Suchmaschinen Blekko will Google kitzeln

Blekko (Foto)
Blekko verspricht smates Suchen im Internet. Bild: screenshot news.de (blekko)

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Menschliche Intelligenz gegen Mathe-Algorithmus: Mit Hilfe der User will Blekko zu einer smarten Google-Alternative werden. Die Suchergebnisse sollen spamfrei und übersichtlicher sein. Die große Innovation ist ein Schrägstrich. 

Yahoo, Altavista, Lycos, Ask, Bing oder Fireball: Unzählige Leichen und Schwerverletzte pflastern den Erfolgsweg von Google. Der Suchmaschinengigant hat auf seinem Triumphzug zum Quasi-Monopolisten im Internetsuchmarkt so ziemlich alles niedergetrampelt, was an Konkurrenz vorhanden war. In Deutschland kommt Google aktuell auf einen Marktanteil von fast 90 %. Zum Vergleich: Der nächstfolgende Mitbewerber Bing liegt aussichtslos abgeschlagen mit 2,7 % auf Rang 2, wie webhits.de ausweist. Einstmals stolze Suchportale wie Fireball oder Lycos erreichen mittlerweile nur noch Marktanteile, die im Ranking mit 0,0 Prozent ausgewiesen werden, also deutlich unter 0,1 Prozent liegen.

Suchmaschinen
Alternativen zu Google

Trotz des vermeintlichen Google-Monopols auf dem Suchmarkt wagt sich immer mal wieder ein neuer Wettbewerber aus der Deckung. Der neueste Kandidat heißt blekko.com. Das Portal aus den USA ist nach drei Jahren Entwicklungszeit seit einigen Tagen für alle Internetuser zugänglich. Blekko selbst sieht sich weniger als direkter Google-Herausforderer, sondern will als smarte Alternative irgendwo neben dem Platzhirsch seine eigene Nische finden.

Menschliche Intelligenz statt Mathe-Algorithmus

Das Konzept von Blekko bezieht Internetnutzer mit in die Suche ein und will diese dadurch qualitativ und quantitativ besser zu machen. Statt eines kalten Mathe-Algorithmus wie Google setzt der Neueinsteiger auf die menschliche Intelligenz der User. Diese sollen durch eigene Kategorisierungen, Kommentare oder Verlinkungen dafür sorgen, dass etwa Spamseiten, die nur entwickelt wurden, um Geld durch Werbeklicks zu generieren,  gar nicht erst im Suchverzeichnis auftauchen. In Grundzügen ist es also ein ähnliches Konzept wie bei der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Die Einbindung der Nutzer beinhaltet allerdings auch schon den ersten Haken an der Sache. Denn für einen sinvollen Gebrauch aller Suchfunktionen sollte man sich in jedem Fall einen eigenen Account anlegen. Eine Hürde, die bereits viele von einem ausgiebigeren Testlauf abschrecken dürfte. Wer diese jedoch überspringt, dem ermöglicht Bleeko nicht nur individuell zugeschnitte Suchergebnisse, sondern auch die Mitarbeit an einer besser sortierten und übersichtlicheren Suchmaschine. 

Der Nachteil an dem Konzept: Es kann nur dann richtig gut funktionieren, wenn sich viele Freiwillige finden, die Blekko aktiv nutzen. Wer will sich schon die Arbeit machen und beim Aufbau einer intelligenten Suchmaschine mitarbeiten, wenn er es bei Google auch bequemer haben kann und nach einem Spam-Klick trotzdem zum gewünschten Ergebnis findet? Wie bei allen nutzerbasierten Projekten besteht die Gefahr bei Blekko zudem in Fake-Accounts, die das Portal als Spielwiese missbrauchen.

Zauberwort «Slashtag»

Für alle Passiv-Nutzer, die Blekko ausschließlich als Suchmöglichkeit nutzen wollen, heißt das Zauberwort «Slashtag». Mit Hilfe dieser durch einen Schrägstrich (engl. Slash) ergänzten Sucherweiterung, die wie eine Art vordefinierter Themenfilter funktioniert, soll der User passgenauer zu seinem gewünschten Ergebnis geleitet werden. Wer zum Beispiel den Suchbegriff «Barack Obama» mit dem Slashtag «/blogs» eingrenzt , erhält nur die Ergebnisse von Blog-Seiten. Mit der Erweiterung «/date» lässt sich die Suchanfrage chronologisch ordnen, die Ergänzung «/dr=2005-2006» würde den Suchzeitraum dagegen auf eben diese beiden Jahre beschränken. Neben vorgefertigen Slashtags besteht die Möglichkeit, eigene zu kreieren. Viele Suchen lassen sich so von vornherein zielgenauer als bei Google angehen.

Ebenso positiv hebt sich Blekko in puncto Transparenz vom Platzhirsch ab. Der Sucher kann, wenn er das möchte, die Faktoren einsehen, durch die sein Suchergebnis zustande gekommen ist. Weniger schön ist für alle deutschen User, dass die Maschine bisher nur Englisch spricht. Die Angabe von «slashtags» auf deutsch ist demnach wenig sinnvoll.

Wie alle seine Vorgänger wird auch Blekko die schiere Übermacht von Google nicht gefährden können. Die innovativen Ansätze der intelligenten Suchmaschine dürften dem Giganten aber auch nicht ganz egal sein.

ruk/news.de

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