Peter Maffay Mitrrreißende Parrrty mit Frrreunden

Tourauftakt aus dem Bilderbuch: Peter Maffay zeigt in Hamburg, wie man eine opulente Show auf die Beine stellt. Und im Interview mit news.de präsentiert der jung gebliebene Rockstar nicht nur sein erstes Tattoo.

Peter Maffay (Foto)
Energiegeladen: Peter Maffay beim Tourauftakt in Hamburg. Bild: ap

Er begrüßt zehntausende Fans, wie sie nur Peter Maffay begrüßen kann. «Guten Abend, liebe Frrreunde!» Dabei rollt er das R, wie eben nur ein Peter Maffay das R rollt. So wurde der Musiker zigfach parodiert, so lieben ihn die Menschen in der O2-Arena. Und er feiert den Auftakt seiner Tattoos-Tour in Hamburg mit sehr vielen Frrreunden. Auf dem VIP-Rang sitzen Udo Lindenberg, Gunter Gabriel, Volker Lechtenbrink und Mirja du Mont. Die Normalo-Ränge sind vollbesetzt, nur im Innenraum der riesige Halle klaffen Lücken, über die sich diejenigen freuen, die beim Tanzen gern wilden Drehungen frönen. Davon sind nicht viele da, denn mit Peter Maffay ist auch sein Publikum älter und gesetzter geworden.

Letzteres gilt übrigens nicht für den deutschen Rockstar. Er trägt obenrum nichts außer einer Weste, die die Tattoos auf seinem durchtrainierten Körper freilegen. Mit einer fantastischen Bühnenshow, die unter anderem das Philharmonic Volkswagen Orchestra, die Peter-Maffay-Band und eine kleine Bühne mitten im Publikum beinhaltet, übertrifft sich der mittlerweile 61-Jährige selbst. Das muss jeder zugeben, der Peter Maffay für zu schmalzig, zu alt, zu klein oder irgendwie anders doof findet. Er versteht sein Geschäft, er reißt mit, er macht jeden, der es noch nicht war zum Frrreund.

«Musikalische Tattoos»

Die Feststellung, dass man auch als (noch) nicht Fan außer So bist du und Es war Sommer viel mehr Peter-Maffay-Songs kennt, ist eine erquickliche. In 40 Jahren Bühnenpräsenz ist viel Liedgut  zusammengekommen, einiges hat sich zur Volksweise entwickelt. Und es macht Spaß, dem Sänger bei seiner Freude über so ein großes Publikum zuzuschauen.

Außerdem beantwortet Peter Maffay zwischen den Stücken selbst die meisten Fragen, die sich Journalisten ausdenken könnten. «Ich werde immer wieder gefragt, warum mein Album Tattoos heißt», sagt er in die Menge. «Weil wir musikalische Tattoos mitgebracht haben, die sich auf Menschen und Begegnungen beziehen.» Daraufhin folgt ein zweieinhalbstündiger Querschnitt aus seinem Repertoire. Zwischen Balladen (Du), Protestsongs (Eiszeit) und Rocknummern, die die Scorpions als Inbegriff der deutschen Rockmusik nicht besser hinbekommen hätten. Nach der Show ist auch Peter Maffay glücklich und bereit für ein Interview. Denn sich selbst hat er noch nicht alle Fragen beantwortet.


Sie hatten heute Abend Ihren Tourauftakt und 40-jähriges Bühnenjubiläum. Wie war's für Sie?

Maffay: Ich hatte meinen Spaß und die Jungs auch. Es gab ja einige Dinge, die ich so vorher noch nie gemacht habe. Eine große und eine kleine Bühne, ein Orchester sind auf der gesamten Tour dabei. Es ist ziemlich viel Abwechslung und wir werden schon den Bogen rauskriegen, wie alles noch besser funktioniert. Bei soviel Technik gibt es natürlich viele Fehlermöglichkeiten. Aber es ist gut gelaufen. Wir sind jetzt sehr lange unterwegs und da muss man allen danken, die an dieser Show mitarbeiten, den Technikern, der Regie. Wir hören uns nach so einem Abend auch Kritik an und versuchen Dinge noch besser zu machen. Jetzt gehen wir hochmotiviert in die nächsten Runden.

Wie können Sie so ein Mammutprogramm absolvieren?

Maffay: Wir haben zehn bis zwölf Stunden am Tag geprobt. Mit der Zeit kommt die Routine. Aber man muss natürlich auch dran bleiben. Für mich selbst mache ich jeden Morgen ein bisschen Hanteltraining. Das hilft mir, jeder hat da so seine eigenen kleinen Tricks.

Ihr aktuelles Album und die Tour heißen Tattoos. Zeigen Sie mir mal eins von Ihren.

Maffay (zeigt auf seinen rechten Oberarm): Da ist mein erstes. Ein Rabe aus der Mythologie. Es ist ein Wandler zwischen den Welten. Und als Musiker ist man das auch ein bisschen.

Warum haben Sie Hamburg als Ort des Tourauftakts gewählt?

Maffay: Ich komme gern nach Hamburg. Meine ersten Plattenfirmen, die mich haben wachsen lassen, waren hier. Ich habe auch eine Zeit lang hier gelebt und ziemlich viele Freundschaften gefunden. Es ist einfach die rock'n'rolligste Stadt in Deutschland.

