Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Das Familiendrama im Haus DuMont Schauberg belustigt eine ganze Branche. Doch mit etwas mehr Umsicht hätte das PR-Debakel vermieden werden können. Somit liegen die entscheidenden Fehler beim mächtigen Verleger selbst.
Konstantin Neven DuMont ist ein Freigeist. Ein richtiger. Dem schlacksigen Lockenkopf Sendungsbewusstsein zu unterstellen, ist eine glatte Untertreibung. Überall, wo er spricht, bleibt kein Gedanke ungedacht und keine abstruse Idee ungeäußert. Und dieser Mann war nun seit knapp zwei Jahren im Vorstand der Mediengruppe DuMont Schauberg und zuletzt Herausgeber von vier Zeitungen. Zuvor gab er fünf Jahre den Geschäftsführer. Doch das sind nur die offiziellen Angaben.
Inoffiziell kann Konstantin Neven DuMont vor allem als veritabler Querkopf gelten. Seinem Ideenfluss zu folgen, dürfte genau so schwer sein, wie ihn zu beraten. Und deshalb hat man im Hause DuMont Schauberg eine Art potemkinsches Dorf rund um den Sohnemann des mächtigen Patriarchen Alfred Neven DuMont aufgebaut. Ihm gaukelte man richtiggehend vor, er habe Macht. Aber die wurde ihm konsequent vorenthalten. Entschieden haben andere, die sich nicht Geschäftsführer oder Herausgeber nannten. Konstantin selber bekräftigte das, indem er verlautbaren ließ, dass viele seiner Entscheidungen «unterwandert» worden seien.
Und nun ist der Ideen-Lautsprecher laut geworden, als er von Stefan Niggemeier ohne Umwege für kindische und narzisstische Blog-Kommentare verantwortlich gemacht wurde. Dabei hat Neven DuMont Junior im Vorbeigehen einen ganzen Verlag bloßgestellt und sich selber untragbar bis in alle Ewigkeit gemacht. Die Gründe für diese Selbstentzauberung liegen vor allem bei Vater Alfred. Er grämte sich wohl, seinen Filius nicht für höhere Weihen fit gemacht zu haben und wollte sich mit diesem Luftschloss die eigene Illusion wahren. Das ging gründlich schief.
Der 83-Jährige hat jetzt die schwere Aufgabe, einen würdigen Nachfolger für sich zu finden. Die von ihm selber angehäufte Aufgabenfülle und die Erfahrungen mit dem irrlichternden Sohnemann sprechen aber dafür, die Macht auf mehrere Schultern zu verteilen. Das Familienunternehmen ist jedenfalls arg in der Bredouille und etwa 3500 Mitarbeiter schauen mit Sorge darauf, was sich dort in den nebligen Höhen der Firma tut.
Der große Alfred Neven DuMont steht nun vor den Scherben eines kleinen Imperiums. Sein fraglos verdienstvolles Wirken muss er jetzt mit einem letzten Kraftakt retten.
kas/ivb/news.de