Feiern und Flanieren in Berlin: Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Medienleute tanzten beim Bundespresseball. Bundespräsident Christian Wulff eröffnete den Ball mit Walzer. Und Angela Merkel war als Pappfigur anwesend - samt Akkordeon.
Es könnte so schön sein: Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Sigmar Gabriel kommen gemeinsam zum Bundespresseball und machen dann auch noch Musik. Am Freitagabend glänzten die Vorsitzenden der großen Volksparteien aber wieder einmal durch Abwesenheit auf dem Bundespresseball in Berlin. Immerhin standen nahe des Eingangs Puppen, die wie die beiden aussahen - und Tuba und Akkordeon spielten. Grüne und FDP nutzten das gesellschaftliche Großereignis dagegen für PR in eigener Sache.
Traditionell tanzte Bundespräsident Christian Wulf den ersten Walzer mit der Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz. 2500 Gäste waren ins Hotel Intercontinental nach Berlin gekommen. Rund ums Hotel wurden die Sicherheitsvorkehrungen wegen der Terrorwarnungen verstärkt.
Das Kabinett war schwach vertreten
Unter den Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien befanden sich die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sowie Fraktionschefin Renate Künast. Die CDU habe wohl andere Sorgen, meinte Özdemir lächelnd - und wegen der guten Umfragewerte über 20 Prozent sowieso auf Wolke sieben schwebend.
Aus Merkels Kabinett waren nur fünf Minister zugegen, darunter mit Philipp Rösler, Rainer Brüderle und Dirk Niebel gleich drei aus der FDP. Für die Union waren dagegen mit Peter Ramsauer (CSU) und Kristina Schröder (CDU) nur zwei dabei. Merkel ist seit langem als Ballmuffel bekannt. Es gebe auch andere gesellschaftliche Höhepunkte, hatte sie einmal erklärt. Dieses Mal war noch nicht einmal ihr Vize Guido Westerwelle als Vertretung gekommen. Und auch die SPD-Spitze fehlte komplett.
Das neue Staatsoberhaupt aber war präsent. Trotz der bevorstehenden Israel-Reise ließ er sich den traditionellen Eröffnungswalzer mit der Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, nicht entgehen - wirkte allerdings dabei etwas unsicher. Seine Frau Bettina, die ein kupferfarben changierendes Kleid trug, meinte denn auch lächelnd, sie könne wohl besser als ihr Mann tanzen.
Gründlichere Sicherheitskontrollen
Die jüngsten Terrorwarnungen beeinflussten den 59. Bundespresseball nicht. Zwar waren die Kontrollen am Eingang gründlicher als in den Vorjahren, aber Sicherheitsschleusen wie am Flughafen gab es nicht. So konnten die Ballgäste unter dem Motto "Motivationen" ohne Einschränkungen in dem ganz in schwarz gehaltenen Ballsaal im Hotel Intercontinental feiern. Schwarz solle cool und progressiv wirken, erklärten die Veranstalter. So mancher empfand es als eher düster.
Eine solche Stimmung aber wollten die Gäste gar nicht aufkommen lassen. Künast, die das erste Mal seit Jahren wieder Gast war, sagte, sie wolle sich die Stimmung trotz der Terrorwarnungen nicht verderben lassen. «Wir leben in einem freien Land. Wir lassen uns unsere Art zu denken nicht zerstören», sagte die Bewerberin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin. Ähnlich äußerte sich Brüderle: «Ich habe Vertrauen in die Sicherheitskräfte, dass sie es besonders gut machen.»
Hummerschaumsuppe und Wiesenkalb
Wie jedes Jahr gab es erlesene Speisen und Getränke. Serviert wurden unter anderem Hummerschaumsuppe, Wiesenkalb, Sushi, Entenkeule, und zum Desert Schokoladensorbet und weiße Mousee. Dazu gab es Champagner, Bier und Weine en masse. Der vom Verein der Hauptstadtjournalisten organisierte Ball zählt zu den Höhepunkten der Ballsaison. Die Eintrittskarten zum Preis zwischen 350 und 590 Euro waren seit Anfang Oktober ausverkauft.
boi/cvd/news.de/dpa/dapd