So., 27.05.12

Will Gluck 11.11.2010 «Hollywood ist wie eine Highschool»

Will Gluck (Foto)
Regisseur Will Gluck bei den Dreharbeiten zum Film Einfach zu haben. Bild: Sony

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann

Der junge Regisseur Will Gluck bringt gerade seinen Film Einfach zu haben in die deutschen Kinos. Im Interview erklärt er, warum Hollywood ein Krabbentopf ist, warum die Amerikaner Highschool-Komödien lieben und wie Twitter die Welt verändert.

Haben Sie für Ihre Highschool-Komödie Einfach zu haben in einer Schule recherchiert?

Will Gluck: Nein, eigentlich wollte ich gar keinen Highschool-Film machen. Ich habe das Drehbuch umgeschrieben, damit es nicht die klassische Highschool-Komödie wird. Es ist ein Film, der zufällig in einer Highschool spielt, aber kein typischer Film dieses Genres.

Warum gibt es diesem amerikanischen Mythos der Highschool-Komödie?

Gluck: Ich glaube, es liegt daran, dass die Amerikaner so puritanisch sind. Für Amerikaner ist Sex etwas, vor dem sie Angst haben. In meinem Film geht es unter anderem darum, wie Schüler ihre Jungfräulichkeit verlieren und das ist sehr typisch für Highschool-Filme, da geht es eigentlich nur um das Eine. Und viel wichtiger als Sex zu haben, ist es, darüber zu reden. Die Amerikaner reden eine Menge über Sex bevor sie es tun und hinterher reden sie auch darüber. Wenn man aber aus meinem Film den Sex heraus nimmt, dann ist es eine Geschichte über Reputation und Gerüchte – und das sollte in jedem Umfeld funktionieren. Es geht darum, wie man sein Verhalten daran anpasst, was die anderen über einen denken. Etwa in der Mitte des Filmes geht es gar nicht mehr um Sex.

Streuen Sie selbst gern Gerüchte?

Gluck: Hmm, Hollywood ist im Grunde wie eine große Highschool. Es gibt eine Menge Gerüchte, alle essen am selben Ort, jeder kennt jeden, jeder ist auf den anderen eifersüchtig. Auch in Hollywood gibt es diese klassischen Highschool-Gruppen: Die Streber sind die Autoren und so weiter. Und besonders für Emma Stone, die gerade ein großer Star wird, ist das so. Alles, was sie tut, steht gleich im Internet.

Standen Sie einmal selbst in Zentrum eines Gerüchts?

Gluck: Ich glaube nicht, aber vielleicht weiß ich nur nichts davon. Die Menschen in Hollywood sind eifersüchtig und nachtragend. Man kann diesen Ort mit einem Krabbentopf vergleichen: Sobald einer versucht, aus dem Topf zu krabbeln, ziehen ihn alle anderen wieder herunter. Wenn man also einen guten Film macht, versuchen alle anderen, das herunter zu spielen. So ist das in Hollywood. Den Leuten ist es lieber, wenn alle erfolglos sind, als dass es einer von ihnen schafft.

Interessant ist, dass alle paar Jahre ein Highschool-Film herauskommt, der sich von der Masse abhebt.

Gluck: Ja, was mir an dieser Art Filme gefällt, ist dass jeder die Archetypen dieser Filme kennt: Da gibt es die Streber, die Kasper, die Sportler, die Populären. In anderen Filmen wird viel Zeit dafür verwendet, Figuren einzuführen - in Highschool-Filmen ist das aber schon nach fünf Minuten klar und so kann man sich mehr auf andere Dinge konzentrieren. Das ist auch das Besondere an der Figur Olive, sie passt einfach nicht in diese Kategorien.

Was denken Sie über Emma Stone. Ist es schwierig für so eine junge Frau ein Star zu sein?

