Wer zu spät kommt, den bestraft das Label? Nicht ganz. Gleich drei aktuelle CDs zeigen, dass sich das Warten manchmal lohnen kann. Im Falle von Fyfe Dangerfield sogar ganz besonders für die Fans.
Schon Anfang des Jahres ist Fly Yellow Moon, das erste Soloalbum von Fyfe Dangerfield, in Großbritannien erschienen. Nun kommt die CD des Guillemots-Frontmanns auch in Deutschland auf den Markt. Die Verspätung hat durchaus auch positive Folgen. Denn das Album wurde mit ein paar zusätzlichen Bonustracks aufgepeppt.
Die sind nicht nur ebenso hörenswert wie der Rest der in nur fünf Tagen in London aufgenommenen Platte. Sie machen es auch einfacher zu erklären, wo hier der Schwerpunkt liegt. Denn einer der Bonus-Tracks von Fly Yellow Moon ist Fyfe Dangerfields Version von She’s Always A Woman, dem Billy-Joel-Klassiker. Der Song untermalte einen TV-Werbespot, wurde zum Top-10-Hit in England und zeigt: Das ist einfach ganz klassische Songwriterkunst, so wie sie Billy Joel verkörpert hat, Jeff Lynne oder Ian Broudie von den Lightning Seeds. Das alles wirkt wie aus dem Ärmel geschüttelt, und doch perfekt ausgearbeitet. Eingängig, einfühlsam, mit schlauen Texten. Und mit dem Herz am rechten Fleck.
Interpret: Fyfe Dangerfield
Album: Fly Yellow Moon
Plattenfirma: Polydor
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2010
In ihrer Heimat Belgien sorgen Absynthe Minded schon für Furore: Dreifach Gold gab es dort bereits für ihr gleichnamiges Album. Nun erscheint Absynthe Minded, bereits das vierte Album der Band aus Gent, auch in Deutschland. Es könnte auch hier ein Erfolg werden. Denn das Quintett um Frontmann Bert Ostyn vereint in seinen besten Momenten die Virtuosität von echten Könnern mit der Spontaneität eines losen Kollektivs, versöhnt Weltmusik mit Indie und die Exzesse von Post-Rock mit der Einfachheit von Folk.
Ein Höhepunkt ist das herrliche I’ll Be Alright, in dem sich Ostyn im Refrain zur Zeile «What a beautiful story» immer höher schwingt. Und am Schluss rufen Absynthe Minded mit dem feinen I Like When You’re Sad dank eines Trompetensolos, reichlich Lakonie und fieser Textzeilen sogar Erinnerungen an Cake wach. Nur eines lässt sich bei Absynthe Minded nicht so recht erkennen: ein Alleinstellungsmerkmal. Aber vielleicht kann dafür ja das schlechte Wortspiel im Bandnamen herhalten.
Interpret: Absynthe Minded
Album: Absynthe Minded
Plattenfirma: Vertigo
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2010
Eine Verspätung der ganz anderen Sorte gibt es bei Eric Eckhart. Denn der hat immerhin 41 Jahre gebraucht, um sein Debüt This Is Where It Starts vorzulegen. Der Amerikaner, der inzwischen in Berlin lebt, beweist darauf, dass die Schublade «Singer-Songwriter» nicht automatisch «langweiliger alter Sack» bedeuten muss.
Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist Dave Hingerty. Der geht mit reichlich Wucht und Klasse am Schlagzeug zu Werke. Und zwar nicht nur bei den zackigeren Momenten wie Better Way, einem Bluesrock mit schrägen Trompeten, oder Open Up, das an die längst verblichenen Rembrandts denken lässt. Eric Eckhart setzt auch in den sanfteren, stillen Momenten auf die Kraft des Schlagzeugs - ein großer Vorteil gegenüber vielen seiner Kollegen.
Der zweite Grund ist Eric Eckharts Stimme. Darin steckt so viel Zuversicht, Hoffnung und unverschämte Jugendlichkeit wie das sonst etwa nur Tim Wheeler von Ash, Evan Dando von den Lemonheads oder Ben Kweller hinbekommen, an den man bei diesem sehr eingängigen Mix aus Indie-Rock, Pop und etwas Country an vielen Stellen denken muss.
Interpret: Eric Eckhart
Album: This Is Where It Starts
Plattenfirma: A Headful Of Bees
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2010