So., 27.05.12

Frauennothilfeverein 29.10.2010 Prozess um Schwarzers Spende beginnt

Alice Schwarzer (Foto)
Will wissen, was mit ihrer Spende passiert ist: Alice Schwarzer. Bild: dpa

Alice Schwarzer hat den Prozess angestoßen, jetzt fliegen die Fetzen: «Absurd, boshaft und abenteuerlich» seien die Vorwürfe, empört sich der Angeklagte. Ihm wird vorgeworfen, Spenden für einen Frauennothilfeverein veruntreut zu haben.

Alice Schwarzer hatte das Verfahren ins Rollen gebracht: Die Emma-Chefredakteurin wollte wissen, was mit ihrer Spende über eine halbe Million Euro an den Frauennothilfe-Verein Hatun & Can geschah. Am Freitag begann vor dem Berliner Landgericht der Betrugsprozess gegen den Vorsitzenden des Vereins. Gleich zum Auftakt des Prozesses wies die Verteidigung die Anklage als rechtswidrig zurück.

Der Vereinschef soll Spendengelder von 690.000 Euro erschlichen und einen Teil davon für seinen privaten Luxus ausgegeben haben. Noch bevor die Anklage am Landgericht verlesen wurde, stellte Verteidiger Hubert Dreyling einen Befangenheitsantrag. Knapp zwei Stunden lang trug er vor, warum er die Vorwürfe für «absurd, boshaft und abenteuerlich» hält. Der 41-jährige Vereinschef habe sich nicht bereichert. Vielmehr habe er viele Helfer, die Hartz IV-Leistungen bezogen, in bar und schwarz bezahlt, sagte der Verteidiger.

Der Angeklagte selbst habe in erbärmlichen Verhältnissen gelebt. Zudem sei er als Vertrauensmann des Verfassungsschutzes in Bordellen und Bars unterwegs gewesen. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf einer willkürlichen Anklage zurück.

Der Vereinschef sitzt seit Ende März in Untersuchungshaft. Auch die Frauenrechtlerin Schwarzer gehörte zu den Spendern. Sie überwies eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto. Die Feministin hatte die Summe bei einer Prominentenausgabe der RTL-Show Wer wird Millionär? gewonnen. Mit ihrer Anzeige kamen die Ermittlungen ins Rollen. Laut Anklage bekamen nur wenige Frauen Unterstützung.

Der Verein war nach dem sogenannten Ehrenmord an der Deutsch- Türkin Hatun Sürücü gegründet worden. Er soll Frauen helfen, die von Zwangsheirat und Gewalt bedroht sind. Er ist nach Hatun und ihrem kleinen Sohn benannt, der nach dem Mord in eine Pflegefamilie kam.

 

amg/news.de/dpa
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