Gluck: Wenn das irgendjemand in den Griff bekommen kann, dann ist das Emma Stone. Sie ist ein gutes Mädchen. Gerade habe ich meinen nächsten Film abgedreht, in dem Emma wieder mitspielt und auch Justin Timberlake. Sie kam zum Set und sah, dass um Justin immer 8000 Kameras schwirrten und am nächsten Tag war alles, was er getan hatte, im Internet stand. Ich sagte zu ihr: «Guck dir das gut an, das wird dir auch passieren.» Sie wollte das nicht glauben, aber dann war auch sie am nächsten Tag im Internet. Sie kann das ertragen, aber es wird ihr Leben verändern. Das Internet zerstört vieles, denn berühmte Schauspieler haben keine Privatsphäre mehr.

Wie verändern soziale Netzwerke das Ausmaß an Gerüchten?

Gluck: In meinem Film gibt es diese Szene, in der das Gerücht sich in Hochgeschwindigkeit über Smartphones auf dem Schulhof verbreitet. Noch vor fünf Jahren war das ganz anders. Wir haben den Film im Sommer an einer echten Highschool gedreht und es waren viele der echten Schüler als Komparsen am Set. Wenn etwas passierte und ich über den Schulhof gelaufen bin, dann hat mir ein Schüler am anderen Ende des Geländes schon erzählt, was zehn Sekunden zuvor 100 Meter weiter entfernt passiert ist. Es ist verrückt: Auf Facebook verbringen die Menschen so viel Zeit damit, zu erzählen, was passiert ist, dass sie ihr eigenes Leben nicht mehr führen. Olive selbst macht das in meinem Film überhaupt nicht.

Haben Sie von Hollywood etwas gelernt? Sind Sie misstrauischer geworden?

Gluck: Ja, ich habe gelernt, davon auszugehen, dass jeder, den ich in Hollywood treffe, schlecht ist. Vorher war es umgekehrt: Da habe ich erst einmal geglaubt, dass die Menschen gut sind und dann war ich enttäuscht, wenn sie herausstellte, dass sie schlecht sind. Jetzt bin ich positiv überrascht, wenn sich herausstellt, dass ich es mit einem guten Menschen zu tun habe. Ich habe meine Erwartungen herunter gefahren und damit geht es mir viel besser. Das ist eine viel positivere Herangehensweise, so ist man immer glücklich.

Das ist aber ganz schön pessimistisch...

Gluck: Nein, das ist nicht pessimistisch. Man fühlt sich ja viel besser, weil man sich die Enttäuschungen erspart. Hollywood ist nicht nur schlecht, aber...

..trotzdem misstrauen sie jedem erst einmal?

Gluck: Nein, Misstrauen ist nicht das richtige Wort. Ich bin nur.. hmm, wie soll ich sagen? Ich bin überrascht, wenn die Menschen gut sind. (lacht) Das ist kein Misstrauen, auf eine Art vertraue ich ihnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2 was Will Gluck von Kritikern hält und wie Twitter seine Dreharbeiten sabotierte....

Wie wichtig sind Freunde für Sie und wie pflegen Sie ihre Freundschaften?

Gluck: Auf dieser Promotiontour begleitet mich ein Freund aus dem College, er hat so etwas noch nie mitgemacht und es ist großartig, dass er mich auf dieser Europatour begleitet. Wir sehen jeden Tag eine andere Stadt, jeden Tag ein anderes Hotel und es ist schön, wenn jemand dabei ist, der solch ein Leben normalerweise nicht führt. Für ihn ist das alles sehr aufregend, er sagt die ganze Zeit: «Das ist unglaublich!». Vor ein paar Tagen rief er mich an und fragte mich: «Wie kommen wir vom Flughafen zum Hotel? Soll ich mich um ein Taxi kümmern?» Natürlich ist das alles schon organisiert. Es ist schön, wenn jemand einen so erdet.

Und wenn Hollywood Sie nicht mehr haben will, kommen Sie einfach nach Berlin!

Gluck: Ja, Berlin ist eine tolle Stadt. Meinen nächsten Film möchte ich in Europa drehen, wahrscheinlich ist auch Emma Stone wieder dabei. Jedenfalls bin ich die letzten Tage durch Berlin gelaufen und habe mich nach Drehorten umgesehen. Es ist allerdings immer so dunkel, nie scheint die Sonne.

Waren Sie wieder auf der Suche nach einer Schule?

