Von news.de-Redakteur Jens Kiffmeier, Berlin
Neue Rolle für Christian Ulmen: In der Web-TV-Serie Die Snobs mimt er einen cholerischen Exzentriker, der anderen das Leben schwer macht. Trotzdem fühlt sich der Schauspieler mit seiner Eigenproduktion frei wie nie, wie er news.de verraten hat.
Christian Ulmen ist eigentlich ein Sportmuffel. Das hat er kürzlich der Berliner Morgenpost erzählt. Doch für seine neue Rolle hat der Schauspieler einmal eine Ausnahme gemacht. In der Web-TV-Serie Die Snobs - Sie können auch ohne Dich, die ab heute auch immer donnerstags um 21.45 Uhr auf ZDFneo zu sehen ist, hat der 35-Jährige zum Golfschläger gegriffen. Dass er auf dem Grün eine tadellose Figur abgegeben hat, steht dabei für ihn außer Frage: «Zwei Stunden», sagt er mit inbrünstiger Überzeugung, «dann war ich fit.» Zumindest so fit, dass die Abschläge kameratauglich aussahen, wie Ulmen schließlich einräumt.
Wer sich selbst ein Bild von den Golfer-Qualitäten des Schauspielers machen will, der kann sich in den kommenden Wochen die 18-teilige Internetserie anschauen. In Die Snobs verkörpert Ulmen einen exzentrischen Choleriker namens Astor, der sich jeden Sonntag mit seinem Dandy-Freund von Zeesen (Wilfried Hochholdinger) auf dem Grün trifft. Die beiden verbindet eine Art Hassliebe – und so kämpfen sie nicht nur mit den Handicaps auf dem Platz, sondern auch mit ihren eigenen psychischen Macken. Mitunter sind die so groß, dass sie sich noch auf dem Platz von einer Psychiaterin therapieren lassen oder einem überheblichen Zahnarzt die Vorderzähne mit einem Golfschläger entfernen.
Ulmen und Hochholdinger haben den Snob in sich entdeckt
Die Rollen scheinen den beiden Schauspielern auf den Leib geschrieben worden zu sein. So sieht das zumindest Hochholdinger. Beim Lesen des Drehbuchs, das maßgeblich von Janna Nandzik verfasst worden ist, hatte er ein Déjà-vu. Die Figur des von Zeesen, der auf den ersten Blick als gut gekleideter feiner Pinkel daherkommt, habe ihn stark an ihn selbst erinnert. «Mein erster Gedanke war: Hey, das bin ja ich», sagt Hochholdinger, für den die Verwandlung vom Schauspieler in den Golf spielenden Snob mühelos funktionierte. «Ich habe mich auf das Drehbuch gesetzt und habe es geritten wie einen alten Gaul.»
Christian Ulmen machte sich die Vorbereitung laut eigener Aussage derweil leichter. Er habe sich einfach Hochholdinger zum Vorbild genommen. «Ich habe ihn ein paar Stunden studiert, dann hatte ich den Snob perfekt drauf», berichtet Ulmen bei der Präsentation der Serie in Berlin. Eine Spitze, die Hochholdinger eher als Kompliment denn als Beleidigung empfindet.
Künstler im Web: Manchmal stößt die Freiheit an Grenzen
Insgesamt lebt die Serie sehr stark von dem Zusammenspiel der beiden arroganten Freunde, deren jeweils überhebliche Art auch vor dem anderen nicht haltmacht. Ulmen und Hochholdinger blühen in ihren Rollen auf und machen die Serie in dieser Hinsicht durchaus sehenswert. Leider konzentrieren sich die Macher nicht nur ausschließlich auf das Zeichnen der charakterlichen Feinheiten der beiden Protagonisten. Wenn zum Beispiel in Folge fünf Astor und von Zeesen Bewusstsein erweiternde Pilze essen, sich plötzlich in einer Kriegsschlacht wähnen und sich in Tarnkleidung in den Sandbunker schmeißen, driftet die Serie eher in billigen Klamauk ab.
Trotzdem ist das Werk für Ulmen eine Herzensangelegenheit. Die Erstausstrahlung der 18 Folgen, die jeweils eine Dauer von sieben bis acht Minuten haben, werden von seiner Firma Ulmen Television für das Telekom eigene Videoportal 3min.de sowie für ZDFneo produziert. Nach Ulmen.tv ist es für den Schauspieler bereits das zweite Internetprojekt, das er in Eigenregie umsetzt. Der verstärkte Gang ins Netz ist für ihn dabei kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Denn es biete einem Künstler «die maximale Freiheit», sagt Ulmen. Er wolle keinen Abgesang auf das Fernsehen machen. «Aber im Netz hat man bislang keine Redakteure, die einem reinquatschen», wie er news.de in Berlin verraten hat.
Mit Die Snobs tummeln Sie sich auf dem Web-TV-Markt. Würden Sie Filmkollegen raten, Ihnen ins Netz zu folgen?
Ulmen: Warum nicht. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich hätte Spaß an guter Nachbarschaft.
Warum ist Web-TV für Sie ein attraktives Medium?
Ulmen: Weil es sehr frei und direkt ist. Wir haben bisher 1:1 umsetzen dürfen, was wir uns vorgestellt haben. Und man kann von überall in der Welt bei uns vorbeischauen und sehen, ob es einem gefällt.
Welche Vorteile kann das neue Medium gegenüber dem herkömmlichen Fernsehen ausspielen?
Ulmen: Es ist 24 Stunden lang weltweit zu empfangen. Man kann Clips anhalten, zurückspulen, versenden und teilen. Es ist alles sehr flexibel und ohne Komplikationen konsumierbar.
An welcher Stelle stößt das Medium an seine Grenzen?
Ulmen: Die Werbung nervt. Aber das tut sie ja auch im Fernsehen. Wenn man seinen Fernseher für das Internet nutzt, bleibt sogar der Rezeptionsrahmen derselbe.
Ist das Fernsehen in seiner jetzigen Form mit den Endlosschleifen von Soaps, Comedy und Reality-Shows dem Untergang geweiht?
Ulmen: Es darf definitiv spannender werden. Fernsehinhalte wie die von HBO - das wäre ein Traum.
Ihre ProSieben-Sendung «Mein neuer Freund» wurde trotz einer Million Zuschauer abgesetzt. Gibt es im deutschen TV noch die Chance für Neuprojekte, die nicht auf Anhieb Quote bringen?
Ulmen: Bisher haben sich für mich immer wieder Experimentierfelder und Plattformen aufgetan. Zurzeit arbeiten wir sehr zufrieden mit ZDFneo zusammen, die hungrig nach neuen, jungen Formaten sind.
Aber Sie haben sicherlich auch für ihr aktuelles Projekt einen Erfolgsradar. Welche Maßstäbe legen Sie an «Die Snobs» an?
Ulmen: Dass es eine Gruppe von Menschen gibt, denen es gefällt und die sich darüber freuen können.
Titel: Die Snobs - Sie können auch Ohne Dich
Regie: Max Luz
Darsteller: Christian Ulmen, Wilfried Hochholdinger, Frederick Lau
Sendetermin: Neue Folgen donnerstags, sonntags und dienstags auf www.3.min.de sowie donnerstags um 21.45 Uhr bei ZDFneo