Von news.de-Redakteur Martin Walter
Voyeurismus pur: Jeden Tag tauchen im Netz neue Schnappschüsse aus Googles Internetatlas auf. Der Suchmaschinengigant musste für das Programm sogar seine eigene Zentrale pixeln. Allerdings zeigt Street View auch unerwartete positive Aspekte.
Nackte Menschen im Kofferraum, ungewollt verpixelte Parteizentralen und leicht erkennbare Prostituierte am Straßenrand: Knapp eine Woche nach der Einführung von Google Street View in Deutschland nehmen die Pixelversäumnisse rund um Googles Panoramadienst immer kuriosere Ausmaße an. Bei Heerscharen von Usern scheinen die Aufnahmen voyeuristische Instinkte geweckt zu haben, die Jagd auf Google'sche Verpixelungspannen ist in vollem Gange.
Besonders beliebt sind dabei das leichte Gewerbe und nackte Menschen jeglicher Art. Eine Website aus den USA hat es sich sogar zur Aufgabe gemacht, eine weltweite Übersicht über leicht bekleidete Damen bei Google Street View zu geben. «Willkommen im größten Internetarchiv für Prostituierte bei Google Street View» begrüßt das Portal seine User und listet nach Ländern geordnet die vermeintlichen Schnappschüsse. Auf anderen Seiten sind Fotosammlungen entblößter Menschen zu sehen, die von dem rasenden Fotoapparat entweder überrascht wurden oder mutwillig blank zogen.
Oft sind die Versäumnisse von Google aber hauptsächlich zum Lachen. Akribisch verfremdeten Werbeplakaten, bei denen das Pixelprogramm etwas übereifrig war, stehen gut erkennbare Menschen in zweifelhaften Situationen gegenüber. So wird etwa das Logo einer Fast-Food-Kette in Stuttgart ausgeblendet, während es ein Mannheimer zu anonymer Berühmtheit im Netz gebracht hat, da er gut erkennbar und äußerst spärlich bekleidet in seinem Mercedes-Kofferraum abgelichtet wurde. Inzwischen erwägt der Bloßgestellte eine Klage gegen Google.
Google pixelt Google
Ebenso kurios: Die Pixelung der Google-Zentrale in München. Vermutlich hat sich hier der Hausbesitzer gegen seinen Mieter durchgesetzt und Google zur «Selbstverstümmelung» gezwungen. Dagegen zeigt sich die Parteiführung von Bündnis90/Die Grünen sehr verwundert, dass ihre Berliner Parteizentrale ohne eigenes Zutun unkenntlich gemacht wurde.
Für Ärger sorgen auch Häuser, die zunächst nicht zu erkennen sind und einen Mausklick weiter plötzlich sichtbar werden. So haben sich das die Hauseigentümer sicher nicht vorgestellt, als sie die Unkenntlichmachung beantragten.
Und der Hype um den neuen Straßenfotodienst lockt auch Abzocker. Wer nicht per Google Maps, sondern über die Domains www.googlestreetview.de, www.google-streetview.de und www.google-street-view.de auf die Stadtbilder zugreifen wollte, landete auf kostspieligen Werbeseiten. Der Grund: Google selbst hatte sich diese Domains gar nicht gesichert, die Klicks führten zu dubiosen Abzocker- und Pornoseiten. Inzwischen sind die Seiten aber nicht mehr abrufbar.
Dass die Panoramabilder aber auch ihre guten Seiten haben, zeigt das Beispiel eines 56-jährigen Briten, der sich dank der Bilder von Google Street View zu einer Diät entschlossen, und in der Folge 46 Kilo abgenommen hat. Wozu einen Spiegel in der Wohnung, wenn es Google Street View gibt?
ruk/ivb/news.de
A.T.U. ist kein Fastfoodrestaurant, sondern eine Autowerkstatt...
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