Gluck: Nein, keine Highschool-Filme mehr. (lacht)

Viele Menschen haben verstanden, dass Einfach zu haben zwar in einer Highschool spielt, aber sehr erwachsen ist. Die Kritiker waren begeistert.

Gluck: Ja, die Kritiken waren auch sehr hilfreich, um von dem Highschool-Image wegzukommen.

Hat Sie der Erfolg Ihres Films überrascht?

Gluck: Ja, sehr. Als wir den Film in Cancun zum ersten Mal vorstellten, dachten wir, dass sich niemand dafür interessieren würde, weil es eben ein Highschool-Film ist. Aber in Cancun wurde uns klar, dass sich hier etwas bewegt und als der Film dann in die Kinos kam, hat er viel Geld eingespielt – das gefällt dem Studio natürlich besonders.

Planen Sie einen zweiten Teil von Einfach zu haben?

Gluck: Ich glaube nicht, dass man da noch einen zweiten Teil dazu machen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Studio eine Fernsehserie daraus machen will, das ist jedenfalls das Übliche. Aber ich denke, ohne Emma Stone wird das nicht funktionieren – ich plane jedenfalls nichts in der Richtung. Ich bin aber gespannt, wie sich der Film in Europa schlagen wird, weil er so amerikanisch ist.

Interessiert es Sie, was die Kritiker sagen? Haben Sie das im Hinterkopf, wenn Sie den Film drehen?

Gluck: Nein. Es ist natürlich schön, dass den Kritikern «Einfach zu haben» gefällt. Ich habe aber auch schon viele Filme und Fernsehshows gemacht, die schlechte Kritiken bekommen haben. Wenn man also anfängt, den guten Kritiken zu glauben, muss man sich auch die schlechten zu Herzen nehmen. Das ist ja auch das Interessante an Twitter und Facebook: Wenn jemand da etwas schreibt, dann sind das immer schlechte Kommentare – es ist so leicht, negativ zu sein, wenn man anonym bleibt. Selten schreibt da mal jemand «Das ist großartig». Mit den Kritiken ist es das Gleiche. Ich schreibe ja selbst und ich weiß, dass es leichter ist und auch mehr Spaß macht, etwas zu verreißen. Ich glaube, deshalb sind viele Kritiken und Blogs so negativ sind.

Nutzen Sie selbst Twitter und Facebook?

Gluck: Ich bin nicht bei Facebook, aber ich lese eine Menge im Netz, viele Blogs. In den USA ist Twitter eine ganz große Sache und es ist so direkt. Sobald ein Film in die Kinos kommt, gibt es dazu tausende Tweets in der Sekunde, das lese ich dann und das machen die Studios auch, die orientieren sich nicht mehr so sehr am Boxoffice. Twitter hat das Geschäft total verändert, wenn die Tweets schlecht sind, wird es der Film sehr schwer haben. Das ist die Macht der sozialen Netzwerke.

Verändert Twitter die Filmproduktion?

Gluck: Bei Kinofilmen spielt das keine Rolle, aber bei Fernsehserien passiert das schon, da wird, je nachdem wie die Tweets ausfallen, nachjustiert. Bei Filmen funktioniert das nicht. Wir haben «Einfach zu haben» im Sommer 2009 gedreht und jetzt kommt er erst in die Kinos. Aber bei den Dreharbeiten mit Justin Timberlake haben wir die Macht von Twitter zu spüren bekommen. Jemand hatte getwittert, wo wir drehen. Wir kamen am Drehort an und eine Stunde später waren da 3000 Menschen. Das ist nicht gut, man kann sich nicht mehr verstecken. Man kann ja auch Bilder twittern und das war schon schräg: Wir drehten und sahen auf Twitter Fotos von uns bei den Dreharbeiten.

Will Gluck ist ein junger Filmemacher. Seine Karriere begann beim Fernsehen mit der Comedyshow The John Larroquette Show. Gerade hat er die Dreharbeiten zum Film Frauen mit gewissen Vorzügen beendet. In dem Film spielt Justin Timberlake die Hauptrolle. Der Film Einfach zu haben mit Emma Stone in der Hauptrolle läuft ab dem 11. November in den deutschen Kinos.

juz/news.de
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