen kein gutes Omen, was die Qualität des Films angeht.
So überrascht es auch nicht, dass The Experiment gegen das deutsche Original nicht ankommt, obwohl die Story um ein Gefängnisexperiment, in dem Wärter und Gefangene 14 Tage abgeschlossen von der Außenwelt ihr Rollenverhalten umsetzen sollen, viel hergibt. Das hat jedoch weniger mit dem Psychoduell zwischen Adrien Brody und Forest Whitaker zu tun. Sie füllen die Rollen von Moritz Bleibtreu und Justus von Dohnanyi, also dem größten Unruhestifter unter den Gefangenen und dem sadistischen Anführer der Wärter, durchaus kongenial aus.
Vielmehr leidet der Thriller unter seinem platten Drehbuch, das sich nur lose an der literarischen Vorlage von Mario Giordano orientiert. Das Skript opfert die unterschiedliche psychologische Typisierung und die Glaubwürdigkeit im Handeln der Figuren, auf die im deutschen Original sorgsam geachtet wurde, nur allzu bekannten, platten Thrillerkonventionen. Dass die «Black Box», eine enge Dunkelkammer und psychologisches Druckmittel, im Original mit einer aus der Kindheit stammenden Angst von «77» (so wird der Gefangene Brody genannt) verknüpft wird, war ein cleverer Schachzug, von dem im Remake nichts übrig geblieben ist. Dort wird «77», gänzlich ohne entsprechende Vorgeschichte, in ein stillgelegtes Heizungsrohr eingesperrt, um für Ruhe zu sorgen – fertig.
Dazu gesellen sich zugespitzte reißerische Elemente, die so im psychologisch großartig funktionierenden, hintergründigen Original nicht zu finden waren, aber im Remake vordergründige Spannung aufbauen und für Nervenkitzel sorgen sollen. Ein mit dem Tode ringender Diabetiker und ein dummer Macho von Wärter, der einen männlichen Gefangenen vergewaltigen will, sind dafür die negativsten Beispiele. Überhaupt wurde bei den meisten Figuren vergessen, ihnen eine Charakterzeichnung zu geben.
Auch eine Verknüpfung der Ereignisse mit dem Ziel der Untersuchung erfolgt durch fehlendes Feedback der schnell aus dem Film verschwindenden Versuchsleitung bis zum Ende nicht. Stattdessen wird dem mäßigen Psychothriller eine evolutionsbiologische Analogie gemäß «Nur die Starken überleben» inklusive Pazifismusbotschaft aufgepfropft. Es scheint, dass Prison Break-Autor Paul T. Scheuring mit der Verantwortung als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur des Remakes überfordert war. Anders sind diese Schwächen nicht zu erklären.
Titel: The Experiment
Regie/Drehbuch: Paul T. Scheuring
Darsteller: Adrien Brody, Forest Whitaker, Cam Gigandet, Ethan Cohn, Maggie Grace, Clifton Collins Jr.
FSK: keine Jugendfreigabe
Länge: 91 Minuten
Extras: Making Of, Trailer, Interviews, Blick hinter die Kulissen
Preis: ca. 16 Euro
Erscheinungstermin: 2. Dezember 2010