So., 27.05.12

Neven DuMonts 16.11.2010 Eine Ohrfeige durch die Blume

Alfred Neven DuMont (Foto)
Ruft seinen Sohn zur Raison: Alfred Neven DuMont. Bild: dpa

Von Torsten Landsberg und Nathalie Waehlisch

Im internen Streit bei der Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg hat sich jetzt Verleger Alfred Neven DuMont erstmals zu Wort gemeldet und die Angriffe seines Sohnes Konstantin zurückgewiesen.  Der sieht in den Äußerungen seines Vaters eine «Retourkutsche».

Der Verlag bestätigte eine Erklärung von Alfred NevenDuMont an die Mitarbeiter des Medienunternehmens. «Wir, alle Mitarbeiter des Hauses, die Chefredakteure, Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und Verleger sind völlig unvorbereitet und ohne eigenes Hinzutun durch meinen Sohn Konstantin Neven DuMont, der seit mehreren Tagen beurlaubt ist und dessen Ämter und Funktionen ruhen, in eine misshellige Situation geraten», zitieren die Branchendienste kress.de und Meedia aus der «DuMont Depesche» vom Dienstag.

Vorausgegangen waren kuriose Auftritte des Verlegersohnes Konstantin, der seinem 83-jährigen Vater zuletzt über die Bild-Zeitung den Rücktritt nahegelegt hatte. Der 41-Jährige war nach Verlagsangaben in der vergangenen Woche auf eigenen Wunsch vorübergehend beurlaubt worden. Auch dieser Information hatte der Herausgeber der Frankfurter Rundschau über Medien widersprochen.

Vieles, was geschrieben worden sei, habe «einen gewissen Wahrheitsgehalt, aber es gibt ebenso viel Fiktion, wie so oft, wenn man sich mit Lust über Personalien auslassen kann», schrieb Alfred NevenDuMont den Berichten zufolge in seiner Mitarbeiterinformation. «Aber in diese Situation und da gibt es kein Hinwegschauen, hat sich mein Sohn begeben. Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich hierzu nichts weiter sagen möchte.»

Festzuhalten sei, «dass alle Äußerungen, die nach außen gedrungen sind, sofern sie auch wirklich von Konstantin Neven DuMont stammen, auf ihn zurückgehen und nicht die Meinung des Unternehmens wiedergeben», fügte er hinzu. Die Firma habe auf jede Art von Stellungnahmen oder Kommentaren verzichtet. Nach wie vor sehe er in diesen Vorgängen eine interne Angelegenheit.

«Retourkutsche»

«Ich kann Ihnen bei der Gelegenheit sagen, dass ich gesund bin und dass wir in der Zukunft, ungeachtet dieser Spekulationen, das Unternehmen im gewohnt gegenseitig vertrauensvollen Ton miteinander führen werden», wird der Verleger weiter zitiert. «Abschließend möchte ich feststellen, dass mit Aufsichtsrat, Vorstand, Geschäftsführungen und Chefredaktionen genug menschliches und fachliches Potenzial zur Verfügung steht, um die Zeiten, die für uns schwerer geworden sind, zu bewältigen», so Alfred Neven DuMont. Darüber hinaus gehende Sorgen seien glücklicherweise nicht angebracht. «Nicht ohne Humor möchte ich abschließend feststellen, dass Sie mich noch eine Zeit lang ertragen müssen.»

Konstantin Neven DuMont selbst sieht in dem Brief des Vaters eine «Retourkutsche». Das sei «schon okay». Schließlich habe er den Senior in den letzten Tagen «ziemlich angegriffen.» Allerdings: «Meine Fragen hat er in dem Brief nicht beantwortet. Will er mich auszahlen oder wie sonst stellt er sich das vor?», sagte der Junior Spiegel Online». Die Beurlaubung vom Vorstandsposten bedeute «praktisch ein Berufsverbot», da er ja zugleich nicht für ein Wettbewerber arbeiten dürfe. «Das ist ein Zustand, den ich höchstens noch bis zum Monatsende für erträglich halte. Darüber hinaus eher nicht.»

Der Verlegersohn hatte in den vergangenen Wochen für eine bizarre Affäre gesorgt. Nach Angaben des Medienjournalisten Stefan Niggemeier hatte der 41-Jährige unter mehr als 100 Pseudonymen Kommentare in dessen Blog verfasst. Neven DuMont stritt ab, der Verfasser gewesen zu sein. Allerdings sollen die besagten Einträge allesamt von seinem Internetanschluss ausgegangen sein. Neven DuMont gab an, Dritte hätten Zugriff auf seinen Computer gehabt und sich einen Spaß erlaubt. In den Einträgen hatte der Verfasser unter anderem Verschwörungstheorien aufgestellt und Wettbewerber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», für die Niggemeier als freier Autor schreibt, diskreditiert.

M. DuMont Schauberg gehören unter anderem die Berliner Zeitung, der Kölner Stadtanzeiger, die Mitteldeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau. Konstantin Neven DuMont war einer von vier Vorständen des Medienkonzerns und dort verantwortlich für Kommunikation und Strategie.

cvd/news.de/ddp
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