Musik Wilco-Musiker zelebrieren feinsten Westcoast-Pop

Berlin (dpa) ­ Bei der grandiosen US-Rockband Wilco sind sie die netten, unspektakulären Jungs im Hintergrund, die vermeintlichen Nebendarsteller: Bassist John Stirratt und Multi-Instrumentalist Pat Sansone.

Wilco-Musiker zelebrieren feinsten Westcoast-Pop (Foto)
Wilco-Musiker zelebrieren feinsten Westcoast-Pop Bild: dpa

Berlin (dpa) ­ Bei der grandiosen US-Rockband Wilco sind sie die netten, unspektakulären Jungs im Hintergrund, die vermeintlichen Nebendarsteller: Bassist John Stirratt und Multi-Instrumentalist Pat Sansone.

Mit The Autumn Defense haben die beiden sympathischen Amerikaner seit zehn Jahren ein Ventil für ihre eigene Musik. Der warme, weiche Westcoast-Pop der frühen 70er Jahre, eine Stilrichtung, die sich bei Wilco nur in homöopathischen Dosen findet ­ das ist Stirratts und Sansones gar nicht mehr so heimliche Liebe.

«Once Around» ist nun bereits das vierte Album von The Autumn Defense, und es ist ihr bislang bestes. Noch nie klangen die Songs der beiden alten Kumpels von Wilco-Mastermind Jeff Tweedy so entspannt, abwechslungsreich und ambitioniert. Noch nie gelangen ihnen solch herrliche Arrangements mit virtuosen Harmoniegesängen und opulenten Streichersätzen. Ganz abgesehen davon, dass Stirratt am Bass und Sansone an Gitarren und Keyboards natürlich Meister ihres Fachs sind.

Der zunächst hauchzarte, sich dann zu üppiger Pracht entfaltende Titelsong ist Zentrum und Highlight eines Albums ohne Schwachpunkt. Zeitlos schöne Melodien wie «The Rift» oder «Step Easy» erinnern an die großen Zeiten des amerikanischen Pop, als die Zombies, Beach Boys, Byrds oder Crosby Stills & Nash noch die US-Radiowellen beherrschten.

Allerdings haben die beiden Songschreiber von The Autumn Defense zuletzt erfreut festgestellt, dass sie mit ihrem Retropop keineswegs nur Nostalgiker oder gar Kopisten sind: «Wir haben gerade erst viele neue gesangsorientierte Bands wie Fleet Foxes oder Grizzly Bear gesehen ­ das war Zuspruch für die Musik, die wir schon immer machen», sagt John Stirratt.

Dass auch der britische Pop der 80er Jahre bei The Autumn Defense Eindruck hinterlassen hat, beweist «The Swallows Of London Town» - liebvoller wurden die bittersüßen Hymnen von The Smiths oder Aztec Camera selten nachgebaut. Das abschließende «There Will Always Be A Way» wird dann wieder von Akustikgitarren, Vibrafon und diesen perfekten Vocals geprägt.

Nach ihrem dritten, ebenfalls schon hervorragenden Album «The Autumn Defense» von 2007 wussten Stirratt/Sansone nach eigenen Worten nicht so recht, wie es mit ihrem Harmony-Pop-Duo weitergehen sollte. «Wir brauchten etwas Zeit zu klären, warum wir das alles machen - und um zu merken, wie sehr es uns immer noch gefällt», sagt Pat Sansone. Der entscheidende Funke sprang über, als beide in Neuseeland am musikalisch ähnlichen Charity-Projekt «Seven Worlds Collide» von Neil Finn (Crowded House) teilnahmen.

Zum Glück für alle Fans erwachsener, anspruchsvoller Popmusik fanden The Autumn Defense danach zurück in die Spur. Das Ergebnis «Once Around» beeindruckt und bezaubert. Jetzt soll die volle Konzentration aber wieder Wilco gelten: Derzeit arbeiten Stirratt und Sansone dem Vernehmen nach in der für viele besten Rockband der Welt am nächsten Album. Es soll im ersten Halbjahr 2011 erstmals auf eigenem Label erscheinen.

www.theautumndefense.com

www.yeproc.com

news.de/dpa

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