Berlin (dpa) Der Pop-Poet Sven Regener hat eine herrlich lässige und selbstironische Art, über seine Berliner Band Element Of Crime und ihre musikalischen Vorlieben zu räsonnieren. So auch in den Infos zur neuen Platte «Fremde Federn», einem reinen Cover-Album.
Berlin (dpa) Der Pop-Poet Sven Regener hat eine herrlich lässige und selbstironische Art, über seine Berliner Band Element Of Crime und ihre musikalischen Vorlieben zu räsonnieren. So auch in den Infos zur neuen Platte «Fremde Federn», einem reinen Cover-Album.
20 fremde Songs aus 20 Jahren sind da zusammengekommen, und es ist eine bunte, teils irritierende Mischung, die wohl wirklich der persönlichen Erklärung des Band-Bosses bedarf.
Originalton Regener zur Aufnahme des ruppigen «Motorcycle Song» von Arlo Guthrie im Jahr 1990: «Das alles wurde husch-husch-die-Waldfee ohne groß zu überlegen eingespielt, es wurde nicht gestritten, nicht mal diskutiert, nicht abgewogen, geplant, behutsam eingesetzt, sondern wir spielten mit den musikalischen Mitteln der Band wie kleine Kinder mit Bauklötzen, wild und frei, manchmal klappte es, manchmal kippte es um, und wie es dann war, so war es gut.»
So stoisch und schmerzfrei, Sven Regeners kultig-berühmter Romanfigur «Herr Lehmann» nicht unähnlich, gingen «die Elements» auch später an Coverversionen heran. Nach der Initialzündung mit dem Lied des US-Folkies Guthrie griffen sie sich immer wieder Fremdmaterial für Single-B-Seiten, Soundtracks oder Tribute-Alben. «Jetzt war ja alles egal, und die Künstler, deren Songs wir seither coverten, bilden eine recht gemischte Gesellschaft», räumt Regener ein. Unbewusst habe man wohl Musiker gewählt, «die auf den ersten Blick stilistisch weit weg von uns unterwegs waren. Das ist die größere Herausforderung und im Erfolgsfall auch befriedigender.»
Deutsches Liedgut von Franz-Josef Degenhardt, Freddie Quinn, Andreas Dorau und Udo Lindenberg ist also auf dem Cover-Album ebenso vertreten wie Weihnachtliches («Leise rieselt der Schnee»!) oder Klassiker von den Beatles, Bob Dylan und den Bee Gees. Dass Sven Regeners Englisch so deutsch wie nur möglich klingt, ist seit den Anfängen der Band vor 25 Jahren bekannt. Der harte Akzent des Sängers macht auch vor geschmeidigen Popsongs von Wham oder den Pet Shop Boys nicht halt. Französische Künstler wie Noir Désir oder Serge Gainsbourg werden ebenfalls nicht geschont.
Nicht jede Coverversion ist Element Of Crime im Laufe der Jahre wirklich geglückt Regener wäre sicher der erste, der das zugibt. Manches ist hart an der Grenze zur Karikatur oder allzu kalkuliert auf amüsiertes Kopfkratzen angelegt. Und doch verbreiten auch die schrägsten Lieder den für diese großartige Band so typischen Charme und Zauber. Die von rauen Gitarren zersägte Version der Edelschnulze «Zwei Gitarren» (Alexandra), die Mariachi-Trompete zu Gainsbourgs «Akkordeon», das rumpelige Shanty «My Bonnie Is Over The Ocean»: Element Of Crime sind, wie von Regener gewünscht, «wild und frei», aber nie respektlos.
In den vergangenen zehn Jahren - angesichts größerer Zeitspannen zwischen den regulären Alben - hat die Cover-Frequenz der Band zugenommen. Zuletzt nahmen die Berliner für einen «Rolling Stone»- Jubiläumssampler «She Brings The Rain» von den Krautrock-Helden Can auf. Man darf also gespannt sein, mit welchen fremden Federn sich Element Of Crime in Zukunft noch schmücken werden. Und sich doch auch wieder auf ein Album mit eigenen Indiepop-Chansons freuen. Denn das ist und bleibt die wahre Stärke der Band.
news.de/dpa