Sie stehen seit 40 Jahren auf der Bühne.

Maffay: Ja, das war eine sehr schnell ablaufende Zeit. Viele Ereignisse sind für mich noch so frisch, obwohl sie vielleicht 30 Jahre zurückliegen. Ich gucke heute ins Publikum und sehe Gesichter, die ich noch von damals kenne. Das war eine sehr intensive Zeit, aber die die vor uns liegt, wird genauso bleiben. Ich bin dankbar für die Entscheidung, Musik zu meinem Mittelpunkt im Leben gemacht zu haben. Ich wusste nicht, dass das so sein würde. Das war Intuition.

Haben Sie sich ihr Bühnenjubiläum so vorgestellt?

Maffay: Vor 40 Jahren habe ich natürlich nicht daran gedacht, dass ich jetzt noch hier stehen werde. Da gab es Höhen und Tiefen. Jeder von uns hat feststellen müssen, dass das Leben auf der Bühne nicht immer in der Sonne stattfindet, sondern dass es auch Schatten gibt.

Bei Ihrem ersten Hit Du sehen die Zuschauer auf einer Leinwand Bravo-Cover, auf denen Sie zu sehen sind, durch die Jahrzehnte hinweg. Sie mit roten Plateauschuhen und gelben Overall, mit Vokuhila-Frisur. Haben Sie ein Lieblingsjahrzehnt?

Maffay: Ich hatte immer schicke Outfits (lacht). Ich bin eigentlich mehr ein gegenwartsbezogener Mensch. Für mich ist jetzt die beste Zeit. Dass ich damals die Chance hatte, in diesem Metier durchzustarten, war etwas ganz Großartiges. Insgesamt gesehen finde ich die Zeit jetzt wunderbar, weil sich vieles in der richtigen Form ergänzt. Ich denke da nur an meine Stiftung. Wie gut das mit der Musik zusammengeht, ist heute vielleicht besser als vor zehn Jahren.

Sie sind sehr engagiert in Ihrer Tabaluga-KinderstiftungMit dieser Stiftung engagiert sich Peter Maffay für traumatisierte Kinder. .

Maffay: Es gibt sehr viele, die ähnlich unterwegs sind. Wir haben irgendwann damit angefangen und festgestellt, dass es Spaß macht. Wenn man montags so eine Geschichte anfängt, will man dienstags nicht gleich wieder aufhören. Ich könnte das auch gar nicht alleine. Ich bin ein Teamplayer geworden, weil es nicht anders geht, weder in der Band noch in der Stiftung.

Was würden Sie dem Peter Maffay von vor 40 Jahren mit Ihrem Wissen von heute raten?

Maffay: Einen anderen Schneider zu nehmen (lacht). (Anm.d. R. Kurz vorher wollte er ein neues Tattoo auf seiner Brust zeigen. Sein ärmelloses T-Shirt war jedoch zu eng.)

Ist das alles?

Maffay: Es gibt schon Dinge, die man gelernt hat. Ich hatte damals keine Ahnung, wie abwechslungsreich dieser Beruf sein kann. Wie leicht man ausrutschen und abstürzen kann. Wie leicht man Fehler macht. Ich wurde neulich gefragt, was ich meinen siebenjährigen Sohn am meisten wünschen würde. Und da habe ich gesagt: Ich würde ihm wünschen, dass er ohne Angst aufrichtig durch die Welt marschiert. Wenn er das macht, wird er auch den Rest erledigen. Und ich denke als Musiker tut man immer gut daran, offen zu bleiben für Stilistiken und Veränderungen. Dann bleibt es immer lebendig und reizvoll.

Und hätte der Peter Maffay von damals auf Ratschläge gehört?

Maffay: Kommt darauf an, von wem sie gekommen werden. Wenn sie gut sind, ist es schietegal, woher sie kommen. Aber sie müssen ehrlich gemeint sein. Das habe ich auch gelernt mit der Zeit. Ich habe ein bisschen die Qualität entwickelt, festzustellen, wer meint es ehrlich und wer zieht einen über den Tisch. Ich würde heute genau wie damals meinen Bauch sehr oft entscheiden lassen, ich habe da nicht soviel Angst.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Maffay: Heute nicht. (lacht und zeigt auf die Aftershow-Party, die im Hintergrund läuft)

Lesen Sie hierzu auch das news.de-Interview mit Gunter Gabriel «Peter Maffay ist ein Schnulzensänger».
 

Peter Maffay live: 4.11. Berlin, 5.11. Kiel , 6.11. Halle/Westfalen, 8.11. Leipzig, 9.11. Rostock, 10.11. Bremen, 12.11. Flensburg, 13.11. Hannover, 14.11. Mannheim, 16.11. Nürnberg, 18.11. Frankfurt/Main, 19.11. Dortmund, 20.11. Dresden, 22.11. Magdeburg, 23.11. Erfurt, 25.11. München, 26.11. Frankfurt/Main, 27.11. Trier, 29.11. Stuttgart und 30.11. Freiburg. Im Dezember wird die Tour fortgesetzt.

ruk/news.de

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