Von news.de-Redakteur Oliver Roscher, Hannover
Maria Furtwängler packt als Tatort-Kommissarin ein heißes Eisen an: Sie ermittelt in einem Mord an einem schwulen Fußballprofi mit Hannover 96 als Kulisse. Tod und Tragödie bei «96» - Bezüge zu Robert Enke werden verneint. News.de war vor Ort.
Maria Furtwängler erscheint zur Präsentation des neuen NDR-Tatorts stilecht mit Hannover-96-Schal. Das Fan-Utensil ergatterte sie auf dem Weg zur Presserunde bei einer Tombola am Hauptbahnhof - welch Zufall. Hannover-96-Präsident Martin Kind ist sichtlich erfreut ob des vermeintlich neuen Fans. Die 44-Jährige macht dessen Hoffnung aber gleich zunichte: «Ich bin FC-Bayern-Fan, natürlich», sagt die gebürtige Münchnerin.
Der neue Niedersachsen-Tatort (Ausstrahlung im Frühjahr 2011) spielt in der Fußballszene, so viel ist sicher. Drehbuchautor Harald Göckeritz kündigt einen «außergewöhnlichen Tatort» an mit «Homophobie im Profifußball als eines der zentralen Themen». Im Zuge der Ermittlungen zu einem Mord an einem Fußballprofi weisen die Indizien auf ein Doppelleben des toten Kickers hin, der vordergründig eine Scheinehe führt.
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) versucht also den Tabubruch. Regisseur Nils Willbrandt verrät vorab, dass dieser Tatort «ein Bild entwirft, das man so nicht in der Sportschau zu sehen bekommt». Hannover-96-Präsident Martin Kind war jedenfalls «vom Konzept und vom Drehbuch voll überzeugt». Außerdem sieht er die Vereine bei sogenannten Tabuthemen, wie Homosexualität im Profifußball, in der Pflicht: «Es gibt Themen, die in der Öffentlichkeit kommentiert werden müssen.»
DFB-Präsident als Ideengeber
Die Idee zu dem ungewöhnlichen Thema stammt vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFBDeutscher Fußballbund ) höchstselbst. Theo Zwanziger habe seine Idee der Hauptdarstellerin persönlich mitgeteilt. «Bei einem zufälligen Treffen mit Dr. Theo Zwanziger sprach er mich darauf an, warum nicht die Themen Integration oder Homophobie im Fußball angesprochen werden», schildert Maria Furtwängler die Begegnung.
Kommissarin Charlotte Lindholm verschlägt es in diesem Fall auch nicht ins ländliche Niedersachsen, sondern in die Landeshauptstadt Hannover. Auch bei Fußball-Bundesligist Hannover 96 werden einige Szenen gefilmt. Der Klub wird aber nicht namentlich in der Tatort-Folge genannt, denn «es soll ja keine Dokumentation sein, sondern eine Geschichte, die ausgedacht ist», betont Produzentin Dagmar Rosenbauer. Realistisch werden in jedem Fall die Spielszenen sein, die am 13. Spieltag der Bundesliga (20. November) eingespielt werden. Als «Kulisse» dient das Gastspiel des Hamburger Sport-Vereins bei Hannover 96. «Vier Minuten des Spiels werden gezeigt», bestätigt Martin Kind.
Unvermeidbar ist das Thema Robert Enke. Der Suizid des ehemaligen 96er-Torhüters jährt sich am 10. November zum ersten Mal. Sowohl Drehbuchautor Harald Göckeritz als auch Klub-Präsident Martin Kind betonen, dass der Tatort-Dreh in keinem Zusammenhang mit der Tragödie um Robert Enke steht. Göckeritz hätte das Buch sonst nicht geschrieben, «aus Respekt vor dem Menschen Robert Enke».
Martin Kind sagt, dass «es eine Sensibilität gegenüber dem Thema Robert Enke gibt und deshalb die Dreharbeiten in der Woche unterbrochen werden, in der die Tragödie vor einem Jahr stattfand». Dirk Neblung, Freund und Berater des Torhüters, hält das Timing der Filmleute jedenfalls für «fragwürdig», zitiert ihn die Südddeutsche Zeitung. Christian Granderath, Leiter des NDR in Sachen Fernsehfilm, weist das gegenüber der Süddeutschen Zeitung von sich: «Mit Robert Enke habe das nichts zu tun.»
Erster Lindholm-Fall ohne Martin Felser
Ingo Naujoks als Martin Felser wird dann bekanntermaßen nicht mehr an der Seite von Charlotte Lindholm sein. Schon beim nächsten Fall (Der letzte Patient, Sonntag, 31. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten) fehlt der schusselige Krimiautor, der gleichzeitig der Mitbewohner der Kommissarin ist. Über die Nachfolge wollte Produzentin Dagmar Rosenbauer nichts verraten, nur so viel zur sonntäglichen Folge: «Martin Felser hat eine unglaubliche Präsenz, obwohl er gar nicht da ist.»
car/ivb/news.de